1. Meinung

Unterm Strich - die Kulturwoche, betrachtet von Rainer Nolden

Unterm Strich - die Kulturwoche : Schöne Akzente in trostlosen Zeiten

Bis wir alle geimpft sind, wird noch ein wenig Hochwasser die Mosel und andere Flüsse hinunterfließen. Und vielleicht, wer weiß, müssen sich einige von uns sogar bis zum nächsten Hochwasser gedulden.

Und wer dann endlich einen der begehrten Plätze in den Impfzentren ergattert hat, muss auch noch eine Weile warten, bis der erlösende Stich im Oberarm landet. Doch  warum sollte man diese Wartezeit nur mit stupidem Handyglotzen absitzen? Kunst und Corona, sie scheinen sich zu fliehen, und haben sich, eh’ man es denkt, gefunden … jedenfalls im niederbayerischen Straubing. Weil dort nämlich eine Künstlergruppe ihre Ausstellung wegen Corona absagen musste, verlegte sie die Schau kurzerhand ins örtliche Impfzentrum – und trat damit eine kleine Bewegung los. Mit ihrer Initiative „Kunst im Impfzentrum“ hat die Gruppe nicht nur eine kreative Lösung gefunden, um in Zeiten geschlossener Kunsttempel die Kunst eben doch noch unter die Leute zubringen, sondern auch etliche Kommunen und Vereine zum Nachahmen inspiriert.

Die Idee ist mittlerweile bis nach Trier vorgedrungen. Hier las die Kunsttherapeutin Claudia Grüntgens von den Barmherzigen Brüdern einen Bericht über die Straubinger Schau und nahm Kontakt mit dem örtlichen Impfzentrum auf. Dort sind nun Werke ihrer Klienten zu sehen. Zudem holte Grüntgens freischaffende Trierer Künstler mit ins Boot, die nun ebenfalls ihre Kreationen zeigen können. Die Initiative hat Wellen sogar bis über den Atlantik geschlagen, wo ein New Yorker Kunstmagazin über die Aktion berichtet hat. Dennoch ist so mancher Dickschädel in deutschen Amtsstuben nicht so leicht von den Vorzügen einer solchen k. u. k.-Aktion (Kunst & Krankheit) zu überzeugen. In Darmstadt hatte der SPD-Fraktionsvorsitzende Michael Siebel eine Schau nach Straubinger Vorbild angeregt – die jedoch vom Rathauschef abgelehnt wurde. Siebel hofft dennoch, dass die Kunst ihren Weg in das Impfzentrum finden könnte, „weil es ein schöner Akzent in einer etwas trostlosen Situation wäre“.

Etwa 30 Besucher waren zur Mittagszeit in den Liverpooler Cavern Club gekommen, um dort während ihrer Arbeitspause einen kleinen Snack einzunehmen. Der war ihnen vermutlich allemal wichtiger als das musikalische Unterhaltungsprogramm, das der Geschäftsführer der murkeligen Kneipe für seine Gäste organisiert hatte. An jenem 9. Februar 1961, dem im Rheinland wichtigsten Donnerstag jenes Jahres, weil die Weiber den Startschuss zum Karneval gaben, gestaltete, zurück nach Großbritannien, ab 12 Uhr eine vierköpfige Band namens „Beatles“ das Mittagskonzert. Es war der allererste öffentliche Auftritt der vier jungen Herren, für den sie, so will es die Legende, fünf Pfund, also 25 Shilling pro Nase, bekommen haben.  Damals saß am Schlagzeug noch Pete Best. Den hatten drei anderen wenig später gegen Ringo Starr ausgetauscht, und in dieser Formation lernten sie in eben jenem Keller den Manager Brian Epstein kennen, und der Rest ist, na ja, geschenkt!

Das legendäre Kellergewölbe in der Liverpooler Mathew Street 10 wurde 1973 abgerissen. In den 80er Jahren entstand an beinahe exakt derselben Stelle und mit Steinen aus dem alten Bauwerk ein neuer Cavern Club, der seitdem Beatles-Fans, Musikliebhaber und Touristen anzieht. „Für uns ging alles bergab, nachdem wir aufgehört haben, im Cavern zu spielen“, soll Ex-Beatle John Lennon einmal gesagt haben. Der berühmte Satz steht heute in großen Buchstaben an der Wand des Musikclubs im Herzen von Liverpool. Obwohl, da ist sich die Nachwelt wohl einig, der Wahrheitsgehalt dieser Aussage ein wenig fragwürdig ist … no/dpa