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| 18:57 Uhr

Die Kulturwoche
Unter der Gürtellinie tut sich so einiges

Otto Waalkes, Komiker und Schauspieler, zeigt in einer Buchhandlung sein Buch „Kleinhirn an alle“, das in diesen Tagen erschienen ist. Waalkes stellte seine Biografie im Rahmen einer Lesung vor.
Otto Waalkes, Komiker und Schauspieler, zeigt in einer Buchhandlung sein Buch „Kleinhirn an alle“, das in diesen Tagen erschienen ist. Waalkes stellte seine Biografie im Rahmen einer Lesung vor. FOTO: dpa / Axel Heimken
Otto – find‘ ich gut. Eigentlich und immer noch. Mit knapp 70 (die er am 22. Juli wird) blitzt ihm nach wie vor der Schalk aus den Augen und der Witz aus dem (mittlerweile altersbedingt verknitterten) Gesicht. Der Mann aus dem kühlen Emden hat in den 1960er Jahren die Deutschen das Lachen beziehungsweise das Grölen gelehrt, erst in Winz-Kneipen, dann im Fernsehen und Kino und zuletzt auf den großen Bühnen der Republik. Er war mal der Drittplatzierte in der ZDF-Serie „Unsere Besten – Komiker & Co“ hinter Loriot und Heinz Erhardt. Doch jetzt wirft er sich dem RTL an den Hals und verkündet ganz ohne  Schamgefühl (und natürlich in der Hoffnung, demnächst gefragt zu werden): „Ob ich ins ,Dschungelcamp‘ ginge? Selbstverständlich. Es wäre mir eine große Ehre, da eingeladen zu werden.“ Echt jetzt? Otto, der drittbeste deutsche Komiker, inmitten der abgehalfterten und trostlosen Ex-ex-ex-Promis aus der J-Klasse („janz weit unten“)? Wo man mitten zwischen Kellerasseln und Schlammpfützen einen allerletzten Rest von peinlicher Aufmerksamkeit zu erheischen sucht? Otto – find‘ ich gar nicht gut! Von Dr. Rainer Nolden

Kunst am Körper ist nichts Neues. Da gibt es die Körperbemalung, das Piercing, die Tätowierung. Alles ziemlich aufwendig und oft schmerzhaft – vor allem, wenn man die „Bodyart“ eines Tages wieder rückgängig machen will, weil das Tattoo im Zuge der Hautgeriatrisierung zu einem matschig-konturenlosen Farbfleck geschrumpelt ist. Bequemer ist da die Kunst vom Körper. Die hat man ganz schnell parat. Etwa nach der Dusche ein Griff zur Schere, und das Objekt ist gerettet für die Ewigkeit. Zu besichtigen ist eines jener Exemplare derzeit im nordrhein-westfälischen Ahlen: Dort hat ein (allerdings nachträglich) vergoldetes Schamhaar von Rainer Langhans den mit der geschichtsträchtigen Summe von 1968 Euro dotierten Preis des Kunstvereins Ahlen gewonnen. Das Kunstwerk stammt von den Künstlern Evelyn Möcking und Daniel Nehring. Jetzt fragt man sich natürlich, wie die auf diese Idee und später dann auch an das Ding herangekommen sind. Haben sie selbst zur Schere gegriffen oder den Eigentümer des Auswuchses um ein Exemplar seines Hornfadens gebeten? Letzteres trifft zu, wie der Kunstverein mitteilt. Das in Düsseldorf lebende Künstlerpaar habe die 68er-Ikone Rainer Langhans in München besucht und ihn um eine Schamhaarprobe gebeten. (Das  muss ein interessantes Gespräch gewesen sein!) Das glitzernde Exemplar wird zurzeit in der Ausstellung „68 wird 50 – ein Mythos in der Midlife Crisis“ in Ahlen gezeigt.

Bleiben wir bei einer Institution, die sich im Intimbereich bestens auskennt: dem Dresdner Hygienemuseum. Das widmet sich nicht nur delikaten, sondern derzeit auch einem hochbrisanten und brandaktuellen Thema: dem Rassismus. „Die Erfindung von Menschenrassen“ ist die Ausstellung überschrieben (zu sehen bis 6. Januar 2019). Noch vor etwa 80 Jahren wurden Menschen aus fernen Ländern in Deutschland wie im Zoo vorgeführt. Das Publikum konnte sie auf „Völkerschauen“ in landesüblicher Tracht beobachten – zum puren Amüsement. Die Idee dazu soll vom Hamburger Tierhändler und Zoobesitzer Carl Hagenbeck stammen. Er organisierte 1874 Deutschlands erste große Völkerschau, der bis in die 1930er Jahre überall im Land noch etwa 400 weitere folgten sollten.

Kuratorin Susanne Wernsing stellt unmissverständlich klar: „Es gibt keine Rassen. Rassen sind eine Erfindung des Menschen. Sie hat immer mit Abgrenzung zu tun.“ Und deren Ziel habe darin bestanden,  Kolonialismus und Ausbeutung zu legitimieren. „Dieser Mensch ist anders und unterlegen. So verschaffe ich mir das Argument für Versklavung und Ausbeutung.“

Die Sonderschau ist auch eine in eigener Sache. „Das Hygiene-Museum hat zu NS-Zeiten eine üble Rolle als Propaganda-Institution gespielt“, sagt Museumssprecher Christoph Wingender. Dabei sei es nicht nur um das Propagieren von „Rassenhygiene“ gegangen. Das Haus sei gut mit braunen Wissenschaftlern vernetzt gewesen: „Das Museum war gewissermaßen Teil des Wissenschaftsbetriebs.“

Kleiner Tipp für die Ausstellungsmacher: Vielleicht wäre es eine nette (und bestimmt sinnvolle) Geste des Museums, der peinlichsten Fraktion im Deutschen Bundestag, deren sauertöpfische Mitglieder rechts außen sitzen und nur dann klatschen, wenn kein anderer klatscht (und umgekehrt) einen kostenlosen Rundgang anzubieten, damit sie endlich kapieren, dass ihre unfromme Denkungsart bestenfalls noch als Abschreckung im Museum zu irgendetwas taugt. Den Rundgang könnten sie zusammen mit dem der kaukasischen Rasse angehörigen und ihnen mental gewiss nahestehenden Typen aus dem Weißen Haus machen, der Migranten gern als „Tiere“ bezeichnet. Wer im Glashaus sitzt … ⇥no/dpa

Das Werk „Searching for the Revolution“: ein vergoldetes Schamhaar von Rainer Langhans.
Das Werk „Searching for the Revolution“: ein vergoldetes Schamhaar von Rainer Langhans. FOTO: dpa / Nehring
Die 68er: Rainer Langhans (von links), Dieter Kunzelmann, Volker Gebbert und Ursula Körber, Mitglieder der legendären Kommune I, nach ihrer Festnahme im Berliner Rathaus Schöneberg im September 1967.
Die 68er: Rainer Langhans (von links), Dieter Kunzelmann, Volker Gebbert und Ursula Körber, Mitglieder der legendären Kommune I, nach ihrer Festnahme im Berliner Rathaus Schöneberg im September 1967. FOTO: dpa / Konrad Giehr