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"Unterm Strich - die Kulturwoche": Von Banksy bis Brooks

Die Kulturwoche, betrachtet von Rainer Nolden : Kunst und Könner

Jetzt werden sie auch zum Kunstobjekt, die Heldinnen der Corona-Krise. Der mysteriöse Streetart-Künstler Banksy hat sich auf seine Weise bei ihnen bedankt: mit einem großen Gemälde im britischen General Hospital in Southampton.

Das Bild aus der Klinik zeigt einen Jungen, der kniet und eine Krankenschwester-Puppe in seiner Hand durch die Luft schweben lässt. Sie streckt wie Superman ihre Hand aus – und trägt Gesichtsmaske, Umhang und eine Schürze mit rotem Kreuz. Es ist das einzige farbige Element im ansonsten schwarz-weißen Gemälde. Im Papierkorb vor dem Jungen liegen eine Spiderman- und eine Superman-Figur. Das Gemälde, zu dem Banksy nur „Game Changer“ (Spielwende) schrieb, soll bis in den Herbst im Krankenhaus bleiben und dann versteigert werden. Der Erlös soll an den chronisch unterfinanzierten staatlichen Gesundheitsdienst National Health Service gehen. Jetzt fragt man sich natürlich, wie der Künstler, dem nichts wichtiger ist als sein Inkognito, in ein (vermutlich zur Festung umgebautes) Krankenhaus gelangt ist. Hatte er einen Komplizen von der Intensivstation? Aus dem OP? Aus der Kantine? Oder hat er sich einen Arztkittel beschafft, um sich ungehindert im Krankenhaus bewegen zu können? Wie erklärt er dann Kollegen das ein mal ein Meter große Bild unterm Arm, das er ja bei sich tragen musste, wenn er es an eine Wand hängen wollte. Fragen über Fragent.

Hinter jedem großen Star steht ein noch größerer Regisseur, der ihm sagt, wo‘s langgeht, und ein Drehbuchautor, der ihm die richtigen Worte in den Mund legt. So einer ist James L. Brooks. Ohne ihn hätten es Stars wie Jack Nicholson, Shirley MacLaine und Helen Hunt in Hollywood wohl nicht so weit gebracht. Nicholson verdankt der Zusammenarbeit mit ihm gleich zwei seiner drei Oscar-Trophäen. In der Komödie „Besser geht‘s nicht“ (1998) brillierte er als grantig-neurotischer Schriftsteller, der seinen Mitmenschen das Leben schwer macht. Nur eine Kellnerin (Helen Hunt) wird von seinen Beleidigungen verschont. Nicholson und Hunt holten beide den Hauptdarsteller-Oscar. Brooks, der morgen 80 Jahre alt wird, castete Nicholson zuvor schon in dem Mutter-Tochter-Drama „Zeit der Zärtlichkeit“ (1984) als Liebhaber einer kratzbürstigen Witwe (MacLaine). Nicholson erhielt den Nebendarsteller-Oscar, MacLaine nach fünf Hauptdarsteller-Nominierungen ihren ersten Oscar überhaupt. Doch die eigentliche Sensation war damals der Hollywood-Neuling Brooks. Mit 43 Jahren gewann er für seinen ersten auf Anhieb die Trophäen als bester Regisseur, Drehbuchautor und den Spitzen-Oscar als Produzent des besten Films. Er gehört damit zu einer kleinen Elite von Multitalenten, darunter Billy Wilder, Francis Ford Coppola und Peter Jackson, die in einer Oscar-Nacht gleich drei Preise abräumen konnte. no/dpa