1. Meinung

Unterm Strich - die Kulturwoche

Unterm Strich – die Kulturwoche : Dekadenz und Fett und Filz

Dekadent beginnt das Jahr. Dekadent und mit dunklen Träumen. Nein, es geht ausnahmsweise nicht um das leider immer noch nicht ausgerottete Virus, sondern um den belgischen Symbolismus.  Der riskierte gegen Ende des 19. Jahrhunderts lustvolle Blicke in den Abgrund, an dessen Rand sich eine übersättigte Gesellschaft bewegte.

Der morbide Reiz zwischen Thanatos (Tod) und Eros sind Themenfelder in der Kunst des Fin de Siècle, auf die sich eben jener belgische Symbolismus konzentriert. Eine Sonderausstellung in der Berliner Alten Nationalgalerie zeigt Beispiele dieser in den 1880er Jahren entstandenen Kunstströmung mit Brüssel als einem Hauptzentrum und stellt das Spektrum an bislang wenig bekannten belgischen Positionen wie Fernand Khnopff, Léon Spilliaert, James Ensor oder Jean Delville als wichtige Referenz für den europäischen Symbolismus vor. Und da die Besucher weiterhin vor den Toren des Museums bleiben müssen, bietet das Museum eine Reihe von Online-Angeboten: Eine Videoreihe im Youtube-Kanal der Staatlichen Museen zu Berlin lädt zur Erkundung der Ausstellung ein. Während ein Film den Weg eines Gemäldes von Fernand Khnopff aus Brügge bis auf die Museumsinsel Berlin nachzeichnet (dokumentiert in einem rund achtminütigen Film, niederländisch mit deutschen Untertiteln, online verfügbar unter https://youtube.be/V5KIZGznW9s), widmet sich Ralph Gleis, Leiter der Alten Nationalgalerie und Kurator der Ausstellung, in einer Clip-Reihe den Höhepunkten und Themen der Ausstellung aus unterschiedlichen Perspektiven. Zudem ist ein Rundgang durch die Ausstellung auf dem Facebook-Kanal der Alten Nationalgalerie verfügbar. Gleis stellt die Ausstellung in einem Kurzfilm vor und widmet sich in einzelnen Clips den Highlights und Themen der Ausstellung, angefangen bei Porträts und Landschaften des belgischen Symbolismus. Die rund 50-minütige Live-Tour zu den wichtigsten Werken der Ausstellung ist in deutscher Sprache auf der Facebook-Seite der Staatlichen Museen zu Berlin als Video verfügbar: „www.facebook.com/staatlichemuseenzuberlin“. Die Reihe wird sukzessive fortgesetzt und ist auf dem YouTube-Kanal der Staatlichen Museen zu Berlin zu sehen: www.youtube.com/c/smb.

Anlässlich des 100. Geburtstags von Joseph Beuys am 12. Mai 2021 widmen neben vielen anderen Kunsttempeln das Museum Ulm und die Kunsthalle Vogelmann Heilbronn dem Jahrhundertkünstler zu Beginn des Ausstellungsreigens ein gemeinsames Projekt. Dabei steht Joseph Beuys nicht nur als herausragende Künstlerpersönlichkeit, sondern vornehmlich auch als politische Person im Fokus sowie seine besondere und spezielle Verbindung zum deutschen Südwesten. So bezog Joseph Beuys den Filz für seine Objekte in Giengen an der Brenz, und in Wangen im Allgäu wurde seine berühmte Honigpumpe für die documenta 6 hergestellt. Fett und Filz – sie spielen eine eminente Rolle im Schaffen des Düsseldorfer Kunstprofessors vom Niederrhein. Im jüngst ausgestrahlten Fernsehfilm „Werk ohne Autor“, das lose an die Biographie Gerhard Richters geknüpft ist, wird der Dresdner Maler als Student in die Meisterklasse von Beuys aufgenommen und erfährt von dem exzentrischen Künstler in einer Szene, warum Fett und Filz so wichtig für ihn waren: Als Kampfpilot war Beuys im Krieg auf der Krim abgeschossen und von Krimtataren gepflegt worden. Sie behandelten seine Wunden mit tierischem Fett und wickelten ihn in Filztücher zum Warmhalten. Das, so Beuys, habe ihm das Leben gerettet – und viel später neue und ungewohnte Möglichkeiten eröffnet. Selbst wenn es nur eine Legende sein sollte, so ist die Geschichte doch zu schön, um nicht wahr zu sein. Die Ausstellung ist bis zum 6. Juni im Ulmer Museum zu sehen. no