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NAtur
Vielfältige Esskastanie

Kathrin Hofmeister
Kathrin Hofmeister FOTO: TV / Kathrin Hofmeister
Verkörpert der Baum des Jahres Heimat? Wer in den Wäldern an der Mosel die heranreifenden Kesten sieht, könnte es denken. Doch mit der Esskastanie verhält es sich ähnlich wie mit den Zugezogenen in einem Eifeldorf. Von Kathrin Hofmeister

Man kann sich ausgesprochen heimisch fühlen. Einheimisch ist man deshalb noch lange nicht. Auf die Frage, ab wann man sich als „eenen von hei“ betrachten dürfe, variieren die Antworten zwischen fünf und zehn Generationen Ortsansässigkeit oder mehr. Die Ansiedlung der Kestenbäume durch die Römer liegt nun fast schon zwei Jahrtausende zurück. Ein mediterranes Gewächs bleibt die wärmeliebende Art doch. Richtig wohl fühlt sie sich nur im Weinbauklima. Trotzdem habe ich in unserem Eifeler Wald eine Schonung mit Kesten entdeckt. Für den Festschmaus sind die energiehaltigen und gesunden Früchte hier zu klein. Um Rinderrouladen zu füllen oder einfach als Knabberspaß im Backofen gegart, greife ich deshalb lieber auf die dickeren Maronen aus dem Süden zurück. Aber die stacheligen, grünen Hüllen der Lokalmatadore geben ein stimmungsvolles Dekomaterial zu herbstlichen Gerichten mit Maronen ab. Allerdings verlieren die frisch aufgesammelten „Igel“ schnell ihre grüne Neonfarbe. Mein Trick: Stachelhüllen in grünem Zustand einfrieren und erst am Servier-Tag herausholen.

Dass Maronen zu einem guten Tropfen Wein gehören, wussten schon die Römer. Vornehmlich brauchten sie das Esskastanienholz jedoch für den Weinbau selbst. Das witterungsbeständige Holz eignete sich hervorragend als Rebpfahl. In neuerer Zeit hat man ihre Qualitäten als Zaunelement entdeckt. Die gespaltenen Hölzer mit Draht verbunden ergeben einen natürlich wirkenden Lattenzaun. Lattenzäune sind zwar in Bayern üblicher – aber in ein, zwei Generationen bestimmt voll Heimat.

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