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Leitartikel
Vier Jahre sind möglich

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Berlin. Die Bundeskanzlerin muss jetzt Signale setzen. Von Hagen Strauss

Vier Jahre habe sie versprochen, und sie halte ihre Versprechen, so Angela Merkel. Dass die Kanzlerin tatsächlich die volle Legislaturperiode „durchregieren“ wird, liegt freilich nicht allein in ihrer Hand.

Merkel muss jetzt die richtigen Signale setzen, um ihr Ziel zu erreichen. Dann sind vier weitere Jahre als Kanzlerin durchaus wahrscheinlich.

Die CDU-Chefin hat inzwischen verstanden, dass die Ressortverteilung einer künftigen Groko ihrer Partei einen herben Schlag versetzt hat. Anfänglich hat man im Kanzleramt die Kritik und die Dynamik, die daraus erwachsen ist, eindeutig unterschätzt. Nun ist Merkel selbst ins Fernsehen gegangen, um die Dinge zu erläutern – das zeigt, wie ernst sie die Lage inzwischen nimmt. Spät, aber nicht zu spät, hat sie reagiert.

Nach zwölf Jahren im Kanzleramt und 18 Jahren CDU-Vorsitz scheint der 63-Jährigen die Fähigkeit noch nicht gänzlich abhan­dengekommen zu sein, ihre Partei zu verstehen, Stimmungen zu registrieren und darauf zu reagieren. Bevor aus einer Welle ein Tsunami wird. In der Flüchtlingskrise war das so, als sie den Kritikern nach und nach inhaltlich entgegengekommen ist. Ähnlich auch bei der Euro-Rettung. Das ist der große Unterschied zu Martin Schulz – weil er das Gespür für seine Partei innerhalb nur eines Jahres verloren hat, ist er mehr weggefegt worden als freiwillig gegangen.

Aufs Personal kommt es jetzt an. Die Kanzlerin muss bei der Besetzung der Kabinettsposten den personellen Auf- und Umbruch deutlich machen. „Ich habe verstanden“, muss die Botschaft sein. Mit Politikern wie Jens Spahn, Julia Klöckner oder auch Annegret Kramp-Karrenbauer kann sie zugleich Akzente für die Nachfolge setzen. Dann sind vier Jahre legitim – und möglich. Ansonsten wird ihr das Heft womöglich schneller aus der Hand genommen werden, als ihr lieb sein dürfte. Schulz könnte es ihr erzählen.

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