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Kolumne
Einfach mal die Augen aufmachen

FOTO: Werhan, Michael / TV
Meine Bärbel ist mal wieder sauer auf mich. Dabei habe ich gar nichts angestellt. Ich war zu Fuß in Trier unterwegs, kam irgendwann nach Hause und fand eine euphorische Bärbel vor. Das wäre ja alles so toll und witzig, erzählte sie.

Sie sei begeistert. Eine klasse Idee, sagte meine Angetraute. Ich wartete geduldig auf die Auflösung, auf die Ursache ihrer Begeisterung. Aber sie ging wohl davon aus, dass ich bereits im Bilde sei. Oder sein müsste. War ich aber nicht. Schließlich hielt sie es nicht mehr aus. Die Marx-Ampelmännchen, rief sie. Die musst du doch gesehen haben. Karl Marx in Rot und Grün. Ich bin natürlich wie immer durch Trier getrabt und habe nichts gemerkt. Ampelmännchen? Wer guckt denn schon so genau auf Ampelmännchen? Aber OK, nach Bärbels Standpauke erinnerte ich mich tatsächlich an eine grüne Fußgängerampel mit einem langen Bart. Und an andere Fußgänger, die lachend darauf zeigten. Bärbels Tadel war berechtigt. Da stellt sich mir doch die Frage, was ich noch so alles verpasse, wenn ich wie üblich in Gedanken versunken und mit halb geschlossenen Augen durch Trier laufe. Das neue Pflaster in der Simeonstraße. Die tolle Straßenmusikerin am Kornmarkt. Das provokante Graffiti am Theater. Generell die vielen schönen Seiten der Stadt Trier. In Zukunft passe ich besser auf, wenn ich durch Trier laufe. Schönes Wochenende.