1. Meinung

Vinyl der Woche: Drums and Wires – XTC

Vinyl der Woche: Drums and Wires – XTC : Die Viel-zu-unerfolgreichen

Diese Woche benötigen wir für die Kolumne Vinyl der Woche etwas Hilfe. Eifel-Reporter Fritz-Peter Linden hilft bei der Frage: Wieso waren XTC nie wirklich kommerziell erfolgreich?

Ich bin nicht oft ratlos. Die meisten Dinge, die ich nicht weiß, kann ich mittlerweile problemlos im Internet nachlesen. Lassen wir grundsätzlich unerklärliche Dinge (wie die Ungerechtigkeit eines derart schrecklichen Hochwassers, das Existenzen von wundervollen Menschen zerstört) außen vor, dann bleiben nur noch gaaaaanz wenige Fakten übrig, bei denen ich überfragt bin. Gut, dass ich Journalist geworden bin. Denn selbst, wenn ich die Antwort nicht kenne – einer meiner Kollegen kann helfen. Den altbekannten Vorwurf an die Medien, man habe in solchen Situationen „plötzlich immer einen Experten zur Hand“ können wir in diesem Fall nutzen. Meine Damen und Herren, darf ich den Mann vorstellen, der keiner Vorstellung benötigt? Hier kommt XTC-Experte Fritz-Peter Linden mit der Antwort auf die Frage: „Warum waren diese Jungs nie wirklich kommerziell erfolgreich?“

Also, Fritz? „Waren sie ja. Nur nicht genug. Und Andy Partridge litt unter Bühnenangst, weshalb sie nach 1982 nicht mehr aufgetreten sind. Schlecht fürs Geschäft.“

Wie könnte ich einem Experten widersprechen? Tatsächlich erreichen XTC 1979 mit ihrer Single Making Plans for Nigel einen gewissen Erfolg. Platz 17 der britischen Charts. Das zugehörige Album Drums and Wires erreicht immerhin Platz 34 in selbigen. Doch ihre Musik ist schon damals viel mehr. Viel besser. Viel zu unerfolgreich. Astreiner Pop, fluffig und graziös (wenn das Adjektive sind, die man auf Musik anwenden kann – aber es fühlt sich nunmal so an). Schwer zu beschreiben, leicht zu mögen. Vielleicht nicht beim ersten Hören. Aber Runde zwei oder drei der XTC-Platte gefällt fast zwangsläufig.

In Bezug auf die Bühnenangst von Andy Partridge gibt die Geschichte meinem geschätzen fritz’schen Kollegen natürlich Recht. 1982 befinden sich XTC auf ihrem kommerziellen Höhepunkt: dem Album English Settlement. Partridge erleidet einen Zusammenbruch, Gerüchte vermuten sogar, er sei gestorben. Nur Gerüchte, zum Glück. Dennoch: Das Touren gibt die Band erstmal auf.

Und dann? Fragen wir XTC-Fritz: „Mit Dear God hatten sie dann aber noch einmal einen mittleren Hit in den USA, danach verkauften sie wieder besser. Und dann wieder weniger.“ – Eine Kurzversion der späteren Bandgeschichte, die treffender kaum sein könnte. Dass die Band, die zwischenzeitlich als die „Beatles des New Wave“ bezeichnet werden, nie zum Gold­esel wird, erkennt auch Bassist Colin Moulding, der 2005 schreibt: „Ich habe vor sehr langer Zeit die Vorstellung aufgegeben, mit der Band Geld zu verdienen.“

Im gleichen Jahr trennt sich die Band. Und das ist – um es mit den Worten von Fritz-Peter Linden zu sagen – „ein Elend“.

In der Kolumne „Vinyl der Woche“ stellt der Trierische Volksfreund wöchentlich eine Schallplatte vor – von Neuerscheinungen, über besondere Alben bis hin zu Klassikern. Alle Serienteile finden Sie hier.