Wiedergelesen: David Nicholls „Zwei an einem Tag"

Wiedergelesen: David Nicholls „Zwei an einem Tag"

Es ist der 15. Juli 1988. Emma und Dexter, beide Anfang Zwanzig, haben gerade ihren Abschluss in der Tasche und die Nacht miteinander verbracht. Wo werden sie in einem Jahr, in fünf, in zehn, in 20 Jahren stehen? Genau das ist das Konzept in David Nicholls Roman.

Zwei Jahrzehnte lang, immer am 15. Juli, kehrt er zu seinen Protagonisten zurück und gibt dem Leser einen kurzen Einblick in deren Leben. Die intellektuelle Emma macht zunächst wenig aus ihrem Doppel-Einser-Examen, zieht mit einer miesen Theatertruppe durchs Land, arbeitet sich in einem noch mieseren Tex-Mex-Lokal nach oben und sucht schließlich Sicherheit in einem Lehrerjob.

Macho Dexter, von Haus aus mit dem nötigen Kleingeld ausgestattet, geht auf Weltreise, wird Fernsehmoderator und der Star der hippen jungen Londoner Partyszene. Emma und Dexter sind beste Freunde, schrammen in der Liebe jahrelang immer wieder knapp aneinander vorbei, haben sich irgendwann nichts mehr zu sagen und können sich doch nicht vergessen.
Nur eine weitere Liebesgeschichte? Ja. Und nein. David Nicholls schreibt über gelebte und verpasste Träume, über echte und falsche Freunde, über Enttäuschungen und Oberflächlichkeit, über ungenutzte Chancen, über große Pläne mit 20 und was davon Mitte 30 noch übrig ist. Und er schreibt über die Liebe. Das gelingt ihm aber so wunderbar kitschfrei, klug und ohne sich anzubiedern, dass man "Zwei an einem Tag" immer mal wieder lesen kann. Eva Großeastroth

David Nicholls: "Zwei an einem Tag", Heyne Verlag, 544 Seiten, 9,99 Euro.