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Kolumne Wilbert
2018: Eine Wechselgeld-Odyssee

FOTO: Werhan, Michael / TV
Schöne neue Welt: Ich kann vom Computer zuhause aus übers Internet einkaufen, ich kann mit meinem Telefon Geld überweisen, und ich kann in der Kneipe die Rechnung mit einem Plastikkärtchen bezahlen, wenn’s mal wieder ein Weinchen zu viel für den Geldbeutel wird (oder zwei oder drei). Aber manchmal braucht man eben Bargeld, und dann wird’s kompliziert – auch, oder gerade, im 21. Jahrhundert.

Da schlender ich mit meiner Wilma über den Wochenmarkt, wir decken uns mit Brot und Käse ein (der Mensch lebt schließlich nicht von Wurst allein), und dann das: Ich habe nur einen 50-Euro-Schein dabei, und der Verkäufer hat kaum noch Kleingeld in der Kasse. Na, dann lasse ich mir den Schein schnell wechseln, kein Problem! Das denke ich zumindest.

Erste Anlaufstelle: die Bank um die Ecke. Wenn man schon Geld braucht, kann man ja auch direkt zur Quelle gehen. „Nein, wir haben hier kein Geld“, erklärt mir die Bankangestellte freundlich. Am Bankschalter. In der Bank. „Aber wenn Sie am Automaten Geld abheben, können Sie bestimmen, was für Scheine Sie haben wollen ...“ Aha, ein Hoffnungsschimmer! „... wenn Sie Kunde bei uns sind.“ Bin ich nicht. „Schade.“

Ich verwerfe also die vollkommen absurde Idee, im Geldinstitut Geld wechseln zu wollen und mache mich auf den Weg zum Supermarkt. Ich bin ja gar nicht mal so häufig auf den Kopf gefallen. Also los zur freundlichen Dame an der Kasse. Bargeld? Ja, natürlich, hat sie da. Wechseln? Klar, kann sie gerne tun ... Jetzt? Nein, das geht selbstverständlich nicht! „Dafür müssen Sie zuerst etwas kaufen, sonst kann ich die Kasse nicht öffnen.“

Verzweifelt renne ich von Geschäft zu Geschäft, niemand kann mir helfen. Warum bin ich so grausam gestraft mit mehr Geld als ich brauche? Meine Suche bleibt erfolglos. Ich weiß nicht, ob Stunden, Tage oder Wochen vergangen sind, als ich endlich wieder bei Wilma am Markt ankomme – hungrig, müde, ausgemergelt, ein gebrochener Mann. Wilma drückt mir zum Trost ein Käsebrot in die Hand.

Wo das plötzlich herkommt? Der Verkäufer hat sich auf einem Zettel notiert, wie viel wir ihm schulden. Wir sollten das dann beim nächsten Mal bezahlen, wir wären ja sowieso jede Woche auf dem Markt. Was für Wunder das 21. Jahrhundert doch für uns bereit hält!

FOTO: Werhan, Michael / TV
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