1. Meinung

Wilbert macht sich Gedanken über das römische Erbe

Wilbert : Römischer Wein in Maßen?

Ach, mal einen Ausflug machen. Dem tristen Corona-Alltag entfliehen. Selbst Wilma hält mittlerweile zwei Meter Abstand zu mir. Um mich ein wenig aufzuheitern, wollte ich mal die römische Villa besuchen – mit dieser neuen App.

Die soll uns ja mithilfe von „Augmented Reality“ zeigen, wie lebendig das römische Leben früher so war. Geschichte zum Anfassen, hautnah.

 Ja, die Römer wussten zu leben. Manchmal blättere ich durch das römische Kochbuch aus Wilmas Küche und was ich da lese: Räucherschinken, Feigenleber mit Thymian und Saflorblüten oder ein Gericht mit dem herzhaften Namen  „Terentinischer Wildschweinhüftschinken“. Wer möchte da nicht mal zugreifen? Und in vielen Rezepten auch die vielversprechende Angabe: „Wein in Maßen.“ In Maßen, naja, immerhin. Auch denke ich bei Rom an die römische Kleinstadt Pompeij und ihre lustigen Damen: Das älteste Gewerbe der Welt ist bis heute dort auf bunten Wandmalereien erhalten geblieben.

Das ist aber auch schon alles, was ich von den Römern weiß. Ehrlich. Und deswegen dachte ich mir, besuche ich mal die römische Villa vor meine Haustür  und bestelle mir einen virtuellen Wildschweinhüftschinken und schenke einer Dame namens Hortensia oder Vibia mindestens einen Luftkuss in diesen trüben Zeiten. Doch nichts da. Was sehe ich? Nur graue Mauern und blasse Dachziegeln. Das geht doch besser. Bestimmt ließe sich ein römischer Schankwirt in die App einpflegen. Ein bisschen „Wein in Maßen“. Und daneben zwei oder drei mir charmant zuzwinkernde Römerinnen. Aber bitte ohne Abstandsregel.