1. Meinung

Wolfsbarsche aus Wittlich

Wilbert : Wolfsbarsche aus Wittlich

Esst Ihr auch so gerne Fisch? Ich ja nicht, aber meine Wilma ist ganz wild auf alles, was aus dem Meer, Fluss oder Teich  kommt. Mir ist ja ein grätenfreies Schnitzel mit Pommes ehrlich gesagt lieber.

Aber meistens mache ich gute Miene zum bösen Spiel. Fisch ist ja gesund, und zu oft widersprechen nicht nur schlecht fürs Herz, sondern auch sinnlos. Ich hab also aufgegeben, das mindestens einmal wöchentlich drohende Ungemach abzuwenden.

 Denn es hat auch nichts genutzt, dass ich versucht habe, Wilma ein schlechtes Gewissen zu machen, von wegen Überfischung, lange Transportwege, Schwermetallbelastung, Klimaschutz. Auch mit dem Argument, dass ich mit meinem Schnitzel vom Eifelschwein ja einen wesentlich besseren Schnitt mache, kam ich nicht durch.

An Weihnachten, als mein Cousin aus dem Saarland anrief, kam mir da aber so eine Idee. Jetzt fragt ihr euch wahrscheinlich, was das Saarland mit Fisch, Wilma und Wittlich zu tun hat. Da kommen einem ja eher Lyoner und Schwenker in den Sinn. Aber mehr als man denkt: Die haben in Völklingen, also da, wo mein Cousin Karl wohnt, doch tatsächlich die weltweit erste Anlage zur Produktion von Seefischen – ohne ein Meer zu haben. Dort werden mehrere hundert Tonnen Doraden, Wolfsbarsche und Kingfische im Jahr aufgezogen und verkauft. Und mein Cousin ist ganz begeistert, wie frisch und lecker die sind. Sogar Geschäftsleute aus Bangladesch, China und Mexiko waren schon dort, um sich das anzusehen. Aber offenbar noch niemand aus der Säubrennerstadt, denn sonst wäre sicher schon mal einer vor mir auf die Idee gekommen.

Denn: Was in einer alten saarländischen Kokerei funktioniert, sollte ja wohl für uns Wittlicher kein Problem sein – schließlich haben wir die viel bessere Location: ein großes Freibad! Das ist ja angeblich zu groß und zu teuer. Das können wir schnell ändern: Wir funktionieren ein Becken um, setzen die Fischlein rein und warten, dass sie wachsen und sich vermehren. Das ist innovativ, umweltfreundlich, bringt Geld und Renommée. Und praktischen Nutzen hat es auch: Wilma könnte direkt vor der Haustür einkaufen, die Kinder der Stadt könnten Biologieunterricht vor Ort machen, und an der Säubrennerkirmes machen wir einen Bratfischstand. Also ich sehe da nur Vorteile!

Und vielleicht würde das Projekt ja sogar die Streithähne wieder versöhnen, die seit Monaten wegen des Schwimmbads im Clinch liegen.