Willkommen im Westen

Willkommen im Westen

Luxemburg sei das Singapur des Westens, hat der neue Chef der Deutschen Bank im Großherzogtum diese Woche festgestellt. Das Statement lag nahe, schließlich war Boris Liedtke vorher für die „Deutsche“ (wie sie in der Branche sagen) in Singapur.


Der Vergleich mit Singapur war ein fettes Kompliment für Luxemburg. Balsam auf die von Bankgeheimnis und Steuerparadies geschundenen Seelen unserer lieben Nachbarn. Und das aus dem Mund eines Deutschen, die ja schon in Aussagen mittlerweile abgedankter Finanzminister die Kavallerie einreiten lassen wollten, um versenkte Steuergelder zu bergen.

Ja, das tut den Nachbarn gut. Und dass er dann gleich noch ein Haus gekauft hat in Luxemburg - obwohl die dort so teuer sind. Aber richtig: in Singapur sind sie noch teurer!
Also wird Herr Liedtke nicht zu den deutschen Bankern im Ländchen gehören, die aus dem Küchenfenster am Trierer Petrisberg in die Villen der anderen Finanzspezialisten vom Kirchberg schauen. Auch an der Obermosel müssen sie auf ihn verzichten, er assimiliert sich voll und ganz in Li-La-Luxemburg.

Aber zurück zu Singapur: Der Stadtstaat gilt als weltoffen, international, reich, ist Drehscheibe für Handel und Finanzdienstleistung auf hohem Niveau. So sieht Liedtke auch Luxemburg. Und so sollten alle Luxemburg sehen. Das erfordert noch mehr Arbeiten am Imagewandel, das erfordert weiteres Öffnen des Finanzplatzes. Der automatische Informationsaustausch ist eine Chance für Luxemburg, kein Pferdefuß! Wenn jetzt noch alle mitziehen, fehlt im Singapur des Westens bald nur noch der Zugang zum Meer. Aus Sicht Luxemburgs ist das quasi schon geschafft: Zwischen dem Großherzogtum und dem Meer liegt nur Belgien, ein Klacks also. Nur die Palmen und das milde Klima in Singapur - das wird es auch trotz Erderwärmung nicht so bald geben.