Bumerangeffekt

Bumerangeffekt

Nach dem IWF hat sich nun auch die Bundesbank für eine einmalige Vermögensabgabe der Reichen der Krisenländer starkgemacht, um einen Staatsbankrott abzuwenden statt auf Hilfsprogramme zu setzen, die die Steuerzahler anderer Euro-Zonen-Länder finanzieren.

Auf eine Umverteilung setzte auch Deutschland, als es 1952 zur Finanzierung des Lastenausgleichs eine Vermögensabgabe einführte. Aber das zerbombte Deutschland mit Millionen von Heimatvertriebenen lässt sich nicht mit dem heutigen Griechenland vergleichen. Die Fast-Pleite Griechenlands ist entstanden, weil das Land lange über seine Verhältnisse lebte, superreiche Reeder kaum besteuerte und Steuerhinterzieher mit millionenschweren Jachten schonte. Aber schon die Diskussion über eine Sonderabgabe der Reichen würde Millionäre veranlassen, ihr Geld außer Landes bringen. So war es in Zypern. Die Abgabe hätte einen Bumerangeffekt: Das Land verlöre Kapital, das es zur Finanzierung von Investitionen dringend bräuchte, und die EZB müsste weiter an ihrer Niedrigstzinspolitik festhalten. Niedrige Zinsen enteignen die Sparer in allen Euro-Ländern. Über die Niedrigzinspolitik zahlen wir für Griechenland und die anderen Krisenstaaten - lange bevor die Garantien aus den Rettungspaketen fällig werden. Das ist die europäische Zwangssolidarität.

Also, alles in Griechenland beim Alten lassen? Nein: Eine gerechte Besteuerung und eine wirklich funktionierende Steuerverwaltung aufbauen, die dem griechischen Volkssport des Steuerbetrugs ein Ende macht. Das vermeidet unerwünschte Nebenwirkungen.

Der Autor ist ehemaliger Chefredakteur des Handelsblatts und Buchautor.