1. Meinung

Ohne Stahl geht nichts

Ohne Stahl geht nichts

Die Stahlbranche ist ein glänzender Indikator für die Entwicklung der weltweiten Wirtschaft. Kommt die Konjunktur in Boomregionen ins Stottern, lässt sich dies meist schon vorher an den Auftrageingängen der Stahlriesen ablesen.

Wenn in China, in Brasilien oder Russland die Geschäfte laufen, wird gebaut und investiert. Fabriken werden hochgezogen, Straßen- und Schienennetze werden ausgebaut, der Maschinen- und Anlagenbau braucht Material. Ohne Stahl geht nichts. Zu welchen Eskapaden dies führen kann, hat man vor einigen Jahren selbst bis in die kleinsten lokalen Bereiche erlebt. Die Meldungen über Stahldiebstähle am Bau, ganze Schrottladungen die entwendet wurden und sogar Gullideckel, die der eine oder andere Raffgierige ausgebaut hatte, weil es dafür beim Schrotthandel gutes Geld gab. In dieser Phase sind die Stahlkapazitäten weltweit in die Höhe geschnellt. In jedem noch so alten oder maroden Stahlwerk ist die Goldgräberstimmung ausgebrochen. Doch so schnell der Boom kam, so schnell ebbte die Nachfrage wieder ab. ThyssenKrupp muss nun reagieren. Milliardenverluste sind aufgelaufen und die Fantasie der Manager reicht in solchen Krisen immer wieder nur für eine Strategie: Standortschließung und Stellenabbau. Ähnliche Mechanismen greifen bei ArcelorMittal. Und wie geht es beim Stahlwerk in Trier weiter? Der neue Besitzer wagt wohl zunächst nur einen kleinen Start, mit wenig Personal und wenig Risiko. Ein Anfang, der bei besseren Branchenaussichten vielleicht auch wiederausgebaut wird. In China und Russland scheint die Konjunktur nach jüngsten Ansichten wieder anzuziehen. Gute Vorzeichen für die Stahlbranche.