1. Meinung

Wortlos und wortreich

Wortlos und wortreich

Der Bäcker braucht den Backofen, der Maurer die Kelle und der Volksvertreter die deutsche Sprache. Wehe ihm, wenn er seine Stimme nicht erheben kann – so wie am Mittwoch zu Beginn der Landtagssitzung.

15 Minuten lang blieben die Mikrofone stumm. "Ich bin froh, dass Sie das mit Humor ertragen", scherzte Landtagspräsident Joachim Mertes. Viele Abgeordnete haben allerdings auch nichts Bewegendes zu sagen, wenn die Technik funktioniert. Sie lesen vom Papier ab und bringen die Zuhörer zum Gähnen.

Ingeborg Sahler-Fesel aus Schweich machte kürzlich die Erfahrung, frei sprechen zu müssen. Die SPD-Frau hatte ihr Manuskript im Büro vergessen. Aber siehe da: Aus der befürchteten Pleite wurde ein beachteter Auftritt. Nun hat sich die Sozialpolitikerin vorgenommen, an ihren Beiträgen zu feilen. Sie nutzt die Möglichkeit, sich bei der Landtagsverwaltung eine Audiodatei zu besorgen. "Das klingt schon seltsam, wenn man sich selbst hört", sagt sie.

Doch es dient der Verbesserung. Und vielleicht wird Frau Sahler-Fesel demnächst nicht mehr am Telefon aufgefordert, ihre Frau zu holen, und muss nicht mehr sagen: "Ich bin schon dran."