Mit Höllenglocken in den Freudenhimmel

TRIER. Welch' eine Stimmung, welch' ein Sieg: Vor 1100 begeisterten Zuschauern zelebrierten die "Miezen" Traumhandball. Nach dem 28:20 (12:9)-Erfolg gegen Meister HC Leipzig reifen die Titelträume.

 Super-Spiel von Super-Sveta: Svetlana Mozgowaia erzielt elf Tore gegen Leipzig und macht ein sensationelles Spiel.Foto: Willi Speicher

Super-Spiel von Super-Sveta: Svetlana Mozgowaia erzielt elf Tore gegen Leipzig und macht ein sensationelles Spiel.Foto: Willi Speicher

Sie rutschen bäuchlings auf die Tribüne zu, wie einst Jürgen Klinsmann machen sie den "Diver", Körper liegen aufeinander, Jubelschreie, Tänze. Mit geballter Faust rast Torfrau Alexandra Gräfer aus ihrem Kasten, in einem riesigen Gewühl wird sie Sekunden später begraben. Feier-Abend. "Miezen, Miezen" schreien die Fans, schon Minuten vor dem Abpfiff haben sich 1100 Fans von ihren Plätzen erhoben, im Stakkato klatschen sie den "Miezen-Express" nach vorne. Die Halle steht Kopf, gequetscht wie die berühmten Sardinen in der Dose. So voll war der Wolfsberg nicht einmal bei der Aufstiegsfete 2000. Hoch-Stimmung. Nur 50 Fans ist nicht zum Feiern zumute. Die mitgereisten Leipziger Anhänger sitzen geknickt auf ihren Plätzen. Ihre Heldinnen deprimiert auf der Bank. Ende einer Dienstreise. Ende des Titeltraums. Auf der anderen Seite setzt sich der Rausch fort, in den sich die "Miezen" gespielt haben. Ausgelassener kann man fast nicht feiern als der Tabellenführer, der eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat, warum er an der Spitze steht. Zwei Spielerinnen ragen aus einem Kollektiv heraus, das bis an die Grenzen des Machbaren ging, das 60 Minuten ein Tempo sowohl im Vorwärts- als auch im Rückwärtsgang vorgelegt hat: Svetlana Mozgowaia und Alexandra Gräfer. Mozgowaia arbeitet präzise wie ein Schweizer Uhrwerk. Wie an der Schnur gezogen, schlagen ihre Würfe unhaltbar ein. Elf Tore bei 13 Versuchen sensationell. Nicht weniger berauschend gibt Gräfer ihren Ex-Mannschaftskameradinnen und Bundestrainer Ekke Hoffmann ihre Visitenkarte ab. Wie ein Magnet zieht sie die Bälle an, gibt zu, dass sie die zweite Hälfte wie im Rausch erlebt hatte. Doch dies sind nur zwei Teile im Trierer Erfolgs-Puzzle. 20 Gegentreffer gegen Leipzig zeugen von einer ebenfalls berauschten Defensive. Die zuletzt hoch gelobte Marcela Vlckova wird komplett ausgeschaltet, durch geschicktes Verschieben machen die "Miezen" die Räume dicht. Zudem unterbinden sie das Tempospiel der Gäste analog zum Lauf des Hasen mit dem Igel. Wenn Leipzig nach vorne stürmt, sind die "Miezen" schon hinten. So veranlasst die MJC die Gäste zu Fehlern, der Rest ist Gräfer. Im Angriff läuft es bei Trier in den ersten 25 Minuten zwar nicht rund, aber der überragende Siegeswille, der Glaube an die eigene Stärke setzt Kräfte frei, niemals lassen die "Miezen" nach. Wie Maren Baumbach. Fünf Mal vergibt sie freie Bälle, am Ende sorgt sie für die wichtigen Tore niemals aufgeben heißt das Motto. Den Drei-Tore-Vorsprung zur Pause (12:9) bestätigen die "Miezen" bis zur 45. Minute (16:13), dann nimmt das Leipziger Debakel seinen Lauf. Bis eine Viertelstunde vor Schluss ist die Partie hochspannend, danach gibt es das Schaulaufen des Tabellenführers, der erstmals mit einer neuen Musik eingelaufen ist: "Hells Bells" von AC/DC hämmert lautstark aus den Boxen. Angetrieben von diesen "Höllenglocken" katapultieren sich die Jubel-"Miezen" anschließend in den siebten Freudenhimmel. DJK/MJC Trier: Gräfer, Vogt (n.e) Reckenthäler (1), Minewskaja (6/2), Verechtchako (2), Mozgowaia (11), Gläsener (n.e.), Scholl (n.e), Bohm (1), Meier (1), Baumbach (4), Althaus (2)HC Leipzig: Wöllner (bis 52.), Milde (ab 53.) Vlckova (3/1), Albert (2), Heinz (1), Wörz (2), Pietzsch (3), Geheb (1), Hartmann, Uhlig, Prosch (2/2), Radzeviciute (6), Langkeit, KahmkeZuschauer: 1100 (ausverkauft) Schiedsrichter: Pioro/Strick (Heßlar/Erkelenz) Beste Spielerinnen: Gräfer, Mozgowaia, Minewskaja Radzeviciute