Mit Masken Menschen verändern

Mit Masken Menschen verändern

TRIER. Wie arbeitet eine Maskenbildnerin, was macht die Dramaturgie, wozu sind Regisseure da? Antworten auf diese Fragen gibt die Serie "Berufe am Theater”, die der Trierische Volksfreund ab heute in loser Folge startet.

Perücken stapeln sich bis unter die Decke. Puder, Pinsel und Farben belagern die weißen Tische vor der Spiegelwand. "Das ist hier die reinste Materialschlacht", sagt Rüdiger Erbel, Chefmaskenbildner am Trierer Stadttheater. Ein martialischer Begriff, wo doch das Kunsthandwerk eher filigrane Fertigkeiten verlangt. Menschen auf Zeit verändern - für Maskenbildner gehört das zum Job. Gefragt ist da vor allem Fingerspitzengefühl.Eine halbe Stunde vor dem Spiegel

Fernando Gelaf eilt in die Maske und setzt sich vor den Spiegel. Eine halbe Stunde bleibt dem Schauspieler noch, dann wird er als Zehnsechstelriese auf der Bühne des Stadttheaters stehen. Erbel pudert und schminkt ihn, scherzt und bleibt locker. Für Stress gibt es auch keinen Anlass, ist doch ein Vormittag wie dieser eher Routine für ihn und sein Team. Der gestiefelte Kater steht auf dem Programm, und Hunderte von Kindern warten or dem Theater. Nur die Darsteller dürfen noch in der Maske sitzen und sich im Spiegel betrachten.Nadine Kettler spielt den gestiefelten Kater; Maskenbildnerin Liv Heidruck sorgt dafür, dass die Schauspielerin vom Menschen zum Fabelwesen mutiert. "Ich find das ganz entspannend hier", sagt Nadine Kettler über die Atmosphäre in der Maske.Der Ablauf in der Maske verlangt - bei aller Flexibilität und Spontanität - auch einen geregelten Ablauf. "Außerdem arbeiten wir immer zeitgleich an mehreren Dingen", berichtet Erbel.Haarteile erstellen, Monturen aufschlagen, Masken modellieren - all das gehört zum Job eines Maskenbildners. Wobei der Beruf sehr stark von Frauen dominiert wird die noch dazu meist eine Friseurausbildung absolviert haben. Was auch nahe liegt, spielen Haare doch eine große Rolle in der Arbeit von Maskenbildern.Liv Heidruck ist die einzige Maskenbildnerin am Trierer Theater, die keine Friseurausbildung absolviert hat. Seit einem Jahr gehört sie zu Erbels Team, Handwerk und Kreativität verlange ihr Job. Zuvor hatte sie ein Praktikum in Kaiserslautern absolviert."Die Schauspieler sollen so aussehen, dass sie in ihrer Rolle unterstützt werden", nennt Erbel den Anspruch an die eigene Arbeit. Und: "Sie sollen sich wohl fühlen."Seit der staatlichen Anerkennung des Berufs müssen Volontäre, wie die Auszubildenden genannt werden, regelmäßig die Berufsschule besuchen. Dafür weilt die einzige Volontärin am Trierer Theater derzeit in Köln. Zweimal sechs Wochen Blockunterricht stehen während der drei Jahre dauernden Ausbildung auf dem Programm.Und wer die Ausbildung mit Erfolg absolviert, hat gute Chancen. Wenn auch nicht an öffentlichen Theatern, wo bekanntermaßen an allen Ecken und Enden gespart wird. So gibt es derzeit am Trierer Haus fünf feste Stellen. Dass es mehr werden, ist schier unmöglich. Trotzdem ist Erbel optimistisch: "Die Nachfrage nach guten Maskenbildnern ist noch so stark, dass die Absolventen sich ihren Job noch aussuchen können", ist er überzeugt. Vor allem bei Film und Fernsehen bestehe durchaus noch Bedarf.Auf eines müssen sich die Interessenten für eine Ausbildung am Theater auf jeden Fall einstellen: ungewöhnliche Arbeitszeiten. Abends und an Wochenenden, an Neujahr oder an Weihnachten - wenn in den meisten anderen Berufen die Freizeit angesagt ist, stehen im Theater Aufführungen auf dem Programm. "Alles andere wäre ja auch unsinnig", sagt Erbel und überhaupt: "Da gewöhnt man sich dran."Informationen zu diesem Beruf gibt es beim BIZ in Trier, Tel.: 0651/205 5000, beim Berufsberater des Arbeitsamtes Trier: 0651/205 3333, oder im Internet: www.arbeitsamt.de/trier. "Berufe am Theater” heißt eine Infoveranstaltung, zu der das Arbeitsamt Trier in Zusammenarbeit mit dem Theater Trier am 25. März, ab 15.30 Uhr, ins Theaterfoyer einlädt. Anmeldung erbeten unter Tel.: 0651/205 5000.