Mit Schilf gegenSchadstoffe

Mit Schilf gegenSchadstoffe

KONZ-KOMMLINGEN. Von der Weinbergrodung zur Klärschlammvererdung - die Firma Kultur- und Erdbau Marx hat sich in ihrer 45-jährigen Geschichte neue Gebiete erschlossen. Für eine selbst entwickelte Technik zur Abwasserreinigung hat sie den Erfinderpreis der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz erhalten.

Wer denBerg von Konz nach Kommlingen hoch fährt, kommt an einem Tümpelmit Schilfbewuchs vorbei - und ahnt nicht, dass hier das Abwasservon 30 Menschen gereinigt wird. Die Pflanzenkläranlage auf demGrundstück des Unternehmers Franz Marx war die erste ihrer Art.Gebaut hat er sie im Jahr 1989, inzwischen ist die Firma führendin solchen Anlagen. Auch einige Gemeinden der Region, etwaFranzenheim oder Hentern, setzen auf seine Schilfpflanzen zurAbwasserreinigung. Wenn im Winter die Aufträge zurück gehen, entlassen viele Unternehmen im Landschaftsbau ihre Mitarbeiter für einige Monate und stellen sie im Frühjahr wieder ein. Bei Marx läuft es anders: Er suchte für sein Erdbauunternehmen zusätzliche Standbeine - die mit der Zeit zum Hauptgeschäftsfeld wurden. In den 60er und 70er Jahren machte er noch einen Großteil seines Umsatzes mit der Flurbereinigung und dem Sprengen von Bunkeranlagen. Heute sind die wichtigsten Geschäftsfelder der Firma die umweltfreundliche Verwertung von Klärschlamm und das maschinelle Freischneiden von Eisenbahnstrecken. Daneben ist sie aber auch im normalen Landschaftsbau tätig, hält unter anderem ein Patent auf ein Gerät zum Umpflanzen von Hecken.

Mit Pflanzenkläranlagen beschäftigt sich Marx seit Ende der 80er Jahre. "Es gab auch vorher schon Anlagen, die hatten aber keinen guten Ruf", berichtet der Tüftler. Das schreckte ihn nicht ab: In seinem Garten nahm Marx seine erste Pflanzenkläranlage in Betrieb - ohne behördliche Genehmigung, die wurde erst im Nachhinein erteilt.

Auch der Prototyp der jetzt prämierten Entwicklung, ein Gerät zur mechanischen Vorreinigung von Abwasser, tut in der privaten Kläranlage seinen Dienst. Das Prinzip ist simpel, aber effizient: Das Schmutzwasser aus dem Kanal strömt durch einen Edelstahlkorb, bevor es in das erste von zwei schilfbewachsenen Becken läuft. In dem Edelstahlkorb bleiben Feststoffe hängen. Sind sie aus organischen Bestandteilen, wie etwa Toilettenpapier, werden sie vom nachströmenden Wasser zersetzt und mit in die Anlage getragen. Dort setzen sie sich ab und verwandeln sich dank des Schilfs in Humus. Nicht organische Bestandteile, wie Binden, Reinigungstücher aus Kunststoff oder Kondome, befördert eine Spindel in einen Abfallbehälter.

Tochter Pia arbeitet bereits mit

Im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren braucht die Marx-Anlage wenig Energie - so wenig, dass sie mit Solarstrom betrieben werden kann. Da die organischen Substanzen zu Erde verrotten, bleibt weniger Müll übrig, der deponiert oder verbrannt werden muss. Das System setzt die Firma in allen Kläranlagen ein, die sie baut. "Wir planen jetzt auch eine größere Version für konventionelle Anlagen."

Kultur- und Erdbau Marx beschäftigt 40 Mitarbeiter. Zusammen mit seinen drei Brüdern gründete Franz Marx 1958 das Unternehmen. Heute ist er alleiniger Geschäftsführer. Auch wenn er irgendwann in den Ruhestand geht, soll die Firma ein Familienunternehmen bleiben: Tochter Pia arbeitet bereits mit. Die Landschaftsarchitektin plant Anlagen und überwacht ihren Bau. "In einem Landschaftsarchitekturbüro bekommt man die Umsetzung der Planungen nicht mit", meint sie. "Hier sitze ich mitten in der Praxis."

Ein zukunftsträchtiges Geschäftsfeld sieht Franz Marx in der Entsorgung von Klärschlamm aus konventionellen Anlagen. Das Konzentrat bleibt bei der Reinigung von Abwässern übrig. Im Moment wird es von Landwirten als Dünger auf die Felder gefahren oder getrocknet und verbrannt. Die Skepsis, ob der stark schadstoffbelastete Schlamm wirklich ein geeigneter Dünger ist, wächst. Das Angebot der Firma: In einer speziellen Anlage wird der Klärschlamm "vererdet", wie der Unternehmer es nennt. Über Jahre bauen Schilfpflanzen die Schadstoffe ab, bis eine Humuserde übrig bleibt, die im Garten- und Landschaftsbau verwendet werden kann.