Musikgeschichten: Tasten und nur fünf Finger

Musikgeschichten: Tasten und nur fünf Finger

Wie viele Tasten hat eigentlich ein Klavier? In der Regel sind es 88. Manche preiswerteren Modelle kommen mit 85 aus und ein großer Klavierbauer aus Wien baut einen Flügel, der sogar 97 Tasten hat. Ziemlich viel, wenn man bedenkt, dass der Mensch nur zehn Finger hat, mit denen er diese Tasten bedienen kann.

 Klavierspielen erfordert viel Übung. Foto: TV-Archiv
Klavierspielen erfordert viel Übung. Foto: TV-Archiv

Und dann gibt es doch tatsächlich von Maurice Ravel, einem Komponisten, der 1875 in Frankreich geboren wurde, ein Konzert, bei dem der Pianist nur seine linke Hand benutzen soll. Also nur fünf Finger. Dieses Konzert, das 1930 entstand, wurde ziemlich berühmt und hat eine eigene Geschichte. Ravel schrieb es für den österreichischen Pianisten Paul Wittgenstein, der 1887 in Wien geboren wurde.

Dieser Wittgenstein war ein sehr begabter Pianist, der durch seine Konzerte auf sich aufmerksam machte. Seine Karriere wurde aber unterbrochen, als 1914 der erste Weltkrieg ausbrach und er zum Militär einrücken musste. Bei einer Schlacht wurde er so schwer verwundet, dass man ihm im Lazarett den rechten Arm abnehmen musste. Normalerweise das Aus für einen Pianisten. Wittgenstein ließ sich aber nicht unterkriegen. Er wollte weiter Klavier spielen.

Deshalb trainierte er jeden Tag und richtete sich selbst einige Kompositionen von Franz Schubert, Wolfgang Amadeus Mozart oder Joseph Haydn so ein, dass er sie auch mit einer Hand spielen konnte. Außerdem fragte er verschiedene Komponisten, unter ihnen auch Ravel, ob sie ihm nicht etwas komponieren könnten. So entstand dieses bekannte Konzert, das bis heute gespielt wird. Es ist aber nicht das einzige in seiner Art. Über 20 Komponisten haben für Wittgenstein Werke geschrieben. Gerhard W. Kluth