Die mit den Wölfen tanzen

Die mit den Wölfen tanzen

Die australische Rockband Wolfmother hat das ausverkaufte Atelier in Luxemburg in die eigene Wolfshöhle verwandelt. 1200 Zuschauer feierten am Freitagabend ein starkes Set mit kurzem Ende - und knurrigem Frontmann Andrew Stockdale.

Luxemburg. Wie auf einer Festivalbühne scheppern die Trommeln von Wolfmother-Schlagzeuger Alex Carapetis im mit 1200 Zuschauern komplett ausverkauften Atelier zum Opener "Victorious". Andrew Stockdales Gitarrenriffs zersägen die Luft, während er nach jedem Anschlag die Hand gestenreich in die Luft schwingt.
Ian Peres lässt nicht nur die schwarze Haarpracht wackeln, sondern zeigt mit Zirkusstückchen Spielfreude. Mit Fuß, Faust oder Ellbogen erzeugt er breite Klangwände am Keyboard, während er einhändig weiter druckvoll den Bass spielt. Der an Led Zeppelin und Deep Purple angelehnte Sound, in Kombination mit dem psychedelischen 70er-Jahre-Look der Band, versetzt die Zuschauer zurück in eine Zeit, als Hard-Rock noch radiotauglich war.Rock'n'Roll und Moshpit


Die nostalgische Stimmung weicht beim Publikum schnell dem mitreißenden Jetzt. Mit dem dritten Song "Woman" verwandeln die Australier das Atelier in die eigene Wolfshöhle: Volle Bierbecher fliegen in die vorher brav nickende Menge - das zeugt bei einem stolzen Preis von sieben Euro inklusive Pfand durchaus von Rock'n'Roll-Lebensgefühl.
Direkt vor der Bühne steht niemand mehr gemütlich da, sondern es regiert der Moshpit: frei übersetzt der "Chaos-Kessel", ein Kreis, in dem Zuschauer wild tanzen und sich stoßen - hier und da ein Ellbogen in der Rippe oder Fuß auf dem eigenen sind keine Absicht, sollten aber einkalkuliert werden. Wer sicher sein will, genießt das Konzert in der ehemaligen Renault-Werkstatt oben von der Empore.
Das im Februar 2016 veröffentlichte Album "Victorious" ist in den Charts das erfolgreichste der Band im deutschsprachigen Raum, mit Rang neun in Deutschland und Österreich und sogar Platz fünf in der Schweiz. Dennoch lebt Wolfmother immer noch von den großen Tracks des Erstlingswerks "Wolfmother" von 2005. Das beweist nicht nur die ausgelassene Stimmung bei "Woman", sondern auch euphorische Jubelschreie später bei "Dimension", "White Unicorn", "Lovetrain" oder "Colossal".
Eher wortkarg gibt sich der Kopf der Band, Andrew Stockdale, am Freitagabend. Wenn er spricht, geht es vorwiegend um den Sound, an dem zumindest vor der Bühne nichts auszusetzen ist: "Die Leute haben gutes Geld für die Show bezahlt, strengt euch gefälligst an", knurrt er die Tontechniker an, als sein Monitor auf der Bühne mal aussetzt. Ein kleines Feedback, das schrill durch die Ohren pfeift, sorgt erneut für Aufregung: "Versaut das nicht", warnt er erneut die Techniker. "Technische Probleme werden uns nicht aufhalten. Wir rocken bis zum Letzten!"
Das noch energetisch aufgeladene Publikum muss sich nach 17 Tracks mit nur einer Zugabe begnügen: Der wohl populärste Song der Band "Joker and the Thief" - ebenfalls vom Debütalbum - treibt den Moshpit flächendeckend bis zur Theke. Vom Tanz mit dem Wolfsrudel bleibt ein langanhaltendes Rückkopplungs-Summen, das Stockdale über Minuten klingen lässt - man könnte meinen, als Wink mit dem Gitarrenbrett an die Tontechniker. mey

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