Daniel Kübelböck bei Tv Now: Darum ist die Doku über das Verschwinden nur Spekulation

Film über vermissten TV-Star : Die große Küblböck-“Speku“

TVNOW, das Videoportal von RTL, zeigt eine Doku über Daniel Küblböck. Sechs Monate nach seinem Verschwinden im Nordatlantik will sein Vater ihn für tot erklären lassen. Grund genug fürs Privatfernsehen, sich auf eine spekulative Spurensuche zu begeben.

„Daniel Küblböck – die Doku“ heißt der 21-Minütige Zusammenschnitt, der jetzt bei TVNOW zu sehen ist. Deutlich besser passen würde als Titel aber „Daniel Küblböck – die Speku“. Der Vierteiler hat den Anspruch ein schillerndes und „von Extremen geprägtes Leben“ zusammenzufassen. Doch stattdessen handelt es sich um ein vor Spekulationen triefendes Machwerk mit dem Ziel, den vermeintlichen Suizid von Küblböck zu erklären – dabei werden mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet.

Exakt eine Minute und 38 Sekunden dauert es, bis Daniel Küblböck zum ersten Mal in Tränen ausbricht. Kurz zuvor erklärt eine weibliche Stimme aus dem Off „wie zerbrechlich er ist.“ Im ersten Kapitel mit dem Titel „Der Auftritt“ geht es um Küblböcks Teilnahme an „Deutschland sucht den Superstar“ im Jahr 2002. Er kommt bis ins Halbfinale, steht in der Öffentlichkeit wie nie zuvor. „Ist der Druck für Daniel damals zu viel?“ fragt die Stimme aus dem Off, nur um diese erste Spekulation durch eine Äußerung von Küblböck selbst direkt wieder ins Reich der Mutmaßungen zurückzuschicken.

In der nächsten Szene sagt der damals 17-Jährige, dass er zeigen wollte, dass er etwas kann. „Dass er etwas kann“, wiederholt die Erzählerstimme und fragt: „Ein Satz, den sich Daniel immer wieder selbst sagen muss?“ Im Anschluss wird gezeigt, wie Küblböck einmal ein Interview abgebrochen hat. Und wieder munkelt die Stimme: „Sind das die ersten Anzeichen?“

„Der Aufstieg“ nennt sich der zweite Abschnitt der „Speku“ und steigt mit Küblböcks Teilnahme am Dschungelcamp im Jahr 2003 ein. Dort steht er am Lagerfeuer und singt „Like a bridge over troubled water, I will lay me down.“ Die Macher helfen natürlich gleich bei der Übersetzung: „Wie eine Brücke über unruhigem Wasser, werde ich mich niederlegen.“ Dazu der Kommentar aus dem Off: „Aus heutiger Sicht ein Gänsehaut-Moment.“ Warum? Es ist völlig absurd, in diese gesangliche Darbietung von vor mehr als 16 Jahren etwas hineinzuinterpretieren. Oder wollen die Macher an dieser Stelle ernsthaft einen Zusammenhang zwischen Songtext und Sprung und Ertrinken im Atlantik herstellen?

Teil drei trägt den Titel „Der Wandel“. Er zeigt, wie Küblböck sich verändert hat, bis er im Jahr 2015 an „Let’s Dance“ teilnimmt. Vorher hatte er sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen – „aus Selbstschutz?“, vermuten die Produzenten des Films. Nach ein paar Tanz-Szenen geht es um eine Schauspiel-Ausbildung, die Küblböck in Berlin beginnt. „Wird sie ihm zum Verhängnis?“, läutet die Stimme aus dem Off das letzte Kapitel „Der Abgang“ ein.

Zuerst erscheint ein Screenshot eines Texts von Küblböck, der kurz nach der Veröffentlichung wieder gelöscht wurde. Deshalb dient als Quelle dafür die Facebook-Seite „Offizieller Fanclub von Daniel Küblböck“. Darin geht es um Mobbing an der Schauspiel-Schule, an dessen Ende er von der Abschluss-Aufführung ausgeschlossen worden sein soll. Stattdessen ging er im September auf die Kreuzfahrt, von der Küblböck nicht zurückkehrte.

Glaubt man der „Speku“, besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Rolle, die Küblböck in der Aufführung hätte spielen sollen, und dem Verschwinden auf hoher See. „Rollen, die so intensiv sind, die so an die Substanz gehen, können einen seelischen Knacks verursachen“, soll eine Absolventin der Schauspiel-Schule den Beweis liefern. Küblböck hätte einen Transvestit spielen sollen. Auf dem Kreuzfahrtschiff habe er sich deshalb als Frau verkleidet. Dass Küblböck sich schon mit 17 Jahren öfter als Frau gesehen hat, wird an dieser Stelle nicht erwähnt.

Stattdessen wird ein Video gezeigt, das auf dem Kreuzfahrtschiff „AIDAluna“ entstanden sein soll. „Ein Mitreisender filmt, wie Daniel mehrfach vor die Kabinentür tritt. Und man hört Schreie“, erklärt die Stimme aus dem Off. Zu sehen ist Küblböck in dem Video mit der Aufschrift „Quelle: Handyvideo“ nicht. Die Tür im Bild ist weder mit einem Namen, noch mit einer Zimmernummer versehen. Und der Schrei aus dem Inneren könnte von einem Menschen über eine Seemöwe bis zu einem Papagei von so gut wie jedem Lebewesen stammen.

„Er soll Medikamente für eine Hormontherapie bekommen haben“, spekulieren die Macher des Beitrags gegen Ende weiter rum. Immerhin sagen sie es dieses Mal dazu: „Aber das ist Spekulation.“ Also eigentlich wie fast alles, das in „Daniel Küblböck – die Doku“ zu sehen ist. Denn wie die Macher des Films am Ende selbst sagen: „Nur seine engsten Vertrauten scheinen zu verstehen, was in Daniel wirklich vorging.“ TVNOW gehörte offensichtlich nicht dazu.

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