Umstrittener Songtext Streit um israelischen ESC-Song: Darum mischt sich jetzt sogar der Staatspräsident ein

Der israelische Song „October Rain“ soll nicht für den ESC zugelassen werden, sagen die Organisatoren des Wettbewerbs. Woran das liegt, wie es jetzt weitergeht und warum sogar der Staatspräsident sich einschaltet.

 Israels Staatspräsident Jitzchak Herzog bei seinem Besuch in Berlin im Februar 2024.

Israels Staatspräsident Jitzchak Herzog bei seinem Besuch in Berlin im Februar 2024.

Foto: dpa/Carsten Koall

Noch sind weder Melodie noch Text zum israelischen ESC-Song „October Rain“ öffentlich bekannt und trotzdem sorgt der Song bereits international für Furore. Laut israelischen Medienberichten überlegt der Veranstalter, den Song von Sängerin Eden Golan zu disqualifizieren.

Der Grund: Der Song sei eine Anspielung auf das Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023, bei dem über 1.200 Menschen getötet wurden. Obwohl politische Zeichen beim Eurovision Song Contest teilweise erlaubt sind, wie die ukrainischen Kandidaten im vorherigen Jahr zeigten, gilt dies jedoch nicht für Songtexte. Die Europäische Rundfunkunion verbietet politische Botschaften ausdrücklich in den Songs zum ESC. Der Song „October Rain“ könnte daher gar nicht erst zugelassen werden.

ESC 2024 wird in Israel zum Thema fürs Staatsoberhaupt

Nach wenigen Tagen hat der Streit jedenfalls eine enorme politische Dimension erreicht. Israels Staatspräsident Jitzchak Herzog hat sich selbst zum Vermittler in der verfahrenen Debatte gemacht. Er wolle dabei helfen, die Meinungsverschiedenheiten zwischen den ESC-Organisatoren und dem verantwortlichen Fernsehsender Kan beizulegen. Das sagte er auf einer Konferenz in Jerusalem, über die unter anderem The Jerusalem Post berichtet. „Ich denke, es ist für Israel wichtig beim ESC aufzutreten. Und das ist auch ein Statement, denn es gibt Hasser, die uns von jeder Bühne vertreiben wollen“, wird Herzog dort zitiert.

Der israelische Sender Kan hatte Gespräche mit der Europäischen Rundfunkunion aufgenommen. Man wolle den momentanen Songtext nicht ändern, auch wenn es eine Disqualifizierung bedeuten würde, berichtete die Jüdische Allgemeine. Sollte der Veranstalter den Song trotzdem disqualifizieren, kann die Kandidatin Eden Golan bis zum 11. März einen neuen Song nominieren. Sollte dies nicht passieren, kann Israel nicht am ESC teilnehmen.

Kein anderer Song: ESC-Disqualifikation für Israel wird wahrscheinlicher

Kan hat es inzwischen abgelehnt einen neuen Song ins Rennen zu schicken. Ein Ausschluss vom Wettbewerb wird demnach zum realistischen Szenario.

Der israelische Kulturminister Miki Zohar nannte die Überlegungen zu dem Song laut der Jüdichen Allgemeinen „skandalös“. October Rain sei nicht politisch, sondern ein bewegendes Lied, das die Gefühle der Menschen und des Landes in diesen Tagen ausdrückt.

Bereits vorher hatten zahlreiche Künstler, vor allem aus Finnland und Island, wegen dem israelischen Angriff auf die Hamas gefordert, Israel vom ESC auszuschließen. Die Veranstalter haben sich bisher bewusst gegen den Ausschluss Israels entschieden, um das Event möglichst unpolitisch zu halten.

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