Krasser Außenseiter Wettquoten zum ESC strafen deutschen Song noch weiter ab

Trier · Oh je, das sind keine schönen Nachrichten für die deutsche ESC-Hoffnung Isaak. Aktuelle Zahlen zeigen, dass seine Gewinnchance mittlerweile bei unter einem Prozent liegt.

 Isaak (rechts) wird nach seinem Sieg beim ESC-Vorentscheid von  Max Mutzke umarmt. Mutzke belegte den zweiten Platz.

Isaak (rechts) wird nach seinem Sieg beim ESC-Vorentscheid von  Max Mutzke umarmt. Mutzke belegte den zweiten Platz.

Foto: dpa/Christoph Soeder

Der deutsche Vorentscheid für den Eurovision Song Contest brachte uns einen ganz deutlichen Sieger. Isaak hat sich mit dem Song „Always On The Run“ gegen acht Konkurrenten durchgesetzt. Sowohl die Jury als auch das Publikum gaben ihm die meisten Punkte.

Der junge Sänger darf sich nun auf die Final-Show am 11. Mai im schwedischen Malmö freuen. Wie immer ist der deutsche Beitrag direkt qualifiziert und muss nicht den Umweg über das Halbfinale nehmen. Das klingt nach traumhaften Voraussetzungen für Isaak, doch die Zweifel am neuen ESC-Song sind unmittelbar nach dem Vorentscheid schon wieder gewachsen.

Wettbüros suchen nach Favoriten für den ESC 2024

Natürlich weiß noch niemand, wie sich die Stimmung bis zum Mai entwickeln wird. Und doch gibt es eine relativ harte Währung, wenn es um die Beurteilung der ESC-Kandidaten geht. Die Wettquoten geben immer wieder einen klaren Hinweis, welche Songs auf eine gute Platzierung hoffen dürfen.

In Deutschland sind keine Wetten auf Ereignisse wie den ESC möglich. In anderen Ländern sieht das aber völlig anders aus. Schon jetzt können Glücksspieler ihre Einsätze machen und darauf wetten, wer das Finale als Sieger verlässt. Die Buchmacher unterscheiden schon jetzt zwischen großen Favoriten und absoluten Außenseitern.

Wettquoten nach Wahl des deutschen ESC-Song verändert

Wie in jedem Jahr trägt das Fachmagazin eurovisionworld.com die Wettquoten vieler Anbieter zusammen. Aus dieser Statistik geht hervor: Die deutschen Siegchancen folgen einem klaren Trend. Und der geht abwärts. Vor der Auswahl des Songs „Always On The Run“ wurde Deutschland noch an achter Stelle des Rankings geführt. Also kein heißer Anwärter auf den Sieg, aber potenziell vorne mit dabei. Nach dem Vorentscheid fand sich Isaak nur noch auf Rang 16. Damals standen einige Länder vor ihm, die noch keinen Song präsentiert hatten. Mittlerweile hat jedes Land seinen Song – und Isaak ist weiter abgerutscht. Auf Platz 31 steht er jetzt, bei einigen Wettanbietern hat er sogar mit die geringsten Chancen auf einen Sieg. Das Fachmagazin sieht seine Siegchancen bei unter einem Prozent.

Ein Grund für den Abwärtstrend ist auch erkennbar. Bei den Buchmachern war Isaak nämlich nicht der Top-Kandidat im deutschen Vorentscheid, sondern der Musiker Ryk. Als dieser sich nicht durchsetzen konnte, schwand bei den Wettanbietern der Glaube an einen deutschen Sieg immer weiter.

Wie kommen die Wettquoten für ESC-Kandidaten zustande?

Eine Wettquote beschreibt zum einen, wie viel Geld ausgezahlt wird, wenn man richtig liegt und zum anderen, wie wahrscheinlich ein Ereignis ist. Ist die Quote hoch, gewinnt man mehr Geld, ist die Quote niedrig, eher weniger.

Wenn ein Ereignis sehr wahrscheinlich ist, senken Buchmacher die Quote für dieses Ereignis. Tritt dieses Ereignis dann ein, verlieren die Buchmacher nicht so viel Geld. Da auf unwahrscheinlichere Ergebnisse in der Regel seltener gewettet wird, können Buchmacher für diese höhere Quoten angeben. Sollte ein unwahrscheinliches Ergebnis trotzdem eintreten, müssen zwar hohe Quoten ausgezahlt werden, aber an weniger Teilnehmer als bei wahrscheinlicheren Ergebnissen.

Das Fachmagazin eurovisionworld.com beschreibt vier Faktoren, die Einfluss auf die Wettquoten beim ESC haben: Die eingehenden Wetteinsätze, die Quoten anderer Buchmacher, die bisherigen Platzierungen der Länder und die objektive Bewertung der einzelnen Songs.

Der wichtigste Faktor dabei sind die eingehenden Wetteinsätze. Die Buchmacher wollen kein Geld bei der Wette verlieren. Wenn viele Menschen Geld auf einen Song setzen, geht die Quote daher automatisch nach unten. Damit schützen sich die Buchmacher vor dem Risiko, dass viele Menschen mit einer hohen Quote gewinnen. Trotzdem sind zahlreiche Einsätze für einen Song auch ein guter Indikator, wie beliebt dieser sein könnte.

Neben ihren eigenen Wetten sehen sich Buchmacher auch die Quoten andere Buchmacher an. Eventuell zeichnen sich bei den anderen Trends deutlich früher ab, als bei den eigenen Wett-Teilnehmern. Manchmal haben andere Buchmacher auch Insider-Informationen, die sich auf die Quoten auswirken. Wenn Buchmacher anderen Buchmachern aus Vorsicht in den Quoten folgen, nennt man dies den „Lemming-Effekt“.

Auch die bisherigen Platzierungen der Länder sind ein wichtiger Indikator für die Quoten. Erzielen Länder häufig gute Platzierungen, werden diese von vornherein auch besser bewertet. Besonders bevor die endgültigen Kandidaten feststehen, ist dies einer der Hauptfaktoren.

Letztendlich spielt auch die Qualität der Songs eine Rolle in der Vergabe der Quoten. Ist der Song musikalisch auf hohem Niveau? Welche Zielgruppen spricht er an? Wie sieht die Bühnenperformance aus? Ist der Song erfahrungsgemäß ESC-geeignet? Zahlreiche Faktoren fließen hier mit ein und können sich auch im Laufe der Vorentscheide noch verändern.

Nun sollte man im Hinterkopf behalten, dass eine Wette eben keine glasklare Vorhersage ist. Die Buchmacher lagen in der Vergangenheit aber oft erstaunlich richtig, so wie zuletzt erst 2023. Das Ranking laut den Wettquoten stimmte auf Platz eins, zwei und fünf mit dem realen Ergebnis überein. Auf den vorderen Positionen waren auch sonst die Songs vertreten, denen gute Siegchancen eingeräumt wurden. Noch dazu wurden die deutschen Flops in den vergangenen Jahren meist korrekt vorhergesagt. Daran merkt man: Auch wenn eine Wette immer ein Glücksspiel ist, sind die Quoten keineswegs aus der Luft gegriffen. Wenn es nach den aktuellen Zahlen vom 9. April geht, dürfte übrigens die Schweiz kaum zu stoppen sein. An letzter Stelle steht bei den Buchmachern San Marino.

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