Wie geht es 2025 weiter? ESC-Ausstieg der Niederlande? Zahlreiche Beschwerden nach Show 2024

In diesem Jahr war der Eurovision Song Contest ganz weit weg von einem friedlichen Fest der Musik. Von allen unzufriedenen Delegationen äußern sich die Niederlande nun besonders deutlich.

Joost Klein hätte mit dem Song „Europapa“ am ESC-Finale teilnehmen sollen – bis er disqualifiziert wurde.

Joost Klein hätte mit dem Song „Europapa“ am ESC-Finale teilnehmen sollen – bis er disqualifiziert wurde.

Foto: dpa/Sander Koning

Vor dem Eurovision Song Contest in diesem Jahr gab es ungewöhnlich viel Ärger. Die Kontroversen wurden so groß, dass man schon darum fürchten musste, ob die Veranstaltung geordnet über die Bühne geht. Nach ein paar Wochen sind die Nachbeben noch deutlich zu spüren. Sie werden im Moment sogar noch stärker. Mindestens dreizehn Teilnehmer sollen sich gegenüber den Veranstaltern von der Europäischen Rundfunkunion (EBU) über „unsichere Arbeitsbedingungen“ beschwert haben. Darunter auch die Niederlande, die nun besonders in die Offensive gehen. Der dortige Fernseh-Partner des ESC droht weitgehend unverhohlen mit dem Ausstieg aus dem Wettbewerb.

ESC 2025 ohne die Niederlande?

Bereits zu Beginn des ESC gab es in diesem Jahr lautstarke Buhrufe der Zuschauer gegen die Europäische Rundfunkunion. Der Hintergrund war die Disqualifikation des niederländischen Teilnehmers Joost Klein kurz vor dem Finale. Die Veranstalter hatten ihn sehr kurzfristig vom Wettbewerb ausgeschlossen. Ihm wurde Fehlverhalten gegenüber einer Mitarbeiterin der ESC-Produktion vorgeworfen. Es sei zum Streit gekommen, weil Joost Klein hinter der Bühne nicht gefilmt werden wollte. Was anschließend geschehen ist, bleibt Gegenstand einer Untersuchung, zu der öffentlich noch keine Details bekannt sind.

Entsprechend verklausuliert äußert sich deshalb auch der Fernsehsender Avrotros, der den ESC in den Niederlanden verantwortet. In einem schriftlichen Statement weist der Sender aktuell darauf hin, „dass (noch) nicht alles öffentlich gemacht werden kann“. Allerdings äußert Avrotros eine klare Meinung. Die Disqualifikation beim ESC betrachtet man dort weiterhin als „unnötig und unverhältnismäßig“. Der Sender fordert – inhaltlich etwas schwammig – eine unabhängige Untersuchung, die sich unter anderem mit den Regeln und den Beschwerdemöglichkeiten für die Teilnehmer befasst. Außerdem soll es dabei um den erhöhten Druck auf die Künstler und Delegationen im Vorfeld und während des Song Contests gehen.

Tatsächlich wird es wohl eine allgemeine Untersuchung zum ESC 2024 geben, unabhängig von der Aufarbeitung des Falls Joost Klein. Die Europäische Rundfunkunion hatte dafür mehrere Teilnehmerländer um Mitarbeit gebeten. Vorangegangen sei eine Beschwerde der Niederlande und mindestens zwölf weiterer ESC-Delegationen, die unter anderem „unsichere Arbeitsbedingungen“ bemängelt hatten. Das berichtet das ESC-Fachmagazin esc-kompakt.de unter Berufung auf die niederländische Ausgabe von RTL Boulevard.

Die Unzufriedenheit mit dem Ablauf des ESC in Malmö war offenbar groß. So wird unter anderem der norwegische Delegationsleiter Stig Karlsen zitiert, der mit Blick auf die weitere Untersuchung sagt: „Wir haben die feste Absicht, am ESC 2025 teilzunehmen, aber es hängt von den Maßnahmen ab, die die EBU ergreifen wird, um sicherzustellen, dass uns keine weitere Saison voller Polarisierung, Politik und Sicherheitsbedenken bevorsteht.“

Vergiftete Stimmung beim ESC 2024

Mit diesen Worte dürfte Karlsen die Debatte um die ESC-Teilnahme Israels ansprechen. Vor Joost Kleins Disqualifikation war der Start von Eden Golan in der Öffentlichkeit der große Streitpunkt. Die Sicherheitsvorkehrungen in Malmö wurden erhöht. Die Teilnehmer sahen sich regelmäßig mit Fragen nach ihrer persönlichen Haltung zur Teilnahme Israels konfrontiert. Einige politische Statements von Final-Startern hatte die EBU frühzeitig verboten. So durfte der irische ESC-Act nicht das Wort „Waffenstillstand“ als Bemalung tragen. Verstecktere Solidaritätsbekundungen mit Palästina sollen in der Live-Show aber durchgerutscht sein. Eden Golans Auftritt sorgte jedenfalls für die zweite Welle von lauten Buhrufen am Finalabend. Die Stimmung war teilweise so vergiftet, wie man es vom freundschaftlichen Image des ESC nicht erwarten würde.

Von Avrotros kommt nun eine sehr klare Drohung, dem ESC zukünftig fern zu bleiben. Sie ist in positive Worte verpackt, bleibt aber unmissverständlich. „Solange Avrotros zuversichtlich ist, dass strukturelle Anpassungen vorgenommen werden, um die Künstler und ihre musikalische Botschaft wieder in den Mittelpunkt zu stellen, werden wir die Teilnahme am Song Contest weiterhin in Erwägung ziehen“, heißt es dort. Im Umkehrschluss deuten die niederländischen ESC-Macher an, dass sie ganz schnell raus sein könnten, wenn die Entwicklung nicht in ihrem Sinne verläuft.