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"King of Stonks": So viel Wirecard steckt in neuer Netflix-Serie

Streaming-Serie : Neue Netflix-Satire im Rheinland gedreht: So viel Wirecard steckt in „King of Stonks“

Die spektakuläre Pleite des einstigen Dax-Unternehmens war Vorbild für eine gerade angelaufene Netflix-Satire. Die Parallelen zwischen Serie und Realität, die allerdings im Rheinland und nicht in München spielt, sind vielfältig.

Wirecard – klingelt da noch irgend etwas? Oder ist das Drama um den einstigen Überflieger der deutschen Finanzwirtschaft schon wieder in Vergessenheit geraten? Wenn ja, hilft Netflix bei der satirischen Aufarbeitung der jüngeren Vergangenheit. Mit „King of Stonks“, der Serie, die jetzt angelaufen ist und in der der Skandal auf die Schippe genommen wird.

Wirecard: eine der spektakulärsten Unternehmenspleiten der deutschen Nachkriegszeit

Wirecard gilt als eine der spektakulärsten Unternehmenspleiten in der deutschen Nachkriegszeit. Nicht nur, weil das Unternehmen als Dax-Mitglied vorübergehend zu den Großen in Deutschland gehörte. Sondern auch, weil sein Zusammenbruch ein hohes Maß an Kriminalität im Unternehmen offenbarte und in der Zeit nach dem Insolvenzantrag viel über politische Verantwortung sowie die Rolle der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY und der Finanzaufsicht Bafin diskutiert wurde.

Natürlich ist nicht alles original Wirecard, allein schon deshalb nicht, weil „King of Stonks“ in großen Teilen in Düsseldorf spielt und nicht in München, genauer gesagt in Aschheim, wo Wirecard seinen Sitz hatte. Und der überdrehte und exaltierte Magnus Cramer alias Matthias Brandt als Firmenchef hat auch wenig gemein mit dem eher introvierten Markus Braun, der einst an der Spitze von Wirecard stand. Seit zwei Jahren sitzt Braun in Untersuchungshaft, im März wurde Anklage gegen ihn und zwei andere ehemalige Wirecard-Verantwortliche erhoben.

Was Cramer und Braun eint, ist der erfolgreiche Versuch, der Öffentlichkeit eine Geschichte zu verkaufen, die dem geltungssüchtigen Management in die Hände spielt, weil sie die Gier der Menschen anspricht. Braun und Co. verkauften Wirecard als die digitale Bezahlzukunft Deutschlands, sie wollten sogar die Deutsche Bank schlucken, sie vermittelten den Eindruck, als wenn für sie nichts unmöglich wäre. Ganz wie bei „King of Stonks“, dessen Titel auch auf „Schtonk“ anspielt, Helmut Dietls Satire über die gefälschten Hitler-Tagebücher.

In allen Fällen geht es um den Erfolg, um Geld, um die Leichtgläubigkeit der Menschen und deren vermeintliche Lust an der Sensation. In der Netflix-Satire heißt das Unternehmen Cable Cash, und der eigentliche Macher, der sich um den Börsengang kümmert, gegen die Gerüchte von Geldwäsche kämpft und den Anlegerbetrug managt, ist Felix Armand – der Jan Marsalek von Cable Cash. Mit Kontakten zur Unterwelt, die zwar bei Marsalek nie bestätigt wurden, der aber bis heute im Verdacht steht. Wo immer er auch sein mag. Felix Armand ist gelernter Programmierer, ein Hochbegabter wie sein Wirecard-Pendant Jan Marsalek, der seit dem Untergang des Unternehmens auf der Flucht ist, die angeblich sogar mit der Hilfe von Geheimdiensten gelungen sein soll.

Die Lehre aus der Geschichte ist die gleiche wie immer: Wenn die Gier zu groß wird, frisst sie das Hirn. Bei Wirecard durften Anleger, die rechtzeitig eingestiegen waren, sich daran weiden, dass sich der Aktienkurs zwischen Februar 2017 und August 2018 vervierfachte – obwohl es schon da über Jahre unliebsame Berichterstattung über angebliche Manipulationen gab, die die Wirecard-Verantwortlichen aber stets bestritten. Und so lange es an der Börse lief, war alles gut.

Am Ende brach das Kartenhaus dann aber doch zusammen. Alles war nur aufgeblasen, Milliarden, die auf irgendwelchen Konten lagern sollten, waren aus Luftbuchungen entstanden. Der Kollaps war unvermeidbar. Verantwortung tragen viele. Auch jene, die Wirecard hätten prüfen und beaufsichtigen sollen. Bei „King of Stonks“ gibt es willige Berater, die als Wirtschaftsprüfer die Bilanzen abnicken und daher unwillkürlich die Erinnerung an die Rolle von EY bei Wirecard wachrufen. Nur den Rücktritt des Bafin-Chefs Felix Hufeld, der im Zuge des Umbaus der Finanzaufsicht gehen musste, den findet man bei „King of Stonks“ nicht.