| 21:45 Uhr

"Tatort"-Nachlese
Mehr Mut zur Lücke hätte "Zeit der Frösche" gut getan

Exklusiv | Düsseldorf. Heike Makatsch ermittelt zum zweiten Mal im "Tatort". Nach Freiburg nun in Mainz. Dort muss sie den Mord an einer 16-jährigen Schülerin aufklären. Der Fall ist überladen mit Problemen und Nebenhandlungen. Der eigentliche Star aber ist ein hochintelligenter 13-Jähriger. Henning Rasche

Heike Makatsch ermittelt zum zweiten Mal im "Tatort". Nach Freiburg nun in Mainz. Dort muss sie den Mord an einer 16-jährigen Schülerin aufklären. Der Fall ist überladen mit Problemen und Nebenhandlungen. Der eigentliche Star aber ist ein hochintelligenter 13-Jähriger.

Worum ging es? Ein 16-jähriges Mädchen wird von seinem Freund beim nächtlichen Sex an einem abgelegenen Ort getötet. In Verdacht gerät aber der hochintelligente Jonas, 13, Sohn der Cousine der Ermittlerin Ellen Berlinger (Heike Makatsch). Er hat dem Täter vorher Mathe-Nachhilfe gegeben. Auf einer Schulparty fragt Jonas das Mädchen, ob es mit ihm schlafen wolle und kassiert eine Ohrfeige. Daraufhin darf er aber zugucken und wird Zeuge des Mordes.

Worum ging es wirklich? Berlinger hat eine Bindungsstörung zu ihrem Kleinkind, eine Affäre mit dessen Erzieher und als einzige einen halbwegs funktionierenden Draht zu Jonas. Aber es geht auch um eine Erpressung, eine alte Mordserie, Schutzgeld, die Pubertät, ein Trauma des Kollegen Martin Rascher (Sebastian Blomberg), insgesamt also eher um etwas zu viel.

Der überflüssige Dialog Wann immer "Tatort"-Kommissare auf Eltern treffen, stellen diese die eine Frage. So wie die Mutter des Mordopfers Marie. Sie fragt: "Haben Sie Kinder?" Und Berlinger antwortet: "Ja." In Köln etwa taucht dieser Dialog regelmäßig auf, Kommissar Ballauf muss sie dann stets betreten verneinen. Solche Gespräche sollten in Drehbüchern verboten werden. Wozu sollen sie gut sein?

Und jetzt? Nun, nach Heike Makatschs zweitem Einsatz als Kommissarin, lässt sich konsternieren: Sie macht das nicht schlecht. Auch der Figur Martin Rascher kann man gut zuschauen, sein Trauma indes wirkt gekünstelt. Für das nächste Mal würde man sich mehr Stringenz und weniger Nebenhandlungen, also mehr Mut zur Lücke wünschen.

Der ideale Moment für den Klogang Also bis etwa 20 Minuten vor Schluss lässt sich dieser "Tatort" hervorragend für etliche Nebentätigkeiten nutzen. Falls Zeitungen liegengeblieben oder über Ostern noch nicht alle Eier gefunden worden sind, haben Sie 70 Minuten Zeit.

Warum Frösche? Tja. Dass diese Episode "Zeit der Frösche" heißt, bemerkt der Zuschauer nur an der Stelle, als Rascher einen abstrusen Sinnspruch mit Fröschen bemüht. Der passt so wenig zu der Folge wie so manche andere Wendung des Drehbuchs. Kalendersprüche braucht kein Mensch.