| 13:38 Uhr

Missbrauchsvorwürfe
Bill Cosby steht erneut vor Gericht

Norristown. US-Fernsehstar Bill Cosby hat einem mutmaßlichen Missbrauchsopfer vor zwölf Jahren im Zuge einer außergerichtlichen Einigung 3,38 Millionen Dollar gezahlt. Beim Auftakt eines neuen Prozesses gegen den 80-Jährigen nannte die Anklage am Montag diese Summe.

US-Fernsehstar Bill Cosby hat einem mutmaßlichen Missbrauchsopfer vor zwölf Jahren im Zuge einer außergerichtlichen Einigung 3,38 Millionen Dollar gezahlt. Beim Auftakt eines neuen Prozesses gegen den 80-Jährigen nannte die Anklage am Montag diese Summe.

Dem einstigen Comedy-Star wird vorgeworfen, 2004 in seinem Haus in Philadelphia eine Frau mit Tabletten betäubt und sich an ihr vergangen zu haben. Der Prozess in Norristown, einem Vorort von Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania, begann am Montag begleitet von einem gewaltigen Medieninteresse. Der afroamerikanische Schauspieler ("The Cosby Show") wird von rund 60 Frauen beschuldigt, sie im Laufe der Jahrzehnte missbraucht zu haben.

Da die meisten Anschuldigungen verjährt sind, kommt lediglich ein Fall aus dem Jahr 2004 vor Gericht. Der erste Prozess war im vergangenen Juni geplatzt, weil sich die Geschworenen nicht auf ein Urteil einigen konnten. Nun begann in Norristown der zweite Prozess.

Zahlung bislang geheim

Das mutmaßliche Opfer ist eine frühere Universitätsmitarbeiterin namens Andrea Constant, die am Mittwoch 45 Jahre alt wird. Cosby hatte bereits 2006 mit ihr eine außergerichtliche Einigung erzielt. Die Höhe der Zahlung war aber bislang geheim geblieben.

Staatsanwalt Kevin Steele nannte die Summe von 3,38 Millionen Dollar (heute umgerechnet rund 2,75 Millionen Euro) nun, um Cosbys Verteidigung zuvorzukommen. Cosbys neuer Anwalt Tom Mesereau dürfte die Zahl anführen, um Constant als geldgierig darzustellen. Steele betonte aber, dass seine Behörde aus eigenen Stücken den Fall wieder aufgerollt habe. Die Ermittler seien angesichts neuer Beweise auf Constant zugegangen und nicht umgekehrt.

Schlechte Aussichten für Cosby

Der Staatsanwalt äußerte sich am Montag zuversichtlich, dass Cosby in drei Anklagepunkten wegen eines schweren sexuellen Übergriffs verurteilt wird. Die Darstellung des einstigen Fernsehstars, die Begegnung mit Constant sei einvernehmlich abgelaufen, wies Steele zurück: Angesichts der verabreichten Beruhigungsmittel sei Constant damals gar nicht in der Lage gewesen, "irgendetwas zuzustimmen".

Der neue Prozess gegen Cosby steht unter ganz anderen Vorzeichen als das erste Verfahren: Die Belästigungs- und Vergewaltigungsvorwürfe gegen den einstigen Hollywood-Mogul Harvey Weinstein und die MeToo-Debatte haben den Blick auf sexuelle Gewalt gegen Frauen verändert.

Außerdem hat Richter Steven O'Neill zugestimmt, fünf weitere mutmaßliche Missbrauchsopfer Cosbys aussagen zu lassen. Beim ersten Prozess war es nur eine Frau.

Star-Anwalt von Michael Jackson

Mit Tom Mesereau hat sich Cosby die Dienste eines Promi-Anwalts gesichert, der 2005 einen Freispruch für Popstar Michael Jackson im Prozess um mutmaßlichen Kindesmissbrauch erreichte. Mesereaus Eröffnungsplädoyer war für Dienstag vorgesehen. Am Montag scheiterte er mit dem Versuch, einen Geschworenen aus der Jury ausschließen zu lassen. Dieser soll gesagt haben, er sehe Cosby ohnehin als schuldig an.

Vor dem Prozessauftakt gab es einen Aufreger: Als Cosby zum Gericht lief, rannte eine Aktivistin mit nacktem Oberkörper auf den früheren Serienstar zu und schrie "Das Leben von Frauen zählt". Auf ihren nackten Oberkörper hatte sie "Cosby Vergewaltiger" und die Namen seiner mutmaßlichen Opfer geschrieben.

Polizisten überwältigten die 39-jährige Nicolle Rochelle. Diese hatte Anfang der 90er Jahre in einigen Folgen der "Cosby Show" mitgespielt. Nach eigenen Angaben wurde sie nie von Cosby sexuell belästigt.

(mro)