Gerüchte um Kindesentführung: Inderin von Mob gelyncht

Gerüchte um Kindesentführung : Inderin von Mob gelyncht

Ein Mob von mindestens 14 Menschen hat eine 25-Jährige zu Tode geprügelt, die wahrscheinlich geistig verwirrt war. Solche Gewalt kommt in Indien immer häufiger vor, die Regierung erwägt daher neue Gesetze.

Eine Inderin ist wegen des Verdachts, Teil einer Bande von Kindesentführern zu sein, von einem Mob gelyncht worden. Nach dem Tod der Frau wurden nach Polizeiangaben mindestens 14 Menschen im Staat Madhya Pradesh festgenommen. Bewohner hätten die Polizei am Samstag informiert, dass eine Frauenleiche im Wald liege, hieß es. Daraufhin wurde die Leiche mit zahlreichen Verletzungen sichergestellt.

Ersten Ermittlungen zufolge soll die 25-Jährige Freitagnacht (Ortszeit) von einem Mob ins Dorfzentrum gezerrt worden und mit Tritten und Stockschlägen malträtiert worden sein. Zuletzt hatte es in der Gegend Gerüchte über eine Bande von Kindesentführern gegeben. Laut Polizei habe man die Frau dort vor einigen Tagen umherstreifen sehen. Sie sei wahrscheinlich geistig verwirrt gewesen und habe sich nicht in der Lage befunden, mit den Angreifern zu kommunizieren.

Gewalttätige Mobs sind in Indien nichts Neues: Durch das Internet und Smartphones erreichen verheerende Gerüchte mittlerweile selbst entlegene Regionen. In den vergangenen drei Monaten wurden mindestens 25 Menschen gelyncht, weil vermutet wurde, sie seien Teil einer Entführerbande. Oft handelte es sich bei den Opfern um gesellschaftliche Außenseiter.

Die indischen Behörden teilten mit, dass die Gerüchte über mutmaßliche Entführungen falsch seien und dass die Opfer unschuldig seien. WhatsApp trage dazu bei, solche Gerüchte anzuheizen, erklärte die Regierung. Der zu Facebook gehörende Messenger-Dienst kündigte daraufhin an, innerhalb Indiens die Zahl von Gruppen zu beschränken, an die eine Nachricht weitergeleitet werden könne.

Am Dienstag hatte das Oberste Gericht der Regierung außerdem vorgeschlagen, neue Gesetze gegen Mobgewalt zu beschließen. Medienberichten zufolge richtete die Regierung am Montag zwei Ausschüsse ein, die die bestehenden Gesetze untersuchen sollen.

(mba/dpa)
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