Geschwister hinter Gittern

Geschwister hinter Gittern

Im Prozess um den Tod eines betagten Rentners aus Bullay ist ein Geschwisterpaar zu Freiheitsstrafen verurteilt worden. Das Landgericht Koblenz schickte den 40 Jahre alten Mann gestern für mehr als 13 Jahre ins Gefängnis, seine Schwester für sechseinhalb Jahre.

Koblenz/Bullay. Über dem Mund eine Maske, über dem Kopf eine Leggings mit Sehschlitzen - so betrat der Haupttäter (40) nachts das Schlafzimmer eines Rentners in Bullay. Kurze Zeit später war der 81-Jährige tot. Jetzt hat das Landgericht Koblenz den Mann wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung mit Todesfolge zu 13,5 Jahren Haft verurteilt. Seine Schwester (28) verurteilten die Richter zu einer Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren - wegen des gleichen Vorwurfs, allerdings ohne Todesfolge.
Das Gericht ordnete an, dass sich der Haupttäter wegen seiner Drogensucht in einer Entzugsanstalt behandeln lassen muss. Schließt er die Therapie erfolgreich ab, könnte sich das für ihn positiv auf seine Haftdauer auswirken.
Der Vorsitzende Richter Ralf Bock sprach von einer schändlichen Tat - auch weil der Rentner das Geschwisterpaar, das ihn tötete, jahrelang mit Geld beschenkte. Und weil er deren Familien oft Waren abkaufte, um ihnen zu helfen.
Warum war es kein Mord? Laut dem Urteil töteten die Täter in der Nacht zum 4. Juni 2013 nicht vorsätzlich, sondern verursachten den Tod leichtfertig. Richter Bock betonte, dass der Tod nicht in ihrem Interesse lag. Denn sie wollten von dem Rentner den Code für dessen Waffenschrank erpressen, in dem sie viel Geld vermuteten. Mit dem Tod war der Plan gescheitert. Auch die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Täter nicht vorsätzlich töteten.Geständnis mildert Urteil


Das Gericht hätte auch bei einer versuchten schweren räuberischen Erpressung mit Todesfolge eine lebenslange Haftstrafe gegen Haupttäter Peter B. verhängen können. Aber es sah davon ab, obwohl er wegen Vergewaltigung und Raubes vorbestraft ist. Richter Bock begründete dies damit, dass B. bereits bei der Polizei alles gestanden hatte: "Nur das Geständnis hat Sie gerettet."
Das Gericht geht davon aus, dass der Rentner aufstand, kurz bevor B. in sein Zimmer kam. Begründung: Erstens war die Bettdecke des Mannes zurückgeschlagen, als hätte er dies beim Aufstehen getan. Zweitens lagen die Beine der Leiche außerhalb des Bettes. Die Staatsanwaltschaft ist hingegen der Ansicht, dass der Rentner im Schlaf überrascht wurde.
Nach Ansicht des Gerichts verschafften sich B. und seine Schwester Zutritt zum Haus des Rentners. Sie wartete vor dem Schlafzimmer, während er hineinging. Als er die Tür öffnete, kam ihm der 81-Jährige, der kurz zuvor erwacht war, entgegen. Der Täter schubste ihn zurück aufs Bett, kniete sich auf ihn, verletzte ihn mit einem Messer am Hals und forderte den Code des Waffenschranks. Doch das Opfer verriet ihn nicht - und schlug um sich. Es kam zum Gerangel. Der Täter stach dem Rentner sechs Zentimeter tief in den Hals, hielt ihm eine Hand oder ein Kopfkissen auf den Mund. Der Mann erstickte.
Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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