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Tote und Verletzte in Münster
Kleinlaster fährt in Menschengruppe - Hintergrund noch unklar

Münster. In Münster sind am Samstag mehrere Menschen gestorben, als ein Kleintransporter in eine Menschenmenge fuhr. Das teilte die Polizei über Twitter mit. "Es gibt Tote und Verletzte", hieß es dort.

Ein Teil der Altstadt ist abgeriegelt. Den Angaben zufolge soll ein Kleinlaster in eine sitzende Menschengruppe gefahren sein. Es ist die Rede von bis zu 30 Verletzten. Sechs von ihnen schweben noch in Lebensgefahr. Wie die Polizei mitteilte, hat sich der Fahrer selbst getötet. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums sind nach jetzigem Informationsstand (18 Uhr) vier Menschen gestorben.

Zunächst hieß es aus gut informierten Polizeikreisen, dass nach zwei weiteren Tätern gefahndet werde. Eine Polizeisprecherin sagte der Agentur Reuters am frühen Abend, dass die Gefahr gebannt sei. Es werde nicht nach weiteren Verdächtigen gesucht. Sechs Verletzte schweben demnach allerdings in Lebensgefahr. Es sei weiter unklar, ob es sich um einen Anschlag handele. "Wir ermitteln in alle Richtungen."

Die Polizei ist mit Hubschraubern vor Ort. Den Angaben zufolge sucht die Polizei zudem nach Sprengstoff. Die Polizei hat die Bevölkerung dazu aufgerufen, den betroffenen Bereich zu meiden. Es gebe einen Großeinsatz an der Gaststätte Kiepenkerl, teilte sie am Samstag über Twitter mit. "Bitte den Bereich um den Kiepenkerl meiden. Wir sind vor Ort."

Erich Rettinghaus, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft in NRW, sagte unserer Redaktion: "Zunächst sind wir in Trauer um die Opfer und Verletzten. Allen Verletzten und den Angehörigen der Toten und Verletzten gilt unsere aufrichtige Anteilnahme verbunden mit den besten Genesungswünschen. Es bestand stets eine latente hohe Anschlagsgefahr in ganz Deutschland. Nun hat es auch NRW getroffen, waren wir bisher glücklicherweise immer in der Lage geplante Attentate und Anschläge im Vorfeld zu verhindern, ist es dieses Mal nicht gelungen. Es gilt nun aufzuklären und vor allem mögliche Hintermänner der Tat dingfest zu machen, um weitere mögliche Taten zu verhindern."

Der "Kiepenkerl" ist ein Standbild eines reisenden Händlers aus dem Münsterland im Herzen der historischen Innenstadt von Münster. Er ist ein Wahrzeichen der gut 300.000 Einwohner zählenden Stadt. Die beiden umliegenden Traditionslokale heißen Großer Kiepenkerl und Kleiner Kiepenkerl. Der Platz inmitten enger Altstadtgassen ist ein beliebter Treffpunkt. Bei gutem Wetter sitzen und stehen dort oft zahlreiche Menschen im Freien, im Winter gibt es ein Weihnachtsdorf. Der "Kiepenkerl" befindet sich seit 1896 auf dem Spiekerhof - eine Männerfigur mit Tragekorb, Pfeife, Knotenstock und Leinenkittel. Das Denkmal wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, originalgetreu wieder hergestellt und 1953 von Bundespräsident Theodor Heuss eingeweiht.

Münster zählt mit mehr als 50.000 Studenten zu den wichtigsten Universitätsstädten Deutschlands. Zudem haben Gerichte und Verwaltungseinrichtungen des Bundeslandes sowie ein katholischer Bischof dort ihren Sitz. Bekannt ist Münster als Fahrradstadt und für seine schöne, nach dem Zweiten Weltkrieg in Teilen wieder rekonstruierte Altstadt. Mietskasernen oder Wolkenkratzer gibt es in Münsters Innenstadt nicht, dafür unzählige Kneipen, Lokale und kulturelle Einrichtungen.
In Rankings zu den glücklichsten Menschen in Deutschland liegt die vom grünen Münsterland umgebene Stadt regelmäßig vorn.

(felt)