Melancholisch, düster, rätselhaft: Der letzte „Tatort“ vom Bodensee heute Abend im Fernsehen

Melancholisch, düster, rätselhaft: Der letzte „Tatort“ vom Bodensee heute Abend im Fernsehen

Der letzte Bodensee-„Tatort“ geht die ganz großen Fragen an. Was ist Gerechtigkeit? Was ist mir wichtig? Wofür lohnt es sich zu leben? Und eines bleibt bis Schluss offen: Was passiert mit Blum und Perlmann? Das Erste zeigt „Wofür es sich zu leben lohnt“ am heutigen Sonntagabend (ARD, 20.15 Uhr).

Es fällt schwer, den letzten "Tatort" vom Bodensee nicht dauernd als das anzusehen, was er ist: eben der letzte "Tatort" vom Bodensee. Denn auch die Macher spielen genau damit: Zwar schicken sie die beiden Kommissare Klara Blum (Eva Mattes) und Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) in einen komplexen, verworrenen Fall, der sich um Anlagebetrug, billige Textilproduktion in Südasien und rechtsextremes Gedankengut dreht. Doch das Gefühl, dass etwas zu Ende geht, wird man als Zuschauer über die gesamten 87 Minuten nicht los.

Schon zu Beginn der Folge wirkt die Beziehung zwischen den Kommmissaren getrübt: Blum erzählt Perlmann am Handy von ihrem Urlaub in Portugal — und prallt an der nächsten Ecke mit ihm zusammen. Denn eigentlich war sie beim Arzt, wegen Verdachts auf einen Herzmuskelriss. Was mit seiner Kollegin los ist, wird Perlmann aber bis zum Schluss nicht genau erfahren. Er spürt nur: Etwas verändert sich. Und dieses Gefühl bleibt den gesamten Film über — das haben Aelrun Goette (Regie und Drehbuch) und Sathyan Ramesh (ebenfalls Drehbuch) so angelegt. Nicht nur Blum fragt sich: Wie soll es weitergehen? Was will ich mit der verbleibenden Zeit anfangen? Wofür lohnt es sich eigentlich zu leben?

Bei den Ermittlungen zum Mord an einem gutbürgerlichen Rechtsextremen lernt Blum drei ältere Frauen kennen, die diese Fragen noch radikaler weiterdenken: Was schulden wir eigentlich der Gesellschaft? Müssen wir selbst etwas dazu beitragen, damit mehr Gerechtigkeit herrscht? Selbst die Kommissarin kann zu Beginn kaum einschätzen, ob die drei Damen — hervorragend gespielt von Hanna Schygulla, Margit Carstensen und Irm Hermann — nun Opfer oder Täter, Weise oder Hexen sind.

Erst nach und nach lichtet sich das Undurchschaubare in dem Fall, finden Blum und Perlmann das Zusammenhängende in den einzelnen Strängen. "Ich wollte gern eine radikale Geschichte über unsere Zeit erzählen, die aus den Fugen ist und sich den bösen Mantel der humorvollen Leichtigkeit überwirft", zitiert der SWR die Regisseurin Aelrun Goette. "Eine poetische Parabel, die in der Frage mündet, wem und warum man sich beugt."

Dass dieser "Tatort" der letzte vom Bodensee sein würde, hatte die ARD schon früh verkündet. Ende 2014 gab der Sende das Aus für die Folgen aus Konstanz bekannt. Für die beiden Hauptdarsteller nach eigenen Angaben kein Problem: "Ich finde, 14 Jahre sind gut und genug", sagte Mattes bei den Dreharbeiten Ende vergangenen Jahres. "Jetzt darf auch wieder was anderes kommen." Ähnlich äußerte sich Sebastian Bezzel: "Ich habe über ein Jahr Zeit gehabt, mich darauf vorzubereiten. Das ist okay."

Statt am Bodensee lässt der SWR künftig im Schwarzwald ermitteln: Das neue "Tatort"-Team mit Sitz in Freiburg besteht aus den Kommissaren Franziska Tobler (gespielt von Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner). Den Chef mit dem Namen Gernot Schöllhammer spielt Harald Schmidt. Drehstart soll im Frühjahr sein, die Ausstrahlung voraussichtlich Ende 2017.

Aber auch am Bodensee wird ermittelt: Im Sommer drehte die ARD in der Region acht Folgen der Vorabendserie "WaPo Bodensee". Im Mittelpunkt steht die Figur der Kommissarin Nele Fehrenbach (gespielt von Floriane Daniel), die am Bodensee die Leitung der Wasserschutzpolizei übernehmen soll. Gedreht wird unter anderem in Konstanz und Radolfzell, gezeigt werden sollen die Folgen ab 2017 im Ersten.

Und Blum und Perlmann? Dazu sei nur soviel verraten: Es ist ein Schluss, der viel Spielraum lässt. "Ich wünsche mir, dass man sie am Ende vermisst", sagt Regisseurin Goette.

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