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Beliebter Messenger-Dienst
Tausende demonstrieren in Moskau gegen Sperrung von Telegram

Protest-Papierflieger vor dem FSB-Gebäude in Moskau am 16. April 2018 (Archivfoto).
Protest-Papierflieger vor dem FSB-Gebäude in Moskau am 16. April 2018 (Archivfoto). FOTO: dpa, PAG hjp
Moskau. Tausende Menschen haben am Montag in Moskau friedlich für ein freies Internet und gegen die Sperrung des beliebten Messenger-Dienstes Telegram in Russland protestiert. Unter den Demonstranten war auch der Oppositionspolitiker Alexej Nawalny.

Tausende Menschen haben am Montag in Moskau friedlich für ein freies Internet und gegen die Sperrung des beliebten Messenger-Dienstes Telegram in Russland protestiert. Unter den Demonstranten war auch der Oppositionspolitiker Alexej Nawalny.

Polizei und Veranstalter gaben die Zahl der Teilnehmer an der Kundgebung im Zentrum der russischen Hauptstadt mit etwa 8000 an. Medien in Russland berichteten später von bis zu 12.000 Menschen. Die Demonstranten hielten Schilder mit Parolen gegen die Regierung hoch, schwenkten russische Fahnen und ließen Papierflugzeuge fliegen, das Emblem von Telegram.

In Sprechchören wurde der russische Präsident Wladimir Putin als "Dieb" beschimpft und ein freier Zugang zum Internet gefordert. Nawalny dankte Pawel Durow, zusammen mit seinem Bruder Nikolai Mitgründer von Telegram, in einer Rede an die Menge für seine Unterstützung des Protests.

Nawalnys Frage "Seid ihr bereit, Widerstand zu leisten?" beantworteten die überwiegend jugendlichen Demonstranten mit einem lauten "Ja", bevor sie die auf Putin gemünzte Parole "Nieder mit dem Zaren!" riefen. Der 33-jährige Durow bezeichnete die Kundgebung im Internet als "beispiellos" und fügte hinzu: "Mit eurer Energie seid ihr dabei, die Welt zu verändern."

Telegram verweigerte Geheimdiensten Entschlüsselung privater Chats

Richter hatten die Blockade von Telegram angeordnet, nachdem der Online-Dienst den russischen Geheimdiensten die Entschlüsselung privater Chats verweigert hatte. Der Geheimdienst FSB begründet seine Forderung damit, dass angeblich Terroristen das Programm für eine sichere Kommunikation nutzen. Kritiker werfen den Behörden vor, sie wollten lediglich ihre Kontrolle über das Internet ausweiten.

Die zuständige Behörde Roskomnadsor sperrte Millionen IP-Adressen, die zur Nutzung von Telegram verwendet wurden. Dadurch wurde auch die Tätigkeit vieler Unternehmen, einschließlich des Autobauers Volvo, beschränkt.

Die Sperrung wurde aber häufig umgangen - unter anderem durch verschlüsselte VPN-Verbindungen oder sogenannte Proxys. Putin-Gegner benutzen Telegram gerne für Mitteilungen oder um Protestaktionen zu koordinieren. Die Brüder Durow gründeten Telegram im Jahr 2013. Seitdem wuchs die Zahl der Nutzer weltweit auf mehr als 200 Millionen.

(togr/AFP/dpa)