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Berichterstattung zu Notre-Dame
„Tagesschau“-Chef wehrt sich gegen Laschets Kritik

 Tagesschau-Chefredakteur Kai Gniffke
Tagesschau-Chefredakteur Kai Gniffke FOTO: dpa / Sebastian Kahnert
Exklusiv Tierdoku statt Sondersendung – die ARD hat auf die Kritik an ihrer Berichterstattung über das Feuer in Notre-Dame reagiert. Den Vorwurf von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, die Öffentlich-Rechtlichen hätten geschlafen, wollte Tagesschau-Chef Kai Gniffke so nicht stehenlassen. Von Sebastian Dalkowski

Zu spät und zu wenig – so in etwa lässt sich die Kritik an der Notre-Dame-Berichterstattung zusammenfassen, der sich die öffentlich-rechtlichen Sender und vor allem die ARD seit Dienstagabend ausgesetzt sehen. So hatte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet  getwittert, der öffentlich-rechtliche Rundfunk schlafe, während Al Jazeera berichte und rechte Hetzer Verschwörungstheorien verbreiteten. Der frühere „Tagesschau“-Chefredakteur Ulrich Deppendorf hatte sich kurz zuvor ebenfalls auf Twitter zu Wort gemeldet. „Warum gab es keinen ARD-Brennpunkt zum Brand von Notre Dame, neben dem Eiffelturm das Symbol Frankreichs?“ Die ARD hatte das reguläre Programm nicht unterbrochen und nach der Tagesschau eine Tierdoku gezeigt, während andere nationale und auch internationale Nachrichtensender live berichteten.

Nun haben sich die Verantwortlichen der ARD zu Wort gemeldet und wehren sich gegen die Kritik. Rainald Becker, ARD-Chefredakteur, verweist auf den Korrespondentenbericht aus Paris, der in der Tagesschau um 20 Uhr gelaufen sei. „Der Beitrag wurde aufgrund der Zeitknappheit vom Korrespondenten live vertont. Parallel war ein Korrespondent auf dem Weg zur Kathedrale Notre-Dame, um die Live-Berichterstattung zu gewährleisten, die dann bei Tagesschau24 und auf tagesschau.de erfolgte.“ Ein „Brennpunkt“ im Ersten „wäre wünschenswert gewesen, war aber zu diesem Zeitpunkt logistisch nicht darstellbar“, sagt er. Soll also heißen: Der ARD fehlten die Journalisten, um so schnell einen Brennpunkt auf die Beine zu stellen.

Einige Zuschauer hatten auch kritisiert, das Erste habe keine Laufbänder im aktuellen Programm eingeblendet. „Wir hatten natürlich Laufbänder im Ersten“, widerspricht Kai Gniffke, Tagesschau-Chefredakteur, im Gespräch mit unserer Redaktion. „Dreimal haben wir das Publikum mit Laufbändern über den aktuellen Stand der Dinge informiert.“

Auch die Kritik von Armin Laschet, die Öffentlich-Rechtlichen hätten geschlafen, möchte er nicht auf sich sitzen lassen. „Wenn man nicht einmal eine Stunde nach der ersten Eilmeldung 10,2 Millionen Menschen mit einem Korrespondentenbericht über das Ereignis in Paris informiert, würde ich das nicht als Schlafen bezeichnen“, sagt Gniffke. Diesen Beitrag hatte die „Tagesschau“-Redaktion laut Gniffke auf die dritte Stelle geschoben, statt ihn zu Beginn zu bringen, weil der Korrespondent noch den Einsturz eines Turmes hatte einbauen wollen. In den Tagesthemen lief ein Beitrag über Notre-Dame dann gleich zu Beginn. Für Mittwochabend, 21.45 Uhr, plant das Erste ein „Weltspiegel extra“ mit einer ersten Bilanz nach dem Brand.

Derweil erneuerte Ulrich Deppendorf die Kritik an der Berichterstattung im Gespräch mit unserer Redaktion: „Notre-Dame ist ein solches Symbol Frankreichs und Europas, ein solch weltbekannter Touristenmagnet – da hätte das Erste eine Sondersendung produzieren müssen“, sagt er. Genug Material hätte es jedenfalls gegeben. „Der ARD-Korrespondent in Paris ist ein krisenerprobter Kollege, Al Jazeera und CNN haben es ja auch hinbekommen. Es gab Kenner von Notre-Dame, es gab Feuerwehrleute, die hätten berichten können, wie man einen solchen Brand löscht.“

Aber auch den Tweet von Armin Laschet sieht Deppendorf kritisch: „Ein Ministerpräsident sollte sich nicht in Programmfragen einmischen.“