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Öffnung des Landes
Saudi-Arabien bekommt erstes Kino seit 35 Jahren

New York. In Saudi-Arabien schreitete die gesellschaftliche Öffnung voran: Erstmals seit Jahrzehnten soll nun ein Kino im Königreich eröffnet werden. Den Zuschlag erhielt US-Betreibergigant AMC. Saudi-Arabien rechnet nun mit einem Ansturm der Kino-Konkurrenz.

In Saudi-Arabien schreitete die gesellschaftliche Öffnung voran: Erstmals seit Jahrzehnten soll nun ein Kino im Königreich eröffnet werden. Den Zuschlag erhielt US-Betreibergigant AMC. Saudi-Arabien rechnet nun mit einem Ansturm der Kino-Konkurrenz.

In Saudi-Arabien können Bürger bald erstmals seit 35 Jahren wieder ins Kino gehen. Die US-Kette AMC kündigte am Mittwoch ab, ihr erstes Kino am 18. April in der Hauptstadt Riad zu eröffnen. Dabei soll es nicht bleiben: Bis 2030 will AMC - der weltweit größte Kinobetreiber - bis zu 100 Filmtheater in 25 Städten im Königreich haben.

Doch auch andere Ketten drängen auf den saudi-arabischen Markt und bereiten bereits den Bau von Kinos vor. Die Aussicht auf Millionen potenzieller Kunden ist verlockend für eine Branche, in der viele Akteure mit Umsatzeinbußen zu kämpfen haben. Saudi-Arabiens Kultur- und Informationsminister Awwad Alawwad sprach denn auch davon, dass sich Betreibern nun "äußerst bedeutsame Chancen eröffnen" würden.

Öffnung der erzkonservativen Gesellschaft

Die erste Kinolizenz sicherte sich das in Leawood im US-Staat Kansas ansässige Unternehmen AMC, das dem chinesischen Mischkonzern Wanda Group gehört. AMC-Geschäftsführer Adam Aron zeigte sich in einer Telefonkonferenz euphorisch. "Wenn wir bis zu 100 Filmtheater in Saudi-Arabien eröffnen können, ein Land, in dem es aktuell praktisch keine Auslastung (mit Kinos) gibt, dann gehen wir davon aus, dass der Markt einen überwältigenden Nachholbedarf haben wird", sagte er.

Die Vergabe von Kinolizenzen fügt sich in Bemühungen von Kronprinz Mohammed bin Salman um eine Öffnung der erzkonservativen Gesellschaft ein. Ab Juni etwa dürfen Frauen in Saudi-Arabien Auto fahren. Doch stellt sich auch die Frage, welche Art von Filmen die Kulturwächter des Königreichs dulden werden - und ob Kinogänger nach Geschlechtern getrennt werden.

Es wird dennoch gemeinhin erwartet, dass sich Saudi-Arabien als wertvolles Neuland für Hollywood erweisen dürfte. "Wir denken, dass es ein sehr großer Markt sein könnte", sagte John Fithian, Chef des nationalen US-Verbands der Kinobesitzer. "Es geht buchstäblich darum, wie schnell wir sie bauen können. Und dann werden sie kommen."

(csr)