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Busverkehr: In der Region drohen deshalb neue Streiks.

Öffentlicher Personennahverkehr : Busfahrer fordern Hilfe vom Land

Niedrige Löhne, unbezahlte Stunden, müde Männer am Steuer: In der Region drohen deshalb neue Streiks. Geht es nach Gewerkschaft und Arbeitgebern, soll die Ampelregierung ihnen unter die Arme greifen.

Reinhard Eltges ist Busfahrer mit Herz und Seele. Der 65-Jährige aus Brauneberg (Kreis Bernkastel-Wittlich) fährt an der Mosel täglich Kinder und Jugendliche zur Schule. „Anfangs sind die Schulranzen noch größer als die Kinder selbst. Es ist toll, ihnen bis zur Pubertät beim Wachsen zuzusehen“, sagt Eltges. In diesem Jahr geht der Busfahrer von Moselbahn eigentlich in Rente. Er will aber weiter Bus fahren. „Ich werde es müssen. Es gibt ja kaum Rente“, erzählt er. Und damit wären wir bei den Schattenseiten des Busfahrerlebens, die auch Schüler und Pendler in der Region treffen.

Am Freitag kündigte Verdi den Arbeitgebern des privaten Busgewerbes im Land ein Ultimatum an. Bis zum 1. März fordern sie im fast ein Jahr dauernden Tarifstreit ein Angebot nach hessischem Vorbild. Der Stundenlohn der Busfahrer würde dann von 13,23 Euro auf rund 15 Euro wachsen. Verweigern die Arbeitgeber den Deal, drohen landesweite, unbefristete Streiks. In der Region Trier zögen sich diese tief über Mosel und Eifel. Der Busverkehr der Stadt Trier sei nicht betroffen, heißt es von Verdi.

Guido Borning, Geschäftsführer vom Verband des Verkehrsgewerbes Rheinland, verweist auf ein bestehendes Angebot der Arbeitgeber, das aus einem Lohn-Plus von 5,8 Prozent bis Ende Februar 2021 und bis Ende Februar 2022 von erneuten zwei Prozent bestehe. „Das gab es wahrscheinlich seit Jahrzehnten nicht“, sagt er.

Und doch: Einig sind sich Arbeitgeber und Gewerkschaften, dass es mehr Lohn für die Busfahrer braucht. Alle rufen dabei nach Hilfe vom Land – und fordern einen ÖPNV-Index. Die Idee dahinter: Das Land würde Tarifsteigerungen bezuschussen und private Busfirmen entlasten. Das rheinland-pfälzische Verkehrsministerium hält sich noch bedeckt. Dem Land sei das Problem des Fachkräftemangels bei Busfahrern bewusst, sagt eine Sprecherin auf Anfrage. Ein Rezept dagegen könne eine bessere Bezahlung sein. Ob ein ÖPNV-Index in Rheinland-Pfalz sinnvoll sei, werde mit Akteuren von Gewerkschaften, Verkehrsbetrieben und Verbünden bei einem Runden Tisch in Mainz erörtert. Dieser ist am 12. März.

Ein Busfahrer in der Verdi-Runde vollzog am Freitag einen Comic-Vergleich – allerdings nicht im gut gemeinten Sinne: „Um uns herum sind Luxemburg, Saarland und Hessen, die gute Abschlüsse gemacht haben. Rheinland-Pfalz ist das gallische Dorf wie bei Asterix, das sich abschottet.“ Die Folge, warnt Verdi: Grenznahe Länder werben Busfahrer aus Rheinland-Pfalz ab. Das verschlimmere den Fachkräftemangel, der ohnehin schon eklatant sei und sich durch in Rente gehende Fahrer noch verschärfe. Bis 2030, schätzt Verdi, werden bundesweit 70 000 Busfahrer fehlen. In der Region ist die Zukunft manchmal schon Gegenwart: Im Raum Trier fielen bereits Busse aus, weil keine Fahrer da waren. Da brauche es dringend bessere Arbeitsbedingungen, sagt die Gewerkschaft. Wie eine Bezahlung für Pausen zwischen einzelnen Diensten. Busfahrer seien teilweise 12 bis 13 Stunden am Tag unterwegs, erhielten aber für die Unterbrechung zwischen den Diensten keine Vergütung. „Das ist aus unserer Sicht Diebstahl, das ist ein Griff ins Portemonnaie der Beschäftigten“, sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Marko Bärschneider.

Als Kern des Konflikts nannte der Verdi-Landesfachbereichsleiter Verkehr, Jürgen Jung, die finanzielle Schieflage der Kommunen. Dies führe dazu, dass sich Busunternehmen bei Ausschreibungen unterbieten müssten. Wenn Verträge mit Kommunen über zehn Jahre abgeschlossen würden, gebe es keine Chance auf eine Tariferhöhung. „Am Ende zahlen die Beschäftigten die Zeche, das kann nicht sein.“ Jung mahnte, dass Busfahrer etwa bei der Beförderung von Schulkindern eine hohe Verantwortung trügen. Das sieht auch Reinhard Eltges so. „Ich bin gerne Busfahrer. Für nachfolgende Generationen hoffe ich aber auf bessere Arbeitsbedingungen“, sagt er.