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Wein
Der Startschuss für einen legendären Jahrgang?

Im Osann-Monzel hat die Traubenlese begonnen. Das Weingut Günter Meierer erntet schon seit dem frühen Morgen mit einem Vollernter. 
Im Osann-Monzel hat die Traubenlese begonnen. Das Weingut Günter Meierer erntet schon seit dem frühen Morgen mit einem Vollernter.  FOTO: Klaus Kimmling / klaus kimmling
Osann-Monzel. Die Traubenlese in der Region beginnt. Winzer und der Moselwein e.V. rechnen wegen der vielen Sonne mit einem sehr guten Jahrgang. Aber es gibt auch einen Haken. Von Christian Thome

Der Geruch von Zwiebelkuchen liegt in der Luft. Kleine Gläser mit leicht geblichem Inhalt stehen auf dem Tisch. Gemütlich sitzt die Familie zusammen und genießt die ersten Ergebnisse des 2018er-Weinjahrgangs: den Federweißen. Diesen wird es bald geben, denn die Traubenlese hat an vielen Weinbergen in der Region begonnnen.

Zweimal Freude, einmal Frustration. Das fühlt Winzer Günter Meierer nach dem Beginn der Traubenlese in seinem Weinberg in Osann-Monzel. Am Montag hat er mit der Lese begonnen und war anfangs vollumfänglich zufrieden. Die Menge und die Qualität seiner Trauben sind sehr gut. Frei nach der Winzer-Weisheit „Die Rebe ist ein Sonnenkind“ hat die große Hitze der Qualität keinen Abbruch getan. Der fehlende Niederschlag birgt jedoch ein anderes Problem: Die Ausbeute, also das Verhältnis der Menge Trauben zur Menge Saft, ist schwach.

„Es war abzusehen, dass das passiert. Wir haben viele Trauben, die allerdings nicht viel Flüssigkeit haben“, sagt Meierer. Die gute Qualität nimmt der Winzer gerne mit, sie ist für ihn jedoch nicht ausschlaggebend. Sein Betrieb ist einer der Hauptanbieter für Federweißen in der Region. Bei diesem „neuen Wein“, der noch am Anfang seiner alkoholischen Gärung steht, ist die Qualität nicht entscheidend. Die geringe Ausbeute betrifft nicht nur Meierer, erklärt Ansgar Schmitz vom Moselwein e.V.: „Besonders in den Gebieten, in denen wenige Niederschläge gefallen sind, sind die Trauben markig, haben also viel Fruchtfleisch und wenig Saft.“ Was denn nun? Sind markige Trauben ein Problem?

Jein. Auf der einen Seite ist von einem mengenmäßig kleinen Jahrgang auszugehen. Logisch, denn wenig Saft bedeutet auch wenig Wein. Andererseits verspricht die Lese eine hohe Qualität, wie Ansgar Schmitz feststellt: „Wenn jetzt kein Unwetter mehr kommt, dann wird das ein sehr guter Jahrgang.“ Er vergleicht ihn mit dem von 1958, der noch heute aufgrund seines Niveaus unter den Weinkennern in der Region nahezu legendär ist. Es dauert nicht mehr lange, bis auch die Trauben gelesen werden, die für den eigentlichen Wein verwendet werden, sagt Ansgar Schmitz: „Wir vermuten, dass viele Winzer Ende August beginnen werden.“ Auf der Agenda steht dann zuerst unter anderem die Rebsorte Müller-Thurgau, aus der Rivaner hergestellt wird. Mitte September folgt dann der Riesling.

Weinliebhaber können sich freuen, denn der Rebensaft wird extrem früh in den Regalen zu finden sein. Die leeren Keller, die aus dem sehr schwachen 2017er-Jahrgang resultieren, zwingen die Winzer dazu, ihre Weine früh anzubieten. Ein bisschen Geduld ist jedoch noch gefragt. Bis dahin tun es aber auch Federweißer und Zwiebelkuchen.