Deutschland, Frankreich und Luxemburg erproben in der Großregion gemeinsam die Zukunft des Autofahrens.

Verkehr : Deutschland, Frankreich und Luxemburg – Autonom durchs Grenzgebiet düsen

Deutschland, Frankreich und Luxemburg erproben in der Großregion gemeinsam die Zukunft des Autofahrens. Die Verkehrsminister der beteiligten Länder haben am Mittwoch in Schengen erste Testfahrten absolviert.

Schon auf dem Weg vom Flughafen nach Saarbrücken hatte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) die Hände vom Steuer genommen und das Auto alleine machen lassen. Wenig später sitzt er in Schengen erneut in einem Fahrzeug, das keinen Fahrer mehr braucht. Es ist eine der ersten Testfahrten im ersten grenzüberschreitenden Testfeld für autonomes Fahren, das es in Europa gibt.

Am Mittwochnachmittag haben deutsche, französische und luxemburgische Minister in Schengen – also an einem Ort, der symbolisch für die Einheit Europas steht – gemeinsam präsentiert, welche Neuigkeiten es aus der Welt der selbstfahrenden Autos gibt. Intelligente Ampeln, Autos, die miteinander kommunizieren oder Minibusse, die sich selbst steuern. Es klingt nach Science-Fiction, was da im Saarland, im Süden Luxemburgs und der Region rings um Metz passiert. In einem Testfeld, das für die Entwicklung der neuen Technik von großer Bedeutung ist. Können die Unterschiede, die es im Straßenverkehr von Land zu Land gibt, doch selbst schlaue Autos durcheinanderbringen: Die Verkehrsschilder sehen anders aus, in Frankreich gibt es an Ampeln keine Haltelinien, auch springen sie direkt von „Rot“ auf „Grün“. Auf dem grenzüberschreitenden Parcours lernen selbstfahrende Systeme nun, damit umzugehen.

Für Pendler ist das kein Grund zur Sorge: Zur Sicherheit sitzt aktuell meist trotzdem ein Mensch hinterm Steuer. „In dem Testgebiet wird erprobt, was künftig Standard sein wird“, sagt der Bundesverkehrsminister. Da wäre zum Beispiel ein kleiner elektrischer Linienbus, der nicht einfach auf wenigen Kilometern langsam von Haltepunkt zu Haltepunkt zuckelt, sondern der sich „on demand“ – also wenn er benötigt wird – ab 2020 im internationalen Grenzverkehr auf normalen Straßen mit normalen Geschwindigkeiten fortbewegen soll. Autonom, versteht sich. Und zwar von Überherrn im Landkreis Saarlouis ins lothringische Creutzwald.

Ziel ist es, ein Fahrzeug der höchsten Autonomiestufe 5 zu erschaffen, das ohne Lenkrad und Pedale auskommt, weil kein menschliches Eingreifen mehr erforderlich ist. „Die Ergebnisse werden uns helfen, die Bedingungen im grenzüberschreitenden ÖPNV besser an den Bedürfnissen der Kunden auszurichten“, sagt die saarländische Verkehrsministerin Anke Rehlinger, die sich von den Neuerungen auch verspricht, dass weniger Auffahrunfälle geschehen und weniger Sprit verbraucht wird – zum Beispiel, weil Autos wissen, wo der nächste Parkplatz ist.

Ein anderes Projekt lässt Fahrzeuge miteinander kommunizieren. „Wenn ein Auto liegenbleibt, dann kann es andere Autos warnen“, erklärt Harold Linke von der Firma Hitec bei einer kleinen Ausstellung im Schengener Haff. Das Testfeld in der Grenzregion biete eine tolle Gelegenheit,  so etwas auszuprobieren. Das Project Triica wiederum lässt einen Wagen über den rund 200 Kilometer langen Testparcours fahren, der mit Lasern, Radar und Kameras Daten sammelt, mit deren Hilfe das Vehikel einzuschätzen lernt, in welchem Land es sich gerade befindet, wie Randstreifen, Warnsignale oder Baustellen dort aussehen. Zum einen kann das Auto sich so an die nationalen Verkehrsregeln halten, zum anderen Gefahrensituationen besser erkennen.

Alle Minister sind sich einig, wie wichtig diese Zusammenarbeit für den europäischen Wohlstand ist. Das Projekt sei eine klare Botschaft an die Welt: „Wir in Europa können autonomes Fahren“, sagt Scheuer. Nun gelte, es den Bürgern, die laut französischer Verkehrsministerin Elisabeth Borne zu zwei Dritteln Bedenken gegen die Technik haben, die Angst zu nehmen. Die politischen Entscheidungen gelte es, parallel zu den technischen Entwicklungen zu treffen. „Sonst verlieren wir Zeit“, betont Scheuer. Der luxemburgische Verkehrsminister François Bausch geht davon aus, dass Autos ab 2035 völlig autonom über die Straßen der Großregion fahren. Profitieren sollen davon auch die 200 000 Luxemburg-Pendler, für die Stau, Unfälle und Stress derzeit noch Alltag sind.