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Die Grundrente kann vielen Menschen in der Region helfen

Kostenpflichtiger Inhalt: Rentenreform : Warum die Grundrente im Alter besonders Eifelern helfen soll

Frauen in Bitburg-Prüm haben landesweit bislang die niedrigsten Ansprüche, zeigen Zahlen des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Wer jeden Monat mit 529 Euro über die Runden kommen muss, freut sich, wenn er eine niedrige Miete, die nötigsten Einkäufe und Strom bezahlen kann. Auf dem Konto bleibt dann oft kein kümmerlicher Cent übrig. 529 Euro sind genau die Summe, die eine Frau im Eifelkreis Bitburg-Prüm im Jahr 2016 noch im Schnitt bekam, als sie Rentnerin wurde. In Rheinland-Pfalz ist das der niedrigste Wert im Rentenreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes. DGB-Landeschef Dietmar Muscheid lobt daher die neue Grundrente, von der besonders Rentner im ländlichen Raum profitieren könnten. Wie Frauen, denen Erziehungszeiten für Kinder angerechnet würden.  „Es ist eine Frage des Respekts vor der Lebensleistung eines jeden Einzelnen, dass Menschen im Alter nicht zum Sozialamt müssen, wenn die Rente trotz jahrelanger Beiträge nicht reicht“, sagt er.

Wie viele Rheinland-Pfälzer von der Grundrente ab 2021 profitieren können, darüber liegen dem Land bislang keine Zahlen vor. Der jüngste DGB-Rentenreport, der auch die niederschmetternden Zahlen für den Eifelkreis Bitburg-Prüm beinhaltete, berechnete in Rheinland-Pfalz eine durchschnittliche Altersrente für Männer von 1148 Euro, für Frauen von 575 Euro. 76,4 Prozent der Frauen und 36,3 Prozent der Männer verdienten danach weniger als 900 Euro und lagen unter der Gefährdungsschwelle zur Armut von 996 Euro. In diesem Frühjahr will die Gewerkschaft neue Zahlen zum Rentenreport vorlegen. Geht es nach Muscheid, warten düstere Aussichten. „Es deutet sich leider an, dass die Werte bei den Bezügen eher schlechter als beim letzten Mal sind“, sagt der DGB-Landeschef. Die Gewerkschaft spricht auch von 160 000 Menschen im Land, die derzeit in Vollzeit arbeiten und von ihrem Lohn nicht auskömmlich leben können.

An der Grundrente äußert Muscheid zugleich Kritik. Es sei bedauerlich, dass CDU und CSU weitere Abschläge und die Forderung nach einer Einkommensprüfung durchsetzen konnten, tadelt der Gewerkschafter. Die Grundrente sei auch „Behandlung des Symptoms, nicht der Ursache“. Altersarmut werde durch Erwerbsarmut provoziert, sagt der Gewerkschafter, der auf einen einen Mindestlohn von zwölf Euro plus X pro Stunde pocht. Die nachlassende Tarifbindung müsse gestoppt werden, wobei Muscheid auch die Politik in die Verantwortung nimmt. „Es ist Versagen der Politik und ein Anachronismus, öffentliche Aufträge an die Firmen zu vergeben, die das niedrigste Angebot machen. Das ist aberwitzig, denn so werden schlechte Arbeitsbedingungen mit Steuergeld ermöglicht und wer dadurch wenig verdient, den muss der Staat dann wieder an anderer Stelle unterstützen“, schimpft Muscheid. Aufträge müssten alleine an solche Unternehmen gehen, die nach tariflichen Regeln zahlen.

Angesichts steigender Mieten erwartet Muscheid auch von Kommunen, mehr bezahlbare Wohnungen zu bauen. Aufgeben solle die Politik „den Riester-Käse, an dem nur Banken und Versicherungen verdienen“ und dafür mehr staatliches Geld in die Unterstützung von Betriebsrenten stecken. Die rheinland-pfälzische Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler lobt die neue Grundrente. „Ich freue mich, dass die Lebensleistung der Menschen angemessen honoriert wird. Damit zeigen wir Respekt für alle, die ein Leben lang gearbeitet, Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt haben und gehen einen wichtigen Schritt zur Überwindung von Altersarmut“, sagte die SPD-Politikerin unserer Zeitung. Gereon Haumann, Chef der Mittelstands- und Wirtschaftsunion der rheinland-pfälzischen CDU, kritisiert die Grundrente. „Wir müssen darauf achten, dass die Rente auch für unsere Kinder und Enkel sicher bleibt und dürfen angesichts demografischer Probleme jetzige Beitragszahler und künftige Generationen nicht mit unnötigen Aufgaben zusätzlich belasten“, so Haumann.