Dokumentarfilm auf ZDF Info klärt über Zusammenhänge zwischen Rechtsterrorismus und rechtsextremer Musikszene auf

Kostenpflichtiger Inhalt: Wie Neonazis Geld verdienen : Rechtsextreme Musikszene auch in Luxemburg aktiv

Ein Dokumentarfilm zeigt das Zusammenwirken der rechtsextremen Musikszene mit gewaltbereiten Neonazi-Netzwerken. Die Einnahmen von Konzerten werden laut Verfassungsschützern unter anderem in Waffen investiert. Es werden auch vermehrt konspirative Konzerte in Rheinland-Pfalz registriert.

Der Mainzer Musikwissenschaftler Thorsten Hindrichs, Experte für rechtsextreme Rockmusik, erklärte am Rand der Premiere des Dokumentarfilms „Rechtsrock in Deutschland – Das Netzwerk der Neonazis“, dass die Rechtsrockszene in Rheinland-Pfalz seit 2017 wiedererstarkt ist. Hindrichs hat an dem Film als wissenschaftlicher Berater mitgewirkt.

Der Film wirft einen Blick auf eine europaweit vernetzte Szene, die aus rechtsextremen und teils gewaltbereiten Gruppierungen wie Blood and Hounour oder Combat 18 sowie Organisatoren von Musikfestivals und deren Sicherheitsdiensten besteht.

Während im Osten von Deutschland – zum Beispiel im süd-thüringischen Themar, das auch im Dokumentarfilm eine wichtige Rolle spielt – eher große Festivals der Szene organisiert würden, seien es anderswo, zum Beispiel in Rheinland-Pfalz, eher konspirative Konzerte, sagt Hindrichs. Diese werden laut dem Rechtsrock-Experten nicht nur in Deutschland, sondern auch in Luxemburg und Frankreich veranstaltet – möglichst weitab von interessierten Blicken der Öffentlichkeit.

Ein Blick hinter die Kulissen solcher kleinen Konzerte gewähren heimlich gefilmte Sequenzen des Investigativjournalisten Thomas Kuban. Sie sind erschreckend und zeigen hunderte Neonazis, die „Sieg Heil“ schreien und unverhohlen den Hitlergruß zeigen. Kubon sagt: „Die Neonazis nehmen die Staatsmacht nicht als Macht wahr, sondern als machtlos.“

Und die rechten Konzertveranstalter sind laut der ZDF-Doku knallharte Geschäftsleute. Der Mainzer Musikwissenschaftler Hindrichs rechnet vor, dass im Jahr 2018 deutschlandweit etwa 35 000 Menschen rechtsextreme Konzerte besucht und dort etwa 50 Euro pro Kopf für Tonträger, T-Shirts oder andere Merchandise-Artikel ausgegeben haben. Insgesamt nehme die extreme Rechte auf diese Weise rund 1,5 bis zwei Millionen Euro pro Jahr ein.

Der thüringische Verfassungsschutzchef Stephan Kramer rechnet mit rund einer Million Euro Einnahmen allein in seinem Bundesland. Er sagt: „Wir gehen in der Zwischenzeit davon aus, dass Waffen gekauft werden.“ Noch auf kleinem Niveau, sagt er im Film. Trotzdem sei das ein Anzeichen dafür, „dass wir es auch mit terroristischen Strukturen in der rechtsextremen Szene zu tun haben“.

Man müsse anerkennen und nicht herunterspielen, mit welcher Gefahr man es zu tun habe, sagt Kramer. Auch ein T-Shirt, das am Ende des Films zu sehen ist, deutet darauf hin, dass die Szene mehr will, als Festivals zu veranstalten: „Eines Tages werden sie sich wünschen, wir würden nur Musik machen ...“, ist darauf zu lesen.

Der 44-minütige Dokumentarfilm „Rechtsrock in Deutschland – Das Netzwerk der Neonazis“ ist in der ZDF-Mediathek online jederzeit abrufbar und läuft am Samstag, 2. November, um 20.15 auf ZDFInfo.

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