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Dreyer lehnt Corona-Impfpflicht ab

Coronavirus : Vertrauen statt Zwang: Dreyer lehnt Corona-Impfpflicht ab

Gesundheitsexperten im Land rechnen bis Mitte 2021 mit einem wirksamen Stoff. Sie fordern, zuerst Senioren, Ärzte, Pfleger und Lehrer zu schützen.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und Gesundheitsexperten im Land sprechen sich gegen eine Corona-Impfpflicht aus, wenn Forscher ein Mittel gegen das Virus gefunden haben „Es ist besser, man überzeugt die Menschen, als dass man eine Impfpflicht einführt“, sagte Dreyer auf einer Pressereise in Bingen. Impfen sei immer ein sensibles Thema. „Es ist unsere Aufgabe, um Vertrauen zu werben, dass sich die Menschen freiwillig impfen lassen“, betonte die Regierungschefin von Rheinland-Pfalz.

Auch Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, lehnt eine Corona-Impfpflicht ab. „Wir müssen Sorgen ernst nehmen und Vertrauen schaffen“, sagt der Wittlicher. Landesärztekammerchef Günther Matheis betont ebenfalls: „Wir müssen auf die Vernunft der Leute setzen.“

Wann es einen tauglichen Impfstoff gegen Corona gibt, steht bislang in den Sternen. Wo Matheis schon zum Frühjahr auf ein Mittel am Markt hofft, rechnet Gaß innerhalb des ersten Halbjahres 2021 damit. „Die Produktion muss mehrere Stufen durchlaufen, in der die Sicherheit und unerwünschte Nebenwirkungen geprüft werden. Die Entwicklung braucht Zeit, die wir uns nehmen müssen. Sicherheit geht vor absoluter Geschwindigkeit“, sagt Gaß, der erste Impfungen in Russland als „voreilig“ kritisiert.

Laut Weltgesundheitsorganisation wird weltweit derzeit in rund 170 Projekten nach einer wirksamen Substanz gesucht. Bei 26 Projekten laufen demnach bereits Testimpfungen, um die gesundheitliche Verträglichkeit und Wirksamkeit zu untersuchen. Dazu gehört auch das rheinland-pfälzische Unternehmen Biontech in Mainz, das mit US-Partner Pfizer ein Mittel an 44 000 Menschen testet. Ziel sei es, Ende Oktober oder Anfang November Daten für einen Zulassungsantrag einzureichen, sagt eine Sprecherin auf Anfrage unserer Zeitung. Abhängig sei dies von den Ergebnissen der Studie, die global laufe.

Gerald Gaß lobt, dass deutsche Unternehmen zu Vorreitern in der Corona-Bekämpfung gehörten. „Deutschland war mal die Apotheke der Welt. Wenn wir es schaffen, wieder Produktion und Entwicklung ins Land zurückzuholen, ist das auch ein positiver Effekt der Corona-Pandemie“, sagt Gaß, der aber nicht in Euphorie verfällt. Sei 2021 ein wirksamer Impfstoff auf dem Markt, rechne er nicht damit, dass sich sofort 90 Prozent der Menschen impfen lassen wollten, räumt der Wittlicher ein. Eine Umfrage der ARD hatte im August ergeben, dasss sich in Deutschland rund 44 Prozent der Bevölkerung auf jeden Fall impfen lassen würden. Insgesamt 24 Prozent äußerten, es wahrscheinlich nicht oder auf gar keinen Fall zu tun.

Nötig sei es ohnehin, anfangs Risikogruppen wie Senioren zu impfen und solche, die das öffentliche Leben in der Corona-Krise am Laufen hielten, betont der Wittlicher. „Damit meine ich vor allem medizinisches Personal, Polizei und Menschen in Bildungseinrichtungen.“ Er vertraue auf Bund und Länder, die an einer nationalen Impfstrategie arbeiteten.

Ministerpräsidentin Dreyer stimmt dem Präsidenten der Krankenhausgesellschaft zu. Bei der Entwicklung einer Impfstrategie gehe es auch darum, Prioritäten zu bestimmen, sagt die Triererin. „Ich könnte mir vorstellen, dass vulnerable Gruppen und medizinisches Personal zuerst geimpft werden sollten, also alle, die besonders anfällig sind.“