„Eine gute Phase für unsere Partei“ - Volksfreund-Interview mit SPD-Vize Malu Dreyer

SPD : „Eine gute Phase für unsere Partei“ - Volksfreund-Interview mit SPD-Vize Malu Dreyer

Die stellvertretende Bundesvorsitzende Malu Dreyer glaubt nicht, dass die Groko-Diskussion der SPD schaden wird. Das sagte sie in einem Interview mit dem Trierischen Volksfreund.

Der Ausgang des SPD-Mitgliedervotums war mit Spannung erwartet worden. Am Sonntagmorgen um kurz nach halb zehn Uhr wurde das Ergebnis in der Berliner SPD-Parteizentrale verkündet. Kurz danach sprach TV-Redakteur Rolf Seydewitz mit der stellvertretenden Parteivorsitzenden und Mainzer Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Erleichtert?

DREYER Ich bin froh, dass es so ein klares Ergebnis gab. Und es ist gut für unsere Partei. Wir haben viel und ausreichend diskutiert, es war eine gute Phase für unsere Partei. Ich bin auch froh, dass Juso-Chef Kevin Kühnert und die Groko-Gegner immer gesagt haben: Egal, wie das Ergebnis ausfällt, wir entwickeln unsere Partei gemeinsam weiter. Der Prozess hat uns zusammengeführt.

Wann und wie haben Sie von dem Ergebnis erfahren?

DREYER Der SPD-Parteivorstand hat gerade in Berlin Klausur, aber nicht im Willy-Brandt-Haus. Wir haben zwischendurch Signale bekommen, dass es gut läuft. Aber das Ergebnis haben wir dann auch erst über den Liveticker im Fernsehen erfahren.

Worauf führen Sie das am Ende doch ziemlich klare Ergebnis zurück?

DREYER Ich hatte bei den Diskussionen schon immer den Eindruck, dass es bei vielen Sozialdemokraten eine sachliche Entscheidung sein würde. Es gibt viele, die eigentlich nicht in eine Groko wollten, dann aber gesagt haben: Der Koalitionsvertrag ist gut, und Deutschland braucht eine stabile Regierung. Zudem: Wer in der Debatte ist, hat die lautere Stimme. Wie man an der tollen Wahlbeteiligung von über 78 Prozent sieht, haben viele gesagt, ich mache mir mein eigenes Bild und entscheide dann.

Wie wollen Sie verhindern, dass die Differenzen in der Partei nicht weiter bestehen?

DREYER Ich glaube nicht, dass wir Gräben überwinden müssen. Wir hatten unterschiedliche Haltungen in einer Sachfrage. Jeder hat auf Augenhöhe für seine Sicht der Dinge gekämpft. Jetzt gibt es ein klares Ergebnis. In der Partei ist ja etwas passiert: Es sind viele Leute eingetreten, und es hat viele konstruktive Debatten gegeben. Ich bin zuversichtlich und freue mich drauf, dass diese Kraft in der Partei jetzt auch genutzt werden kann, um in den Erneuerungsprozess zu gehen.

Was sind Ihre Erwartungen an die SPD-Ministerriege?

DREYER Meine Erwartung ist, dass unsere Minister gut regieren. Wir haben uns vorgenommen, erkennbar als SPD zu regieren und in den Erneuerungsprozess der Partei zu gehen.

Katarina Barley hat sich selbst als Universalwaffe der SPD bezeichnet. Trauen Sie Ihr auch das Außenministerium zu?

DREYER Es bleibt dabei: Wir entscheiden demnächst, und danach wird auch erst verkündet.

Bleibt es beim angeblichen Bekanntgabe-Termin Montag in einer Woche?

DREYER Die Entscheidung fällt in den nächsten Tagen. Und danach wird das Personaltableau verkündet.

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