Entsetzen nach Selbsttötungsversuch eines jungen Mannes in Hermeskeil

Zustand kritisch : Nach Drama in Hermeskeiler Asyleinrichtung - Hat sich Flüchtling aus Verzweiflung angezündet?

Entsetzen nach Selbsttötungsversuch eines jungen Aserbaidschaners in der Hermeskeiler Aufnahmeeinrichtung - Sein Zustand ist kritisch, der 34-Jährige schwebt in Lebensgefahr.

Der Flüchtling, der sich am Mittwoch in der  Hermeskeiler Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (Afa) mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und angezündet hat, schwebt in Lebensgefahr. Der Gesundheitszustand des 34-jährigen Aserbaidschaners sei kritisch, sagte ein Sprecher der Trierer Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) unserer Zeitung. Der Mann habe schwere Verbrennungen davongetragen und werde in einer Spezialklinik behandelt.

Der Flüchtling hatte sich am Mittwochnachmittag in einem Verwaltungsgebäude der ehemaligen Hochwaldkaserne mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und anschließend angezündet – laut ADD-Sprecher Nikolai Zaplatynski vor den Augen mehrerer Menschen. Einem beherzten Zeugen sei es dann gelungen, das Feuer zu löschen.

Über die Hintergründe der Tat ist der ADD nach Angaben des Sprechers nichts bekannt. Nach Informationen des Südwestrundfunks ist der Mann verheiratet; Frau und zwei Kinder lebten aber in Aserbaidschan. Der Mann selbst  sei vor drei Jahren nach Europa gekommen. Bevor er vor einigen Wochen in die Hermeskeiler Afa wechselte, sei er in Frankreich untergebracht gewesen. Er sei verzweifelt gewesen, weil er wieder nach Frankreich zurück sollte, heißt es unter Berufung auf Bewohner der Aufnahmeeinrichtung.

ADD-Sprecher Nikolai Zaplatynski sagte am Donnerstag unserer Zeitung, die Behörde habe darüber keine Erkenntnisse. Die Mitarbeiter und Bewohner der Hermeskeiler Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende seien von dem Vorfall am Mittwoch sehr betroffen und würden betreut. Einen vergleichbaren Vorfall habe es in Rheinland-Pfalz noch nicht gegeben. In Hermeskeil sind aktuell 653 Asylbegehrende untergebracht (siehe Extra), damit ist die Einrichtung zu 65 Prozent ausgelastet.

Nach Angaben der Aufsichtsdirektion ist das an der Grenze zum Iran und zu Georgien am Kaspischen Meer liegende Aserbaidschan nicht klassifiziert. Damit müsse die Situation von Flüchtlingen, die von dort kämen, individuell geprüft werden. Sollte der 34-Jährige vor seinem Wechsel nach Hermeskeil in Frankreich gewesen sein, könnte es sich um einen sogenannten Dublin-Fall handeln. Nach den Dublin-Regeln ist normalerweise jener EU-Staat für Asylanträge zuständig, auf dessen Boden Schutzsuchende zuerst die Europäische Union betreten haben.

Vorfälle wie der in der Hermeskeil kommen äußerst selten vor. Im Mai vergangenen Jahres übergoss sich im Landratsamt von Göppingen ein abgelehnter iranischer Asylbewerber mit einer brennbaren Flüssigkeit und zündete sich anschließend an. Der 35-Jährige erlitt schwere Brandverletzungen. Im September 2014 zündete sich ein 26-jähriger Asylbewerber im nordrhein-westfälischen Sonsbeck an, nachdem er das Rathaus verlassen hatte. Zwei Wochen zuvor hatte der Mann  eine Ausreise-Aufforderung erhalten.

Hinweis: In der Regel berichten wir nicht über Suizidversuche oder Selbsttötungen. Der Hermeskeiler Fall hat jedoch einen größeren Polizeieinsatz ausgelöst, den viele Menschen mitbekommen haben.

Für Menschen, die sich in einer ausweglosen Lage wähnen oder sogar erwägen, sich das Leben zu nehmen, gibt es spezielle Hilfsangebote, etwa bei der Telefonseelsorge. Die Telefonnummern lauten: 0800/1110111 oder 0800/1110222. Auch Gespräche im eigenen Umfeld können helfen.

Mehr von Volksfreund