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Expertenrat: Wie sie mit eine neuen Heizung Geld sparen können

Heizkosten : Tipps für die neue Heizungsanlage

Die steigenden Energiekosten und die Diskussion um den Energiemix der Zukunft lassen viele Verbraucher über eine neue Heizungsanlage nachdenken. Hilfe und Anregungen konnten sie sich dabei bei der TV-Telefonaktion holen.

Der Ansturm bei der jüngsten Telefonaktion des Volksfreunds war riesig. So groß, dass viele Anrufer nicht direkt ihr Anliegen mit einem der drei Experten besprechen konnten. Doch die wichtigsten Fragen und Antworten finden die TV-Leser hier.

Meine 30 Jahre alte Ölheizung muss ausgetauscht werden. Welche Zuschüsse kann ich für die Installation einer Wärmepumpe oder einer Pelletheizung erhalten?

Energieberaterin Dipl. Ing. Teresa Niewiadomski: Über die Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen (BEG-EM) werden neben Maßnahmen zum Wärmeschutz besonders auch die Heizungserneuerung gefördert. Voraussetzung ist, die neue Heizung nutzt erneuerbare Energien. Hierzu gehören Biomasseheizungen wie Pelletkessel und Wärmepumpen. Der Zuschuss beträgt 35 Prozent der förderfähigen Kosten. Für den Austausch einer Ölheizung gibt es zusätzlich eine Austauschprämie in Höhe von 10 Prozent, so dass die Förderung in diesem Fall insgesamt 45 Prozent der Investitionskosten beträgt. Wichtig: Der Antrag muss vor Beginn der Maßnahme beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gestellt werden. Über die technischen Anforderungen, deren Einhaltung später auch nachzuweisen ist, sollte sich im Vorfeld gut informiert werden.

 

Angesichts der teils langen Wartezeiten bei den Installateuren: Wie viel Zeit habe ich für die Umsetzung der Maßnahme, um einen Zuschuss zu erhalten?

Niewiadomski: In der BEG-EM, die durch das BAFA abgewickelt wird, beträgt der Zeitrahmen für die Umsetzung einer geförderten Maßnahme 24 Monate.

 

Gibt es für die Heizungserneuerung auf Basis erneuerbarer Energien auch die Möglichkeit einer zinsgünstigen Finanzierung?

Niewiadomski: Über die Kreditvariante der BEG-EM kann alternativ zu dem reinen Zuschuss ein zinsvergünstigter Kredit mit einem Tilgungszuschuss beantragt werden. Der Tilgungszuschuss wird in gleicher Höhe wie bei der Förderung über einen alleinigen Zuschuss gewährt und vom Kreditbetrag abgezogen. Beträgt der Tilgungszuschuss bei dem Austausch einer Ölheizung, zum Beispiel gegen eine Wärmepumpe, also 45 Prozent der förderfähigen Investition, so muss nach Abzug des Tilgungszuschusses nur noch 55 Prozent des Kreditbetrags getilgt werden.

Für die Kreditvariante der BEG-EM ist die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zuständig. Die Antragstellung erfolgt über Banken und Sparkassen.

 

Mein Haus befindet sich im Flutgebiet und die Ölheizung ist dringend auszutauschen. Kann ich für die Installation einer Wärmepumpe die Wiederaufbauhilfe des Landes und die BEG-Förderung kombinieren?

Niewiadomski: Ja, das ist möglich. Eine Kumulierung mit anderen öffentlichen Mitteln ist bis zur Einhaltung einer Förderquote von insgesamt 80 Prozent der im Rahmen der BEG förderfähigen Kosten möglich. Bei Überschreitung des Grenzwertes wird die BEG-Förderung entsprechend gekürzt.


Wie lange darf ich eine Ölkesselheizung noch betreiben?

Energieberater Dipl. Ing. Manfred Hamm: Grundsätzlich besteht für alle bereits installierten Anlagen Bestandsschutz, das heißt, sie dürfen weiterlaufen und müssen nicht ausgebaut werden. (Es gibt aber Ausnahmen, siehe unten). Man sollte dennoch prüfen, ob die eigene Ölheizung mit vertretbarem Aufwand ausgetauscht werden kann. Der Umstieg auf eine Wärmeversorgung durch erneuerbare Energien (zum Beispiel Pelletkessel-Anlagen oder Wärmepumpen) ist bis zu 50 Prozent förderfähig. Zudem liegen die Kosten für die erzeugte Wärme deutlich unter den Wärmekosten fossiler Energieträger, was durch den seit 2021 für Öl oder Gas hinzukommenden Treibhausgasaufschlag von 25 Euro pro Tonne noch spürbar verstärkt wird.

Dieser CO2-Preis steigt von Jahr zu Jahr auf 55 Euro pro Tonne CO2 im Jahr 2025. Da auch nach 2025 weitere Preiserhöhungen geplant sind, lohnt sich ein frühzeitiger Umstieg auf erneuerbare Energien und spart nach einem Umstieg hohe Geldbeträge für Wärmekosten ein, die zudem jährlich ansteigen dürften.

Ab 2026 ist der Einbau einer neuen Ölzentralheizung grundsätzlich verboten. CO2-Preis und Ölheizungsverbot für Neuanlagen sollen mittelfristig dafür sorgen, dass Öl- und Erdgasheizungen durch Anlagen mit erneuerbaren Energien ersetzt werden.

 

Stimmt es, dass ich meine Ölzentralheizung aus dem Jahre 1989 austauschen muss?

Hamm: Bei Öl- und Gasheizungen, die älter als 30 Jahre sind und mit einem Konstant-Temperaturkessel heizen, greift die Austauschpflicht nach dem Gebäudeenergiegesetz 2020 (GEG).

Stand 2022 betrifft das Heizungsanlagen, die vor dem Jahr 1992 in Betrieb genommen wurden. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass diese gegen eine effizientere Heizungsanlage ausgetauscht werden müssen.

Die Austauschpflicht gilt unabhängig vom Bestandsschutz.

Allerdings sind Niedertemperatur- und Brennwertkessel, welche die weitaus größte Anzahl der Anlagen ausmachen, nicht von dieser Austauschpflicht betroffen.

Aber für Betreiber von „Alttechnik-Anlagen“ gilt umso mehr, als für Betreiber von Öl- und Gaskesselanlagen allgemein, dass man aus wirtschaftlichen Gründen möglichst schnell auf ein effizientes, förderfähiges Heizverfahren umstellen sollte. Eine Altanlage sollte tunlichst ersetzt werden, bevor sie vor- oder während einer Heizperiode den Dienst quittiert.

 

Mein Wohnhaus ist nach Aussagen des Installateurs nicht für den Betrieb einer Wärmepumpe geeignet. Welche Alternativen habe ich zu meinem Ölkessel, wenn auch Holzpellets wegen deren Feinstaubausstoß immer mehr ins Gerede kommen?

Energieberater Bernhard André: Der Ausstoß von Feinstaub ist bei gut eingestellten Pelletheizungen sehr gering und kann durch integrierte oder nachgeschaltete Partikelfilter weiter reduziert werden. Bei diesen besonders emissionsarmen Modellen erhöht sich die Förderung sogar um 5 Prozent.

Holzpelletheizungen können alle Anwendungsfälle einer vorherigen älteren Ölheizung abdecken. Es sollte aber bedacht werden, dass sie in der Regel deutlich wartungsintensiver sind (Ascheaustrag, Reinigung etc.).

 

Eine Wärmepumpe macht doch nur Sinn mit einer PV-Anlage auf dem Dach.

André: Wenn für jede der Anlagenkomponenten (Photovoltaikanlage und Wärmepumpe) für sich genommen die Randbedingungen stimmen, kann es tatsächlich eine erfolgreiche Kombination werden. Aber der Ertragsschwerpunkt der Photovoltaikanlage liegt im Sommer und geht im Winter sehr stark zurück. Der Strombedarf einer Wärmepumpe ist eher gegenläufig. Die zeitliche Überschneidung ist also eher gering und kann auch durch Batteriespeicher über das Jahr nicht wesentlich erhöht werden.

 

Welche Möglichkeiten bestehen bei der Umstellung eines Dreifamilienwohnhaus mit Gas-Etagenheizungen auf eine zukunftsfähige Wärmepumpenheizung?

André: Häufig können Mehrfamilienhäuser mit ähnlichen Wohnungsgrundrissen mit vertretbarem Aufwand in eine gemeinsame Zentralheizung umgewandelt werden. Die vorhandenen Etagen-Heizkreise bieten gute Voraussetzungen, die in den Wohnungen benötigten Wärmemengen über Wärmemengenzähler genau zu erfassen und abzurechnen. Die zentrale Wärmepumpe kann als Monoblock im oder außerhalb des Hauses aufgestellt werden. Die oberste und nachfolgend die unterste Wohnung haben häufig den höchsten Heizwärmebedarf. Insbesondere dort entscheidet sich, ob die Randbedingungen für einen effizienten Betrieb einer Wärmepumpe gegeben sind.

 

Ist mein Wohnhaus aus dem Baujahr 1984 mit Heizkörpern für eine Wärmepumpe geeignet?

Ohne bereits stattgefundene oder noch anstehende Maßnahmen an der Gebäudehülle ist meist die Verlustleistung der wärmeübertragenden Hüllflächen zu groß, um den effizienten Betrieb einer Wärmepumpe über niedrige Heizkreistemperaturen zu gewährleisten. Die Verlustleistungen der einzelnen Bauteile sind im Wärmeschutznachweis dargestellt.

Die Ausstellung dieses Dokumentes ist seit November 1977 bei jeder Baugenehmigung verpflichtend. Häufig sind dort die Fenster und der obere Gebäudeabschluss als große Schwachstellen zu identifizieren. Neue Fenster verringern beispielsweise die Verlustleistung durch dieses Bauteil um zwei Drittel, ein Glastausch bei erhaltenswerten Fensterrahmen immerhin um die Hälfte.

Idealerweise sollten diese Bauteile im Vorfeld oder mit dem Einbau der Wärmepumpe ertüchtigt werden. Wenn vorübergehend ein höherer Stromverbrauch für den Betrieb der Wärmepumpe in Kauf genommen wird, können die baulichen Maßnahmen auch zeitnah nach der Umstellung erfolgen.

 

Was soll ich mit meiner 12 Jahre alten Ölheizung machen?

André: Wenn sie einen zuverlässig funktionierenden Ölkessel betreiben, können sie den Umstieg auf ein anderes System ruhig vorbereiten, wahrscheinlich müssen sie sich in die Schar der Umstiegswilligen einreihen, da Fachhandwerk, gegebenenfalls Energieberater und die Verfügbarkeit der Anlagenkomponenten begrenzt sind.

Die Zeit sollten sie nutzen, ihr jetziges System zu optimieren.

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Logo Grünes Bauen Foto: TV/Jakobs, Ralf

Neben dem vollständigen Ersatz wäre mit Einschränkungen auch denkbar den vorhandenen Heizkessel um ein zweites Heizsystem zu ergänzen und erst in einem späteren Schritt den Ölkessel zu entfernen. Dies könnte eine Lösung sein, wenn sie mit einer Wärmepumpe liebäugeln, die ihr derzeitiges Gebäude allein nicht effizient beheizen könnte. Aber dann sollte es ihr Ziel sein, zeitnah ihr Gebäude so zu ertüchtigen, dass später die Wärmepumpe alleine und effizient die Heizarbeit übernehmen kann.