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Im Notfall gut reagieren und die richtige Rufnummer wählen

Richtiges Verhalten im Notfall : Wie die Notrufnummer 112 in ganz Europa täglich Leben rettet

Die richtige Rufnummer zu wählen, ist im Notfall absolut wichtig. Statt die korrekte Nummer googeln zu müssen, sollten die Notrufnummern für Polizei, Feuerwehr, Krankenwagen und Co. direkt parat sein. Doch in welchen Fällen wähle ich welche Nummer? Volksfreund.de erklärt.

Warum ist es so wichtig, die richtige Notrufnummer zu kennen?

Notfälle jeglicher Art sind eine absolute Ausnahmesituation für die Beteiligten. Es geht um Sekunden, die im Zweifel über Leben und Tod entscheiden. In solchen Situationen haben Sie weder Zeit zum Überlegen oder Googeln noch die Nerven, um einen kühlen Kopf zu bewahren. Wer die Nummer im Kopf hat, kann gleich den Notruf wählen und verliert keine Zeit. In absoluten Notfällen, also bei Bränden, Unfällen und allen Situationen, in denen sich die betroffenen Personen in potenzieller Lebensgefahr befinden, ist die Notrufnummer 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst die richtige Wahl. In polizeilichen Notfällen gilt die Rufnummer 110.

Wie steht es denn um das Wissen über die Notrufnummer 112?

Doch wen man via 110 und 112 wirklich erreicht, weiß noch immer nicht jeder. Davon berichtet auch Lukas Hoor, Sprecher des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Saar. „Noch immer besteht Aufklärungsbedarf, um der Bevölkerung – gerade in einer emotional angespannten Situation eines Notfalles – die richtige Nutzung der Notrufnummer nahezubringen. Auch in Abgrenzung zum Notruf der Polizei, der 110.“ Außerdem ist oft unklar, dass die Notrufnummer in ganz Europa einheitlich ist. Tatsächlich wissen laut Reporting der Europäischen Kommission aus 2020 lediglich 49 Prozent, dass in der gesamten Europäischen Union sowie in weiteren Ländern die 112 als Notrufnummer gilt. Um den Euronotruf 112 bekannter zu machen, hat das Europäische Parlament, die Europäische Kommission und der Rat der EU 2009 den „Europäischen Tag des Notrufs 112“ ins Leben gerufen, um diesen bekannter zu machen.

Die Polizei erklärt, wie sie mit Feuerwehr und Rettungsdiensten vernetzt sind:

Welche Rufnummer gilt nun für was?

  • 112: Euronotruf (Feuerwehr und Rettungsdienste)
  • 110: Polizei-Notruf

Weitere hilfreiche Nummern

  • Kassenärztlicher Bereitschaftsdienst: 116117
  • Service-Rufnummer für Krankentransporte: 19222
  • DRK Flugdienst: +49 221 – 91749939
  • Bundespolizei: +49 800 – 6 888 000
  • Seenotrettung (Festnetz): +49 421 – 536 870
  • Seenotrettung (Mobiltelefon): 124124
  • Telefonseelsorge: 0800 1110111 und 0800 1110222
  • Kinder- und Jugendtelefon: 116 111
  • Elterntelefon: 0800 111 0 550
  • Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 08000 116 016
  • Frauennotruf Trier: 0651 2006588
  • Frauenhaus Trier: 0651 74444

Wie verhalte ich mich während eines Notrufs richtig?

In erster Linie muss man Ruhe bewahren und die Situation am Telefon genauestens und möglichst ausführlich schildern. Als erstes sollten Sie alle wichtigen W-Fragen beantworten: Wo wird Hilfe benötigt? Wer sind Sie? Was ist passiert? Wie viele Personen sind betroffen? Anschließend müssen meist noch Rückfragen beantwortet werden. Versuchen Sie, laut und deutlich zu sprechen. Wer ruhig bleibt und der Dienststelle den Vorfall schnell darlegen kann, spart wertvolle Zeit.

Zahlen und Fakten: Warum ist die 112 so effektiv?

77% aller 112-Anrufe werden unter 10 Sekunden angenommen, Deutschland liegt damit im Vergleich zu anderen EU-Ländern im hinteren Mittelfeld. Insgesamt wurde der Euronotruf in der gesamten Europäischen Union 2019 rund 150 Millionen Mal angerufen, allein in Deutschland waren es 16 Millionen Notrufe. 73% der Anrufe werden mittlerweile von Mobilfunktelefonen getätigt, Tendenz steigend.

Wie und wo werden die vielen Notrufe koordiniert?

110 und 112 können ganz einfach ohne Vorwahl gewählt werden, ihr Anruf wird je nach Landkreis an die verantwortliche Leitstelle weitergeleitet. Alle Anrufe über den Notruf 112 sowie der Rufnummer für Krankentransporte 19222, die aus der Stadt Trier und den angrenzenden Landkreisen Trier-Saarburg, Eifelkreis Bitburg-Prüm, Bernkastel-Wittlich und Vulkaneifelkreis eingehen, werden in der Integrierten Leitstelle (ILS) Trier bearbeitet. Die Leitstelle in Trier ist dabei eine von insgesamt sieben in Rheinland-Pfalz und befindet sich auf dem Gelände der Trierer Berufsfeuerwehr (Wache 1). Das Gebiet umfasst rund 5000 Quadratkilometer und über 500.000 Menschen, um die sich im Fall der Fälle gekümmert wird. Natürlich rückt nicht ausschließlich die Berufsfeuerwehr Trier zu jedem Einsatz aus. Dafür stehen weitere Berufsfeuerwehren, viele ehrenamtliche Freiwillige Feuerwehren (FFW) sowie Rettungswachen an diversen Standorten und von verschiedenen Institutionen parat.

Was passiert bei Missbrauch von Notrufnummern?

Wer versehentlich die falsche Nummer – also zum Beispiel 110 statt 112 – wählt, muss natürlich keine Konsequenzen befürchten und wird einfach weitergeleitet. Anders sieht es aus, wenn Notrufnummern nicht versehentlich, sondern aus Spaß angerufen werden. Ein Missbrauch von Notrufnummern sowie die Beschädigung von Notrufeinrichtungen sind strafbar und werden mit einer Geldstrafe oder gar Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr geahndet. Wer sich daraus einen Spaß macht, blockiert nicht nur die wichtigen Notrufleitungen, sondern gefährdet damit möglicherweise auch Leben.

Polizei: In vielen Fällen muss nicht die Notrufnummer gewählt werden

Die 110 ist die richtige Rufnummer, wenn für Sie oder für ihre Mitmenschen akute Gefahr besteht. Wenn sie selber bedroht werden oder beobachten, dass jemand anderes in Gefahr ist, rufen Sie die 110. Bei allgemeinen Anliegen und in weniger dringlichen Fällen, in denen kein sofortiger Einsatz der Polizei erforderlich ist (zum Beispiel bei Diebstahl, Sachbeschädigung, Fragen zu laufenden Ermittlungen oder wenn Sie Anzeige erstatten möchten), melden Sie sich bei der Polizei direkt.

  • Polizeiinspektion Trier: 0651 97795210

Die Nummern der Polizeiinspektionen im Umland, aus Saarburg, Hermeskeil, Schweich, Daun und Co. finden Sie natürlich im Telefonbuch oder online. Abseits von Notlagen sollte direkt dort angerufen werden, um die 110 zu entlasten und ausschließlich für Notfälle vorzubehalten.

Wie sieht es in unseren Nachbarländern aus?

Wer viel unterwegs ist, sollte natürlich auch wissen, über welche Notrufnummer man dort jeweils Hilfe bekommt. Doch das Gute ist, dass der Euronotruf in allen Ländern der Europäischen Union und in vielen weiteren Ländern gilt. Die 112 gilt nämlich auch in der Schweiz, in Liechtenstein, Großbritannien, Island, Andorra, Norwegen, Färöer-Inseln, San Marino, Vatikanstadt, Bosnien und Herzegowina sowie in Russland und der Türkei.

Auch im asiatischen Raum (Kasachstan und Israel), in afrikanischen Ländern (unter anderem Simbabwe) und in Costa Rica im lateinamerikanischen Raum bekommen Sie über die 112 Hilfe. Außerdem wird die Nummer auch in Australien, Neuseeland, und Vanuatu genutzt. In Kanada und den USA wird bei Anrufen der 112 auf die dortige Notrufnummer 9-1-1 weitergeleitet. In den allermeisten Fällen ist die 112 also eine gute Wahl. Wer in exotischere Länder reist, sollte sich vorher informieren.

Notrufe Österreich

  • Feuerwehr: 122
  • Polizei: 112 oder 133
  • Rettungsdienst: 144

Notruf Schweiz

  • Feuerwehr: 112 oder 118
  • Polizei: 112 oder 117
  • Rettungsdienst: 112 oder 144

Die Telefonseelsorge erreichen Sie in Österreich (Rat auf Draht), Schweiz (Telefonhilfe) und Liechtenstein (Sorgentelefon) via 147.

Übrigens: Seit März 2018 müssen im Rahmen der „eSafety“-Initiative der Europäischen Union alle Neufahrzeuge ab Werk mit dem Notrufsystem „eCall“ ausgestattet werden, dass bei Erkennen eines verletzungsrelevanten Unfalls automatisch die Notrufnummer wählt, ebenfalls die 112.

Im Notfall richtig reagieren

Jetzt wissen Sie Bescheid und kennen alle wichtigen Notrufnummern. Im Notfall können Sie nun richtig reagieren und müssen sich nicht über die Frage „110, 112 oder doch `ne andere Nummer?“ den Kopf zerbrechen und. Stattdessen retten Sie möglicherweise ihr eigenes Leben oder das eines anderen.