FDP-Nachwuchs straft Pöbler in eigenen Reihen ab

Parteien : Rheinland-pfälzischer FDP-Jugendverband straft Pöbler in eigenen Reihen ab

Aus dem Jugendverband der FDP heraus wurden Frauen, Homosexuelle und Behinderte verbal attackiert. Der Landeschef spricht von einer „Splittergruppe“.

Wegen Beleidigungen gegen Homosexuelle, Behinderte und Frauen in internen WhatsApp-Gruppen hat der Jugendverband der rheinland-pfälzischen FDP die Übeltäter hart bestraft. Der Landesvorstand der Jungen Liberalen sperrt drei Mitglieder für die kommenden drei Jahre von allen Veranstaltungen aus, in denen sie kein Stimmrecht haben – wie Stammtische.

Attacken habe es gegen Mitglieder des Landesvorstands gegeben, bestätigt der Juli-Landesvorsitzende Luca Lichtenthäler auf Anfrage unserer Zeitung. Im Norden von Rheinland-Pfalz sei ein von den Beleidigungen zermürbter Kreisvorsitz zurückgetreten. In einem Fall wurde ein Junger Liberaler wegen seiner Homosexualität als „gestört“ bezeichnet. Einzelne Mitglieder hätten gegen die Urheber Strafanzeige wegen Beleidigung gestellt.

Lichtenthäler spricht von einer „kleinen Splittergruppe“ innerhalb des FDP-Jugendverbands. Beim Parteitag in Worms, bei dem der Landeschef symbolisch ein Shirt mit Regenbogenkragen trug, sagte er: „Wer homophobe Witze macht, Frauen zurechtweist und Menschen mit Handicap ausgrenzt, erfährt bei uns keinerlei Toleranz. Die innerverbandlichen Verfehlungen einer kleinen Minderheit sind mit unseren Grundsätzen nicht vereinbar.“ FDP-Landeschef Volker Wissing riet: „Die größte Aufgabe besteht in der Politik darin, Menschen zusammenzubringen und nicht auseinanderzutreiben.“

Die Vorfälle wühlten auch Mitglieder von Trier bis in die Pfalz auf, die sich gegen Beleidigungen zur Wehr setzten. Sie verabschiedeten einen Antrag, der gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ablehnt und respektvolles Miteinander predigt. „Für uns muss es normal sein, dass auch Papa und Papa ihr Kind von der Kita abholen und man trotz Handicap Ministerpräsident oder BASF-Chef werden kann“, sagte Landes-Vize Luca Kühn beim Parteitag. Dort wurde Luca Lichtenthäler mit 85,7 Prozent der abgegebenen Stimmen in seinem Amt bestätigt. Der Juli-Landeschef lästerte gegen Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner („Ministerin für Selbstinszenierung und Bäumekuscheln“), den designierten CDU-Spitzenkandidaten Christian Baldauf („Die CDU hat jemanden gefunden, der 2021 zum Wahlverlierer Nummer eins gewählt wird“), kritisierte aber auch Koalitionspartner der FDP in der Ampelregierung. Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD), „die beim Kita-Gesetz fast eine Bruchlandung erlitten hat“, wirft er eine fehlende Offensive in der Erzieher-Ausbildung vor. Um dem Lehrermangel vorzubeugen, fordert der FDP-Jugendverband, das Studium angehender Grundschullehrer aufzuwerten und ihnen dauerhaft so viel Geld zu bezahlen wie Lehrern an Gymnasien oder Realschulen.

Die Julis pochen auch „so schnell wie möglich“ auf eine klimaneutrale Wirtschaft. Dafür setzen sie auf ein europäisches „Treibhauslimit“, das den Ausstoß klimaschädlicher Gase begrenzt, und Zertifikatehandel.