Gastroverband droht IHK mit gerichtlichen Schritten

Verband setzt Entschuldigungsfrist : Gastroverband Dehoga droht IHK mit gerichtlichen Schritten

Gastroverband droht IHK mit gerichtlichen Schritten. Traben-Trarbacher Top-Hotelier Ganter geht gegen Rauswurf vor.

Der Zoff zwischen dem rheinland-pfälzischen Hotel- und Gaststättenverband Dehoga und der Trierer Industrie- und Handelskammer dauert an. Nach angeblichen Verstößen von IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Glockauer gegen die Neutralitätspflicht hat der Gastroverband IHK-Präsident Peter Adrian mit Fristsetzung zum Handeln aufgefordert.

Sollte Adrian sich nicht bis Anfang nächster Woche zu erhobenen Vorwürfen äußern, werde der Dehoga gerichtliche Schritte in die Wege leiten, heißt es in einem, unserer Zeitung vorliegenden Schreiben des Dehoga-Anwalts Rolf Bietmann. Parallel dazu habe man das für die Aufsicht zuständige Mainzer Wirtschaftsministerium gebeten, mögliche Konsequenzen gegen den Trierer IHK-Hauptgeschäftsführer zu prüfen.

Hintergrund des Streits zwischen dem Dehoga und der Trierer IHK ist ein Schreiben, das Kammer-Chef Glockauer für den beim Gastroverband in Ungnade gefallenen Traben-Trarbacher Hotelier Matthias Ganter entworfen haben soll. Der Gaststättenverband um seinen Präsidenten Gereon Haumann sieht darin einen „krassen Funktionsmissbrauch“ und hatte Mitte Mai angekündigt, dagegen vorgehen zu wollen.

Der Dehoga-Landesverband kommt seit Monaten aus den Schlagzeilen nicht mehr raus. Hintergrund ist eine Klage von 20 Hoteliers und Gastronomen gegen die vorzeitige Amtszeitverlängerung von Präsident Haumann (unserer Zeitung berichtete mehrfach). Dem Traben-Trarbacher Hotelier Ganter warfen die Dehoga-Verantwortlichen in dem Zusammenhang „verbandsschädigendes und unehrenhaftes Verhalten“ vor und schlossen ihn aus.

Eine Entscheidung, die vergangenen Monat auch von den Verbandsgremien bestätigt wurde. Gleichzeitig gab es Rückendeckung für den wegen der vorzeitigen Amtszeitverlängerung und der üppigen Dotierung in der Kritik stehenden Haumann.

Nachdem zuvor der Streit zwischen Gastroverband und Klägern dominierte, rückte nun plötzlich der Knatsch zwischen Verband und IHK in den Fokus. In Trier sind die Verantwortlichen hörbar darum bemüht, kein weiteres Öl in das ohnehin erhitzte Feuer zu gießen. Man sei „unverändert daran interessiert, die bislang konstruktive Zusammenarbeit mit dem Dehoga Rheinland-Pfalz fortzusetzen“, sagte Kammersprecher Sebastian Klipp auf Anfrage unserer Zeitung. Man könne kein Fehlverhalten der Kammer feststellen, so Klipp, und bei dem beanstandeten Schriftwechsel handele es sich um eine individuelle Beratung, „zu der wir gesetzlich legitimiert sind“.

Ob es seriöser Verbandsarbeit entspreche, eine erkennbar fehlgeleitete E-Mail-Korrespondenz zwischen Herrn Ganter, seinem Anwalt und der IHK in die Öffentlichkeit zu tragen, müsse der Dehoga selbst beurteilen. Ähnlich hatte die Trierer Industrie- und Handelskammer auch schon im Mai argumentiert, nachdem sie bei einer Dehoga-Pressekonferenz in Bad Kreuznach scharf attackiert worden war.

Derweil gibt es auch im Fall des ausgeschlossenen Traben-Trarbacher Hoteliers Bewegung. Matthias Ganter wird sich definitiv gerichtlich gegen seinen Rauswurf aus dem Dehoga wehren. Im Gespräch mit unserer Zeitung kündigte der 57-Jährige an, dass seine Anwälte noch in dieser Woche Klage einreichen werden.

In dem renommierten Hotelier sehen die Dehoga-Verantwortlichen einen der Hauptdrahtzieher des Widerstands gegen Präsident Gereon Haumann. Ganter, so der Vorwurf, soll „bewusst wahrheitswidrige Behauptungen“ zu Honoraren des 53-jährigen Haumann aufgestellt und an die Medien weitergeleitet haben.

Doch auch an einer anderen Stelle rückt eine Gerichtsentscheidung näher. Nach Informationen unserer Zeitung ist der Verhandlungstermin für die Klage der 20 Gastronomen gegen die vorzeitige Amtszeitverlängerung des Dehoga-Bosses bis 2029 jetzt festgelegt. Demnach treffen sich die beiden streitenden Parteien am Mittwoch, 16. Oktober, um 9.30 Uhr vor dem Bad Kreuznacher Landgericht.

Die Trierer IHK frohlockt bereits, dass man sich vom Ausgang der noch anhängigen Verfahren „eine baldige Auflösung der Irritationen“ erhoffe.

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