Geld nur noch bei guter Qualität?

Gesundheit : Medizinische Versorgung: Geld nur noch bei guter Qualität?

Die Landeschefin der Krankenkasse Barmer fordert ein Umdenken bei der medizinischen Versorgung auf dem Land. Kassen sollen bei Krankenhausplanung mitsprechen dürfen.

Ginge es nach Dunja Kleis, Landeschefin der Krankenkasse Barmer, dann würden in Rheinland-Pfalz deutlich mehr Klinikbetten abgebaut, als das Land plant. Um 268 soll die Zahl der derzeit insgesamt 23 924 stationären Plätze reduziert werden, gleichzeitig soll die der teilstationären Plätze um 288 wachsen. Das sieht der Entwurf des Krankenhausplans vor, der gestern im Gesundheitsausschuss des Landtags diskutiert worden ist.

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Ein vom Land in Auftrag gegebenes Gutachten ist zu dem Schluss gekommen, dass es in den rheinland-pfälzischen Kliniken 2600 überschüssige Betten gibt (der TV berichtete). Auch der Landesrechnungshof hatte einen Überhang von 1800 Betten errechnet. Kleis hält diese Zahlen für realistisch. Doch die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler ignoriert die Forderung des 192 000 Euro teuren, von ihrem Haus finanzierten, Gutachtens für einen drastischen Bettenabbau. Lediglich eine „moderate“ Reduzierung der Planbetten soll es bis 2025 geben. Ziel soll es sein, so die Ministerin, dass die Krankenhauskapazitäten an den einzelnen Standorten „bedarfsnotwendig“ geplant würden. Dabei soll auch die Auslastung der einzelnen Fachrichtungen und auch die Entwicklung der Patientenzahlen und die Dauer der Behandlungen berücksichtigt werden. Auch die Erreichbarkeit soll bei der Planung eine Rolle spielen. Demnach sollen Krankenhäuser mit Innerer Medizin und Chirurgie in spätestens 30 und Geburtshilfen in 40 Minuten erreichbar sein. Die Ministerin verweist dabei aus­drücklich auch auf grenzüberschreitende Angebote, die bei diesen Berechnungen berücksichtigt werden müssten. So gebe es etwa im grenznahen St. Vith eine Geburtsstation.

Kleis fordert ein generelles Umdenken bei der medizinischen Versorgung auf dem Land. Die Trennung zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten müsse aufgehoben werden. Beide Sektoren müssten enger verzahnt werden.

Bei der Bedarfsplanung dürfe nicht nur der stationäre Bereich berücksichtigt werden, sondern auch der ambulante, durch den mögliche Versorgungslücken abgedeckt werden könnten. Kliniken und niedergelassene Ärzte sollten in sogenannten Gesundheitszentren zusammenarbeiten und dort Patienten gemeinsam behandeln, fordert Kleis.

Das sichere nicht nur die medizinische Versorgung in ländlichen Gebieten, es eröffne auch jungen Medizinern neue Beschäftigungsmöglichkeiten und könne dazu führen, dass sie sich dort niederlassen, wo es einen Mangel an Ärzten gibt. Kleis sieht in diesem Zusammenhang auch die Kommunen in der Pflicht, die frühzeitig signalisieren müssten, wenn ein Ärztemangel oder eine Versorgungslücke drohe. Die Landeschefin der Barmer spricht sich auch dafür aus, dass komplexe Behandlungen, wie etwa Lungenkrebs-Operationen, künftig nur noch von dafür spezialisierten Kliniken durchgeführt werden sollen. Kleinere Krankenhäuser sollen sich auf die medizinische Grundversorgung spezialisieren. Was aber letztlich dazugehört, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Es dürften keine Bedarfe für kleinere Kliniken kreiert werden, fordert Kleis. Viele Angebote gingen am Bedarf vorbei.

Kleis fordert daher auch, dass die Kassen künftig stärker bei der Krankenhausplanung miteingebunden werden. Die vom Land zur Verfügung gestellten Investitionen sollten künftig stärker an der Qualität der medizinischen Versorgung ausgerichtet werden. Nur wenn mit einer Investition die Qualität gesteigert werden könne, solle Geld vom Land fließen.

Und dafür, so Kleis, müsse mehr Geld als die derzeit eingeplanten 135 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Sie fordert 300 Millionen Euro für die Krankenhäuser im Land. Weil Mittel fehlten, müssten viele Kliniken im Land Geld, das sie von Krankenkassen für die medizinische Behandlung und fürs Personal bekämen, für notwendige Investitionen verwenden. Dadurch wiederum müsste etwa bei der Pflege gespart werden, was sich in einem Mangel und einer Überlastung des Personals und fehlender Qualität niederschlage, sagt Kleis.

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