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Exkursion Eifel im Weltkrieg untersucht den richtigen Weg zur Erinnerung

Geschichte : Die Eifel war ein wichtiger Schauplatz des Zweiten Weltkriegs – wie sollte daran erinnert werden?

Aufmarschgebiet, Ardennenoffensive, letzter Versuch, die Allierten aufzuhalten. Die Eifel war ein wichtiger Schauplatz des Zweiten Weltkrieges. Eine Exkursion ging nun der Frage nach, wie daran sowohl auf deutscher Seite als auch in Luxemburg und Belgien erinnert wird.

Der Zweite Weltkrieg kam im September 1944 nach Hontheim. Die Deutschen Soldaten versuchten, die vorrückenden Amerikaner aufzuhalten. Die Bürger flüchteten sich in einen Bunker des nahen Reichsarbeitsdienstlagers. 200 Meter weiter kämpfen die Soldaten. Es dauerte Tage. 69 Menschen waren im Bunker und ihre Not wuchs ständig. Permanent schlugen Granaten in der Nähe ein.

Die Menschen im Bunker versprachen, wenn sie das überstünden, würden sie zu Ehren der Mutter Gottes eine Kapelle bauen. Die Menschen überlebten. Am 21. September 1950 wurde die Kapelle eingeweiht.

Sie war nun eine der Stationen auf einer Exkursion des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz – Regionalverband Eifel. Der Historiker Christoph Wilmer betreute den Ausflug, 69 Jahre nachdem die Kapelle eingeweht worden war. 23 Teilnehmer aus der Eifel, dem Hunsrück und teilweise aus Bonn besuchten sechs Orte, die an das Kriegsgeschehen in der Eifel, aber auch im Norden Luxemburgs und in Ostbelgien erinnern.„Die Eifel, das Mittelgebirge an der Deutschen Westgrenze, war vom Zweiten Weltkrieg in mehrfacher, sehr unterschiedlicher Weise betroffen“, sagt der Historiker Wilmer. „Schon in der Vorkriegszeit brachte der Bau des Westwalls Unruhe. Mit Kriegsbeginn wurden dann viele Dörfer in Grenznähe geräumt und bald wurde die Eifel dann auch zum Aufmarschgebiet.

In der letzten Kriegsphase startete in dem Mittelgebirge die Ardennenoffensive. Es war der verzweifelte Versuch, die Niederlage doch noch abzuwenden.“ Die Kämpfe hinterließen eine Vielzahl zerstörter Dörfer in der Eifel. Etliche Spuren zeugen heute noch von dieser Geschichte, manche davon sind aber sehr klein und nur schwer zu finden.

Auch in den Nachbarländern Belgien und Luxemburg gibt es viele Spuren der gleichen Geschehnisse, „aber sie sind dort die Basis einer völlig anderen Erinnerungskultur“, sagt Wilmer. Grund der Tagesexkursion war nun, diese Erinnerungsorte zu besuchen und den unterschiedlichen Umgang mit dieser Geschichte in den Nachbarländern zu sehen und zu anlysieren.

Eine der Stationen auf der Exkursion war auch das ehemalige Reichsarbeitsdienstlager mit der Kapelle, die die 68 Hontheimer errichteten, weil sie an diesem Ort ein tagelanges Granatfeuer im September 1944 überlebt hatten. Der Reichsarbeitsdienst (RAD) wurde 1935 gegründet, um die „deutsche Jugend im Geiste des Nationalsozialismus zur Volksgemeinschaft und zur wahren Arbeitsauffassung, vor allem zur gebührenden Achtung der Handarbeit [zu] erziehen“. (Paragraf 1 des Gesetzes über den Reichsarbeitsdienst vom 26. Juni 1935).

 In der Eifel gibt es viele Relikte, die an die Kämpfe vor 75 Jahren erinnern (von links nach rechts): Adolf Hitler besuchte 1939 Trier, um den Westwall zu inspizieren. Die Zeitschrift „Stars and Stripes” berichtet vom letzten großen Angriff auf Bitburg vom 14. Januar 1945, als 32 Flugzeuge 180 Bomben auf die Stadt warfen. Alliierte patrouillieren durch den Karenweg in der Bierbrauerstadt.
In der Eifel gibt es viele Relikte, die an die Kämpfe vor 75 Jahren erinnern (von links nach rechts): Adolf Hitler besuchte 1939 Trier, um den Westwall zu inspizieren. Die Zeitschrift „Stars and Stripes” berichtet vom letzten großen Angriff auf Bitburg vom 14. Januar 1945, als 32 Flugzeuge 180 Bomben auf die Stadt warfen. Alliierte patrouillieren durch den Karenweg in der Bierbrauerstadt. Foto: TV-Archiv/nicht bekannt
 In der Reichspogromnacht 1938 brannte auch die Synagoge in Bitburg.
In der Reichspogromnacht 1938 brannte auch die Synagoge in Bitburg. Foto: TV-Archiv/nicht bekannt

In ihm sollten Jugendliche vor ihrem Militärdienst Arbeit für die Allgemeinheit leisten. Er wurde mit den Jahren aber immer militärischer. Die Angehörigen halfen zum Beispiel in der Landwirtschaft, wurden aber ab 1938 ebenfalls beim Bau des Westwalls eingesetzt. Vom Lager bei Hontheim stehen heute nur noch die beiden Torpfosten – und die Kapelle.