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Hunderte Besucher machen sich ein Bild von den Ausbildungsmöglichkeiten im Handwerk.

Handwerk : „Lern-Snacks“ für neugierige Junghandwerker (Fotos)

Jugendliche tun sich mit ihrer Berufsorientierung und -findung schwer. Bei ihnen häppchenweise Lust aufs Handwerk zu wecken, das ist das Ziel der Messe „Chance Handwerk“. Doch auch das ein oder andere Elternteil übt sich (erneut) im Straßenbau oder im Dachdeckerhandwerk.

Wenn Lena-Michelle Kluge (21) auf Mädchen und junge Frauen zugeht, dann kostet sie das keine Überwindung, sondern sie ist überzeugt von ihrem Ehrenamt. Als Lehrling im zweiten Ausbildungsjahr ist die junge Frau Azubi-Botschafterin der Handwerkskammer Trier und damit eine gefragte Gesprächspartnerin sowohl in den weiterführenden Schulen der Region, aber auch bei der Messe „Chance Handwerk“. Als angehende Konstruktionsmechanikerin im Metallbau wirbt sie nämlich für ihr Handwerk, „das schon lange kein typischer Männerberuf mehr ist“, sagt sie voller Überzeugung – und fürs Handwerk und die duale Ausbildung insgesamt.

Vor allem das Schweißen hat es ihr angetan, „dass ich aus vielen Einzelteilen eine Konstruktion herstellen kann, die es vorher noch nie gegeben hat und die so aussieht, als wäre sie ein Teil“. Deshalb lockt die Auszubildende der Firma Hase in Trier der Schweißroboter auf dem neuen Campus Handwerk des Bildungszentrums. „Ich finde es interessant, immer etwas Neues kennenzulernen, und finde es deshalb wichtig, dass auch immer mehr Frauen ins Handwerk kommen“, sagt sie. Dass sie für sich selbst schon konkrete Pläne hat, versteht sich von selbst: Später im Schiffsbau in einer Werft künftige Luxusliner zusammenschweißen, das ist ihr Ziel.

Junge Leute und ihre Familien fürs Handwerk zu begeistern, kommt bei der Messe „Chance Handwerk“ nicht von ungefähr, gibt es doch aktuell rund 500 offene Lehrstellen in allen Gewerken der Region Trier, die nicht besetzt werden können. Und so werben die gut 50 Aussteller bei den mehreren Hundert Besuchern der Messe um dringend benötigten Nachwuchs. Da lassen sich die Betriebe und die Kammer inzwischen einiges einfallen. „Hier geht es auch darum, den Wandel des Handwerks zu zeigen“, sagt Thomas Sandner, Leiter des Campus Handwerk. „Ob Digitalisierung im KFZ-Gewerbe oder in der Zahntechnik: Bei vielen ist das noch nicht angekommen“, bedauert er. Und so lockt die Kammer mit sogenannten „Lern-Snacks“, um häppchenweise die jungen Leute für eine duale Ausbildung zu begeistern.

Die Betriebe gehen da ganz konkrete Wege. Der Solaranlagen-Bauer Schoenergie aus Föhren etwa wirbt neben Work-Life-Balance und Gesundheitsprogrammen mit einer großzügigen Ausstattung für den Nachwuchs vom Firmenhandy bis zum Laptop, die Firma Elektro Wilh. Schmitz aus Trier bezahlt einem Azubi gar den Führerschein und die Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio. „Die Not für Nachwuchs in den Betrieben zu sorgen, ist erkannt“, stellt Sandner fest. Deshalb sei es für die Betriebe wichtig, mit jungen Leuten und ihren Eltern „auf Augenhöhe ins Gespräch zu kommen“. Sven Kronewirth, Referatsleiter Projekte bei der Handwerkskammer, ergänzt: „Es geht darum, Neugier fürs Handwerk zu wecken, was die vollen Werkstätten und das Mitmachprogramm auch zeigen.“ Und so findet sich auch der ein oder andere Vater, der bei den Straßenbauern pflastert, Teerpappe verklebt oder seine Geschicklichkeit mit dem Mini-Bagger (erneut) übt.

 Mitmachaktion der Zimmerer und Dachdecker bei der Chance Handwerk. Sabine Schwadorf
Mitmachaktion der Zimmerer und Dachdecker bei der Chance Handwerk. Sabine Schwadorf Foto: Sabine Schwadorf

Charlotte Federmann ist froh über das große Interesse und die vielen Fragen zu ihrem Ausbildungsberuf. Auch sie ist Azubi-Botschafterin der Handwerkskammer. Als Lehrling im zweiten Ausbildungsjahr arbeitet sie bei der Firma Pura, einer Tischlerei in Föhren. Die 25-jährige hat bereits Kunstgeschichte studiert und dann erst den Weg ins Handwerk gefunden. „Ich wollte nicht so kopflastig arbeiten und finde es toll, am Ende des Tages zu sehen, was ich geschafft habe“, sagt sie. Die Vielfalt des Berufs als Tischlerin reizt sie, sodass ihre Pläne später als Restauratorin im Handwerk zu arbeiten, schon konkret geworden sind. „Mein Lehrbetrieb unterstützt mich dabei und gibt mir sogar die Perspektive, diesen Beruf dort ausüben zu können“, sagt sie. Diese positiven Zukunftsaussichten im Handwerk auch an Jugendliche und Eltern zu bringen, hält sie für besonders wichtig.